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Tanz in den Wahnsinn

NIJINSKY
(Marco Goecke)

Besuch am
26. Januar 2018
(Gastspiel)

 

Festspielhaus Berlin

2007 gründete der Tänzer und Choreograf Eric Gauthier die Company Gauthier Dance, die den Schwer­punkt auf zeitge­nös­si­schen Tanz legt. Ihren Stammsitz hat sie im Theaterhaus Stuttgart, nicht weit vom Stutt­garter Ballett, wo Gauthier lange Zeit engagiert war. Trotz der inner­städ­ti­schen Konkurrenz errang die Truppe schnell überre­gionale Bedeutung und tourt mittler­weile durch die ganze Welt. In Berlin ist sie zum ersten Mal – und sehr, sehr glücklich darüber, wie Gauthier bei seiner launigen Vorrede im Haus der Festspiele betont.

Gezeigt wird das abend­fül­lende Ballett Nijinsky von Marco Goecke. Die Urauf­führung fand im Juni 2016 statt und wurde prompt vom Publikum als belieb­teste Produktion des Jahres ausge­zeichnet. Es ist nicht das erste Mal, dass die russische Tänzer­le­gende Titelheld eines Balletts ist. Schon 2000 setzte sich John Neumeier mit Vaslav Nijinski ausein­ander und widmete ihm ein üppiges Handlungs­ballett. Goecke geht in seinem Stück einen anderen Weg. Die Ausstattung ist minima­lis­tisch. Die Bühne, die Michaela Springer entworfen hat, ist schwarz ausge­schlagen, es gibt ein paar Licht­ef­fekte und einige Requi­siten, mehr nicht. In einem mytho­lo­gi­schen Prolog erfindet die Muse Terps­ichore den Tanz. Erst die folgenden, inein­ander überge­henden Bilder zeigen einige von Nijinskys Lebens­sta­tionen: den Abschied von der Mutter, den Eintritt in die Peters­burger Ballett­aka­demie, die Begegnung mit Sergei Pawlo­witsch Diaghilew, die Kreation drei zentraler Rollen, die Ehe mit Romula und das Abdriften in den Wahnsinn.

POINTS OF HONOR

Musik
Tanz
Choreo­grafie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Goeckes Choreo­grafie, für die er vorwiegend Musik von Chopin und Debussy gewählt hat, ist von erregter Spannung aufge­laden. Selten sind den Tänzern weiche, fließende Abläufe gegönnt. Sie stehen wie unter Hochdruck, die Arme und Hände flattern und zucken. Auch akustische Mittel setzt Goecke ein: Einmal spricht ein Tänzer hastig und nur andeu­tungs­weise verständlich Nijinskys Biografie in ein Mikrofon, und immer wieder atmen die Akteure hörbar ein, sie hecheln und stöhnen. Tanz ist eben auch Anstrengung, will Goecke vielleicht sagen. Es ist ein düsterer Abend, der auch die Schat­ten­seiten des Künst­lertums andeutet, die Goecke gerade selbst erfahren musste. Sein Vertrag als Hauscho­reograf beim Stutt­garter Ballett wurde nach einem Inten­dan­ten­wechsel nicht verlängert und die Premiere des geplanten Balletts über Franz Kafka aus Krank­heits­gründen abgesagt.

Foto © Regina Brocke

Was den Abend zum beson­deren Ereignis macht, ist die Hingabe, mit der die Tanzcompany Goeckes Stil verin­ner­licht hat. Allen voran Rosario Guerra, der den Nijinski mit fieber­hafter Inten­sität verkörpert und die Entwicklung vom hochbe­gabten Jüngling bis zum schizo­phren Erkrankten in beklem­mender Weise nachvollzieht.

Drei Mal wird Nijinsky in Berlin vor absolut ausver­kauftem Haus gespielt. Die Karten sind wie selten begehrt. Nach der Vorführung gibt es standing ovations und ein abschlie­ßendes Publi­kums­ge­spräch. Es wird zu einem unter­halt­samen wie anregenden Nachspann, denn man lernt Gauthier als charis­ma­ti­schen, sozial engagierten Tausend­sassa kennen, der noch viel im Ballett bewegen will. Das nächste Gastspiel in Berlin ist auf jeden Fall schon projektiert.

Karin Coper

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