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Die Schönheit der leeren Bühne

A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM
(Benjamin Britten)

Besuch am
26. Januar 2020
(Premiere)

 

Deutsche Oper Berlin

Genauso wie die Vorlage von William Shake­speare ist der Mittsom­mer­nachts­traum ein Märchen für Erwachsene. Wie erzählt man ein solches Märchen im 21. Jahrhundert? Wie kann man dieses 1960 entstandene Meisterwerk der Orches­trierung durch­schimmern lassen? Eine Produktion mit üppigen Fanta­sie­kos­tümen und entspre­chendem Bühnenbild ist zwar eine Lösung, kann aber ganz leicht ins Kitschige umkippen. Eine andere Variante wäre mit vielem digitalen Schnick­schnack und hologra­fi­schen Effekten, käme aber den meisten Opern­budgets zu teuer. Bleibt eigentlich nur die entge­gen­ge­setzte Variante – kein Bühnenbild, es wird alles der eigenen, blühenden Fantasie überlassen.  Die Variante haben sich Regisseur Ted Huffman und seine Bühnen­bild­nerin Marsha Ginsberg ausge­sucht. Es funktio­niert hervor­ragend! Nur einige wenige Requi­siten wie eine Leiter, die zum Mond führt, oder eine Wolke, die Trübsal ankündigt, genügen vollkommen, um eine Stimmung vor dem grauen Panorama der ersten Hälfte herzu­stellen. Kostüm­bild­nerin Annemarie Woods steckt alle Charaktere in eine recht trostlose Einheitsmode – die Elfen tragen hellgraue, formelle Hosen­anzüge, die Menschen schmucklose Gewänder aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Glissando-Streicher führen in die Welt der Feen und ihre Herrscher Oberon und Tytania ein. Nicht alles ist in Ordnung mit ihrer Beziehung, und Oberons Versuch, die Zuneigung seiner Frau durch einen Zauber­trank zurück­zu­ge­winnen, löst eine Reihe von Ereig­nissen aus, die letzt­endlich zeigen, dass diese Wesen in Bezug auf Eifer­sucht und Gier sich nicht so sehr von Menschen unter­scheiden. Zwei junge Menschen­paare und eine Truppe von Handwerkern werden in die Mischung geworfen, um die Handlung zu kompli­zieren. Oberons Diener Puck, eine sprechende Partie, dient als Erzähler und Vermittler zwischen den beiden Welten und schwebt mit Zylinder vom Himmel herab.

Nach der eher schlep­penden Handlungs­ent­wicklung der ersten Hälfte wird die zweite Hälfte mit dem von den Handwerkern aufge­führten Theater­stück verzaubert. Auch jetzt kein Bühnenbild – nur wird alles in rotes Licht getaucht.  Dazu kommen noch sechs Stühle für die Hochzeits­ge­sell­schaft der Menschen, und schon ist die Bühne für das Amateur-Theater­stück der Handwerker fertig: Sam Pinkleton choreo­gra­fiert zwei überle­bens­große Pappmaché-Puppen, die die Liebes­ge­schichte von Pyramus und Thisbe darstellen, etwas tolpat­schig, aber liebe­volle von den Handwerkern geführt.  Die Produktion ist einfach und sparsam, dennoch skurril und charmant und lädt das Publikum ein, sich auf Brittens bezau­bernde Musik und Shake­speares kluge Farce zu konzentrieren.

Foto © Bettina Stöß

Zielge­recht leitet Donald Runnicles das Orchester der Deutschen Oper Berlin mit den harmo­nisch fließenden Melodien von Britten. Die Holz- und Blech­bläser, insbe­sondere die Trompeten, setzten sich gegen weiche und schim­mernde Streicher und unter­streichen das komödi­an­tische Zusam­men­spiel von Elfen- und Menschenwelt. Die Feen werden vom Kinderchor gesungen und gespielt. Christian Lindhorst fokus­siert ihren Klang ins Überirdische.

Mittsom­mer­nachts­traum verlangt nach einer großen Besetzung, die hier nahezu samt und sonders aus dem Ensemble der Deutschen Oper stammt. Die Sänger sind mit Engagement und Begeis­terung dabei und widmen sich voll und ganz den körper­lichen und gesang­lichen Anfor­de­rungen des Werkes. Counter­tenor James Hall ist Oberon, mit klarer Sprache und Stimme, wenn auch wenig ausdrucks­stark. Dagegen ist seine Tytania, Sopran Siobhan Stagg, eine energische Feenkö­nigin mit glänzenden Kolora­turen. Mezzo Annika Schlicht beein­druckt sowohl stimmlich wie darstel­le­risch als Hippolyta. Dagegen kann ihr Partner Bass Padraic Rowan, der die Partie des Fürsten Theseus innehat, nur ein Schat­ten­dasein fristen. Unter den jungen Liebhabern beein­druckt Mezzo Karis Tucker als Hermia mit ihrer Bühnen­präsenz und einem warmen und sympa­thi­schen Gesang. Tenor Gideon Poppe ist ein zarter Lysander, während Bariton Samuel Dale Johnson den Demetrius sonor besingt. Sopran Jeanine De Biques Helena ist lebhaft und charmant. Bei den Handwerkern ist der Bottom von James Platt hervor­zu­heben – ein resonanter Bass mit großar­tigem komischem Timing. Schau­spieler Jami Reid-Quarrell springt als Puck mit großer Energie auf der Bühne herum und rezitiert Shake­speares Zeilen. Somit hat er auch das letzte Wort und wünscht dem Publikum Lebewohl und eine gute Nacht.

Einhel­liger Applaus für die Solisten und das gesamte Ensemble.

Zenaida des Aubris

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