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Foto © O-Ton

Europa trifft China

MUSICAL BELONGINGS III EISENVOGEL
(Diverse Komponisten)

Besuch am
14. April 2024
(Premiere am 12. April 2024)

 

Humboldt-Forum, Berlin

Die Lautten Compagney war und ist für innovative Programme bekannt. Vor einigen Jahren zum Beispiel kombi­nierte sie die Musik vom Minima­listen Philip Glass mit der des bedeu­tenden franko-flämi­schen Kompo­nisten, Sängers und Musik­theo­re­tikers Guillaume Dufay aus dem 16. Jahrhundert in einem Programm, das bis heute noch bestens in Erinnerung ist.

Nun hat sich die Lautten Compagney der Musik anderer Kulturen angenommen. In ihrem Projekt Musical Belon­gings unter­sucht sie nicht nur die Musik­ge­schichte, sondern auch die Möglichkeit einer postko­lo­nialen musika­li­schen Praxis, die tradi­tio­nelle Musik aus verschie­denen Weltre­gionen mit europäi­scher alter Musik zusam­men­bringt. Dieser Ansatz bietet eine frische Perspektive auf die globa­li­sierte Musik­szene und strebt danach, kultu­relle Barrieren durch die Schaffung neuer, hybrider musika­li­scher Formen zu überwinden.

Voraus­ge­gangen zur hier bespro­chenen Begegnung III war die erste Edition mit Musik aus Indien
Raga & Passa­caglia und danach mit der musika­li­schen Tradition aus Latein­amerika in Huacias­caita – Holy Experiments.

Foto © O‑Ton

Bei dieser dritten Begegnung geht es um tradi­tio­nelle Musik aus China, gepaart mit Poesie der Gegenwart. Dabei musizieren die Mitglieder der Lautten Compagney Berlin mit einer Gruppe heraus­ra­gender Musiker aus Shanghai, Taipeh, Taichung und Nanjing im sehr nüchternen Veran­stal­tungssaal 2 des Humboldt-Forums. Visuell aufge­lo­ckert wird es von auf der gesamten Hinterwand gleitenden Panorama-Ansichten tradi­tio­neller chine­si­scher Tusch­ma­lerei, geschnitzten Zinnobers, abwech­selnd mit Fotos von Arbeitern an modernen Fließ­bändern in hochmo­dernen, sauberen Fabriken im heutigen China. Daraus ist auch der Titel des Programms abzuleiten – Eisen­vogel – als Metapher für die vielen Maschinen, die sowohl die Arbeit erleichtern wie dominieren und auch die Würde der Menschen nehmen.

Die Initiative, klassische chine­sische Musik und zeitge­nös­sische Poesie in ein und demselben Atemzug zu erkunden, setzt auf eine sorgfältige Unter­su­chung des musika­li­schen Dialogs zwischen China und Europa während der Ära der Spätre­nais­sance, einer Epoche des Übergangs von der Ming- zur Qing-Dynastie. Diese kultu­relle Synthese wird durch die Lebens­ge­schichte des Mailänder Malers Giuseppe Castig­lione, der als Láng Shìníng in die Annalen der kaiser­lichen chine­si­schen Geschichte einging, veran­schau­licht. Die Frage, wie eine musika­lische Korre­spondenz zu diesem kultu­rellen Vermächtnis aussehen könnte, wird durch die Fusion italie­ni­scher Renais­sance­musik mit tradi­tio­nellen chine­si­schen Instru­menten beant­wortet. Ebenso faszi­nierend ist die Trans­for­mation alter chine­si­scher penta­to­ni­scher Melodien, die auf europäi­schen Gamben gespielt werden.

Foto © O‑Ton

Das Programm der Lautten Compagney geht jedoch über die reine Musik hinaus und berührt tiefge­hende Fragen nach den kolonialen Unter­tönen der einstigen jesui­ti­schen Missionen und der politi­schen Strategien chine­si­scher Kaiser. Musik und Dichtung, in solchem Kontext betrachtet, enthüllen ihre macht­po­li­tische Bedeutung und die daraus resul­tie­renden Impli­ka­tionen für die moderne Welt. Diese Überle­gungen werden durch die Werke der zeitge­nös­si­schen Dichterin Zheng Xiaoqiong ergänzt, deren Verse, geprägt von ihrer Erfahrung in chine­si­schen Metall­fa­briken, sowohl die Härte des Alltags als auch die flüchtige Schönheit der Poesie einfangen. Die Schau­spie­lerin Young-Shin Kim inter­pre­tiert diese Zeilen mit einer Präzision und Ausdrucks­kraft, die schier überwäl­tigend ist. Ihr Kostüm ist eine Kombi­nation von blass­ro­sa­far­bener Bluse aus steifer Seiden­or­ganza und schwarzen weiten Hosen, die sie fast puppenhaft aussehen lässt. Ihre deutliche Sprache verneint ihr zartes Auftreten. Die Worte sind alles andere als zart, wenn sie über das kalte Metall, was sich in die Hand bohrt, spricht.

Xu Fengxia spielt den Ghuzeng, eine chine­sische Zither, und Sanxian, eine dreisaitige Laute und setzt dazu ihre rauchige Stimme wie ein Instrument ein. Auch hervor­zu­heben ist Lin Chen, die die chine­sische Trommel, Yangqin, und Schlagzeug meistert und eine enorme Spiel­freude entfaltet, die ihren langen Pferde­schwanz vehement mitschwingen lässt. Nicht minder engagiert die Mitglieder der Lautten Compagney unter der Leitung ihres Gründers Wolfgang Katschner.
Ein musika­li­scher Genuss, der Augen und Ohren wieder neu justiert und neugierig auf die vierte Begegnung von Musical Belon­gings macht, wenn sich die Lautten Compagney mit der Karibi­schen Musik verbinden wird. Mitte September dieses Jahres heißt es dann, erneut im Humboldt-Forum: Lautten Compagney Berlin meets Carribean Punta Music. Zur Debatte steht dann Punta gegen Polly – How to decolonize the Beggar’s Opera?

Zenaida des Aubris

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