O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG
(Richard Wagner)
Besuch am
21. April 2019
(Premiere am 3. Oktober 2015)
Unter einer „Komödie von leichter Hand, ein heiter-humoristisches Satyrspiel” versteht man heute sicherlich etwas anderes, als Richard Wagner, der ab 1862 sein Werk Die Meistersinger von Nürnberg komponierte. Zumal die Inszenierung von Andrea Moses in dieser Produktion – ursprüngliche Premiere am 3. Oktober 2015 – doch sehr auf Schwarzrotgold und Fahnenschwingen setzt. Jan Pappelbaum hat einen Kirchenraum entworfen, welcher sich im Handumdrehen in einen Chef-Konferenzraum für das Treffen der Meister umwandeln lässt.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Die Schusterstube entpuppt sich als Penthouse mit einem Fliederbaum, der eigentlich eine Cannabis-Plantage ist. Die Festwiese findet vorerst vor einem Prospekt des Berliner Schlosses statt. Der fliegt in der letzten Szene weg und wird von einer paradiesisch satten, grünen Wiese ersetzt. Dazu Luftballons in Schwarzrotgold und der Schlusschor. Nun ja. Da ist doch die „Sponsorentafel“ mit den Namen aller Meister, die sowohl auf der Chefetagen-Sitzung im ersten Akt wie auch dann auf der Bühne für die Meisterkandidaten im letzten Akt eingesetzt wird, aktueller und unverfänglicher.
Dafür ist die musikalische Darbietung absolut der Festtage würdig. In erster Linie die ehrwürdigen alten Meister, die insgesamt fast 500 Jahre auf die Bühne bringen: das unverkennbare Timbre von Matti Salminen als Veit Pogner, der seine Tochter Evchen dem Gewinner anbietet, und die anderen Meister, allesamt fast lebende Legenden jeder einzelne: Olaf Bär, Graham Clark mit immer noch durchdringendem tenoralem Klang, Reiner Goldberg, Siegfried Jerusalem und als absolute Sensation – Franz Mazura, 94. Er ist am Nachmittag gestolpert und muss die Vorstellung im Rollstuhl absolvieren, was aber überhaupt nicht stört.

Das Regiekonzept sieht Evchen als eine sich emanzipierende junge Frau – mit völlig deplatziertem Abendkleid in der Kirche und mehrmals zur Zigarette greifend im Laufe des Abends. Julia Kleiter befolgt diese Anweisungen, und entfaltet obendrein ihre eigene Persönlichkeit als Sängerin: Jung, selbstsicher, authentisch. Auch Mezzosopran Katharina Kammerloher weiß als Magdalene, was sie will – den jungen David. Gezeigt wird der von Siyabonga Maqungo, der hier sein Wagner-Debüt mit schönem Klang, guter Diktion und einem intuitiven Timing für Komik gibt. Hans Sachs ist der sehr souveräne Wolfgang Koch – darstellerisch wie sängerisch immer präsent, melancholisch, poetisch, pragmatisch. Burkhard Fritz gibt den Stolzing – bodenständig und etwas zu grapschig mit Eva im Zeitalter von #metoo. Trotz kleinem Aussetzer in der Schusterstube singt er das Preislied mit viel Sensibilität und Poesie auf der Festwiese. Sein Widersacher, Sixtus Beckmesser, wird von Martin Gantner mit charakterstarker Stimme als köstliche Karikatur dargestellt. Auch die anderen kleineren Rollen sind alle hervorragend besetzt.
Daniel Barenboim am Pult seiner Staatskapelle – bei Wagner sind sie eine Einheit, die einen lebendigen, warmen, packenden, komischen und lyrischen Wagner erleben lässt. Dazu der von Martin Wright einstudierte Chor, der besonders viel Spaß an der Rauferei des zweiten Aktes hat und doch dann feierlich und leicht ironisch auf der Festwiese feiert – in den bunten Kostümen von Adriana Braga Peretzki, die zu einem biederen Provinzfest passen. Das Finale wird von Barenboim angefeuert – Orchester, Chor und Solisten bersten vor Lebensfreude.
Nach dem langanhaltenden Schlussapplaus noch eine persönliche Würdigung: Intendant Matthias Schulz übergibt Franz Mazura einen riesen Blumenstrauß, den 95. Geburtstag in zwei Stunden am 22. April vorwegnehmend. Daniel Barenboim spricht noch sehr herzliche, persönliche Worte und erinnert an die vielen gemeinsamen Produktionen der letzten 40 Jahre. Ein rundum musikalisch und menschlich sehr befriedigender Abend.
Zenaida des Aubris