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Foto © Iko Freese

Revue mit Nasen

DIE NASE
(Dmitri Schostakowitsch)

Besuch am
16. Juni 2018
(Premiere)

 

Komische Oper Berlin

Das ist so ein rechter Saisonraus­schmeißer. In Dmitri Schost­a­ko­witschs erster vollendeter Oper Die Nase, die die Komische Oper Berlin als letzte Premiere dieser Spielzeit angesetzt hat, kann das ganze Ensemble noch einmal so richtig zeigen, was es drauf hat. Dafür hat Barrie Kosky seine Insze­nierung, mit der er 2016 den Einstand im Londoner Covent Garden gab und die danach auch in Australien zu sehen war, für sein Haus aufgefrischt.

Die Geschichte vom nach Aufstieg strebenden Assessor Kowaljow, der plötzlich seine Nase und damit seinen Status verliert, ihr hinter­herjagt und dabei quer durch eine korrupte, faule Gesell­schaft stolpert, ist für die Regie­kunst Koskys ein gefun­denes Fressen. Das Bühnenbild von Klaus Grünberg zeigt einen zeitlosen, dunkel gekachelten Raum mit einer kreis­för­migen Drehfläche im Zentrum und einer riesigen Augen­linse als Vorhang. Schrille Massen­aufzüge und ausge­feilte indivi­duelle Szenen wechseln rasant mitein­ander ab; ein Panop­tikum von origi­nellen Typen agiert auf der Bühne, deren Extra­vaganz in den fanta­sie­vollen, teils folklo­ris­ti­schen Kostümen von Buki Schiff zum Ausdruck kommt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Dazu wird jede Gelegenheit zum Tanzen genutzt, was bei der choreo­gra­fi­schen Klasse von Otto Pichler nur zu begrüßen ist. Da steppen die Nasen, vollführen Polizisten Groteskmärsche oder bringen Männer in Korsage und Netzstrümpfen verruchtes Revue-Feeling mit ein. Dass diese Tanzgruppe eine Wucht ist, braucht kaum noch erwähnt zu werden. Kurzum: hier ist ein perfekt getimtes Spektakel zu bewundern.

Foto © Iko Freese

Man möchte sie alle nennen, die fabel­haften Singdar­steller der Komischen Oper, die sämtlich in mehreren Rollen auftreten: Jens Larsen als bassge­wal­tiger Barbier und Arzt, Rosie Aldridge als komödi­an­tische Fernseh­mo­de­ra­torin, Ursula Hesse von den Steinen als vokal üppige Offiziers­witwe samt Tochter Mirka Wagner, die zudem als Trauernde mit innigem Klage­gesang berührt, und Johannes Dunz, dessen schöner Tenor immer heraus­zu­hören ist, dazu die vielen anderen Solisten in kleinen und kleinsten Rollen, die teilweise auch mit Choristen besetzt sind. Wobei der von David Cavelius einstu­dierte Chor auch in der Gesamtheit mit darstel­le­ri­scher Wendigkeit und homogener Klang­fülle imponiert. Ungeachtet der famosen Ensem­ble­leistung ist es der Abend des herzlich gefei­erten Günter Papendell, der aus dem Kowaljow mit präch­tigem Stimm­einsatz und beredter Körper­sprache eine Charak­ter­studie ersten Ranges macht. Er spielt ihn als nicht besonders sympa­thi­schen Zeitge­nossen, der stets auf seinen Vorteil bedacht ist, jedoch wegen der erfolg­losen Nasen­suche zunehmend verzweifelt. Außerdem hat Kowaljow kein besonders gutes Benehmen, er spuckt gerne und kratzt sich, was Papendell genüsslich zum Besten gibt.

Der designierte GMD Ainārs Rubiķis nimmt sich Schost­a­ko­witschs frecher, krachend bunter Musik mit einer fast greif­baren Energie und scharfer Präzision an, achtet aber auch darauf, dass das Leise, Melan­cho­lische der Partitur nicht zu kurz kommt; das Orchester folgt ihm dabei mit spiele­ri­scher Perfektion.

So viel Vitalität auf der Bühne und im Orches­ter­graben –  das ergibt einen satten Premie­ren­erfolg und ein jubelndes Publikum am Ende.

Karin Coper

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