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Das ist so ein rechter Saisonrausschmeißer. In Dmitri Schostakowitschs erster vollendeter Oper Die Nase, die die Komische Oper Berlin als letzte Premiere dieser Spielzeit angesetzt hat, kann das ganze Ensemble noch einmal so richtig zeigen, was es drauf hat. Dafür hat Barrie Kosky seine Inszenierung, mit der er 2016 den Einstand im Londoner Covent Garden gab und die danach auch in Australien zu sehen war, für sein Haus aufgefrischt.
Die Geschichte vom nach Aufstieg strebenden Assessor Kowaljow, der plötzlich seine Nase und damit seinen Status verliert, ihr hinterherjagt und dabei quer durch eine korrupte, faule Gesellschaft stolpert, ist für die Regiekunst Koskys ein gefundenes Fressen. Das Bühnenbild von Klaus Grünberg zeigt einen zeitlosen, dunkel gekachelten Raum mit einer kreisförmigen Drehfläche im Zentrum und einer riesigen Augenlinse als Vorhang. Schrille Massenaufzüge und ausgefeilte individuelle Szenen wechseln rasant miteinander ab; ein Panoptikum von originellen Typen agiert auf der Bühne, deren Extravaganz in den fantasievollen, teils folkloristischen Kostümen von Buki Schiff zum Ausdruck kommt.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Dazu wird jede Gelegenheit zum Tanzen genutzt, was bei der choreografischen Klasse von Otto Pichler nur zu begrüßen ist. Da steppen die Nasen, vollführen Polizisten Groteskmärsche oder bringen Männer in Korsage und Netzstrümpfen verruchtes Revue-Feeling mit ein. Dass diese Tanzgruppe eine Wucht ist, braucht kaum noch erwähnt zu werden. Kurzum: hier ist ein perfekt getimtes Spektakel zu bewundern.

Man möchte sie alle nennen, die fabelhaften Singdarsteller der Komischen Oper, die sämtlich in mehreren Rollen auftreten: Jens Larsen als bassgewaltiger Barbier und Arzt, Rosie Aldridge als komödiantische Fernsehmoderatorin, Ursula Hesse von den Steinen als vokal üppige Offizierswitwe samt Tochter Mirka Wagner, die zudem als Trauernde mit innigem Klagegesang berührt, und Johannes Dunz, dessen schöner Tenor immer herauszuhören ist, dazu die vielen anderen Solisten in kleinen und kleinsten Rollen, die teilweise auch mit Choristen besetzt sind. Wobei der von David Cavelius einstudierte Chor auch in der Gesamtheit mit darstellerischer Wendigkeit und homogener Klangfülle imponiert. Ungeachtet der famosen Ensembleleistung ist es der Abend des herzlich gefeierten Günter Papendell, der aus dem Kowaljow mit prächtigem Stimmeinsatz und beredter Körpersprache eine Charakterstudie ersten Ranges macht. Er spielt ihn als nicht besonders sympathischen Zeitgenossen, der stets auf seinen Vorteil bedacht ist, jedoch wegen der erfolglosen Nasensuche zunehmend verzweifelt. Außerdem hat Kowaljow kein besonders gutes Benehmen, er spuckt gerne und kratzt sich, was Papendell genüsslich zum Besten gibt.
Der designierte GMD Ainārs Rubiķis nimmt sich Schostakowitschs frecher, krachend bunter Musik mit einer fast greifbaren Energie und scharfer Präzision an, achtet aber auch darauf, dass das Leise, Melancholische der Partitur nicht zu kurz kommt; das Orchester folgt ihm dabei mit spielerischer Perfektion.
So viel Vitalität auf der Bühne und im Orchestergraben – das ergibt einen satten Premierenerfolg und ein jubelndes Publikum am Ende.
Karin Coper