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Foto © Bernd

Oper als Geburtstagsgeschenk

OCEANE

Besuch am
28. April 2019
(Urauf­führung)

 

Deutsche Oper Berlin

Eine Urauf­führung ist immer aufregend – ein neues Stück, jungfräulich zu hören, ohne Vorur­teile – wie wird es gefallen?  Bei der elften Oper von Detlev Glanert, Oceane, hat es gefallen. Hans-Ulrich Treichel hat das Libretto frei nach Oceane von Parceval, dem Roman­fragment von Theodor Fontane, geschrieben, der wiederum von seiner sehr unabhän­gigen Tochter inspi­riert war. Heuer, im 200. Geburtsjahr von Fontane, ist das von der Deutschen Oper kommis­sio­nierte Werk das Geburts­tags­ge­schenk an den Dichter.

Oceane ist eine junge Frau, die aus dem Nichts auftaucht, die bürger­lichen Sommer­gäste eines Badeortes um die Jahrhun­dert­wende aufwühlt, das Herz eines jungen Mannes erobert, dann aber mysteriös wieder im Nichts verschwindet. Sie identi­fi­ziert sich mit der Natur, ist still und in sich gekehrt. Ähnliche Figuren gibt es zuhauf in der Literatur – Melisande, Rusalka, Undine, Lorelei, sogar die kleine Meerjungfrau von Hans Christian Andersen. Sie alle haben eine Eigen­schaft gemein – sie machen, was sie wollen und nicht, was die bürger­liche Gesell­schaft von ihnen erwartet.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Glanert nimmt Rücksicht auf sein Publikum – elegisch geht es in der andert­halb­stün­digen Oper zu. Seine musika­lische Herkunft und Inspi­ra­ti­ons­quellen verleugnet er nicht – aus der Schmiede von Hans Werner Henze kommend, lässt seine Musik auch Anklänge vom späten Richard Strauss auffla­ckern. Die Orches­trierung von vielen Passagen ist sehr dicht, der Eindruck von überla­gerten Tonschichten entsteht. In seinen Worten: „Oceanes Leitklänge sind ein zerstörter D‑Dur-Akkord und viele Spalt­klänge, also nur hohe und niedrige Töne und in der Mitte nichts. Die Figur hat eine Unwucht – während bei ihrem Gegen­spieler Martin von Dircksen in der Mitte alles voller Akkorde ist. Man kann hören, dass die beiden einfach nicht kompa­tibel sind.”

Zusammen mit dem Regisseur Robert Carsen und dem Bühnen­bildner Luis F. Carvalho wird eine melan­cho­lische Spätsom­mer­at­mo­sphäre gestaltet. Aus der Dunkelheit des Raumes ertönen Klänge und schwellen an. Es ist nicht klar, sind das Stimmen oder Instru­mente? Gleich­zeitig wird eine übergroße Projektion auf der Leinwand erkennbar – das gebro­chene und verdrei­fachte Bildnis von einer jungen Frau, Oceane. Die Kamera dringt bis in ihre Pupille ein – da öffnet sich eine Meeres­land­schaft. Der sanfte Wellengang und die Wolken am Himmel, sehr sensibel vom Video­künstler Robert Pflanz zusam­men­ge­stellt, bleiben den ganzen Abend mehr oder minder präsent. Dorothea Katzer entwirft passend elegante fin-de-siècle-Kostüme für einen mondänen Sommer­auf­enthalt am Strand. Die melan­cho­lische Atmosphäre in schwarzweiß überträgt sich auf die Terrasse eines Strand­hotels, wo Madame Luise über die bevor­ste­hende Pleite lamen­tiert. Da kommt eine scheinbar sehr reiche, unbekannte, junge Frau als Gast gerade recht, zumal sich der begehrte Jungge­selle, Martin von Dircksen, sofort in sie verliebt. Aber ihre Unnah­barkeit und später ihr unange­passter freier Tanz, passen nicht in diese Gesell­schaft. Zwar kommt es zu einer Doppel­ver­lobung – auch ihre Gesell­schaftsdame und Martins Freund verlieben sich, aber dann verschwindet Oceane.  Immerhin ist sie gut erzogen und schreibt einen höflichen Abschieds­brief an den verzwei­felten jungen Mann, der über das Meer blickt.

Foto © Bernd Uhlig

Die Besetzung ist bis in die kleinste Rolle gut durch­dacht. Sopran Maria Bengtsson ist eine Ideal­be­setzung als Oceane – ihr klarer Sopran so kühl und außer­ir­disch, wie sie auch schön ist. Kein Wunder, dass Nikolai Schukoff als Gutsbe­sitzer Martin sich auf der Stelle in sie verliebt. Er verkörpert seine Rolle als aufstre­bender Macher sehr gut, sein Tenor hat auch in der mittleren Lage viel Präsenz, aber die Höhe ist angestrengt. Sein Freund Albert ist von Bariton Christoph Pohl sympa­thisch darge­stellt. Die junge Gesell­schaftsdame Kristina ist von Nicole Haslett mit einer fröhlich-niedlichen Quiet­schenten-Koloratur gerade richtig besetzt. Grandios als Sängerin und Darstel­lerin: Mezzo Doris Soffel als Madame Luise, die sich so gerne an das belle Paris erinnert und noch auf ein finan­zi­elles Wunder hofft, um ihr eigenes Grand Hotel wieder­her­zu­stellen. Ihr zur Seite der treue Diener Georg, brillant in Stimme und Ausdruck von Bassba­riton Stephen Bronk inter­pre­tiert. Mit dominantem Bass ist Albert Pesen­dorfer der biedere Pastor, der sehr viel Wert auf Konven­tionen legt und kein Verständnis für den freien Geist von Oceane hat.

Donald Runnicles hält das sehr präsente Orchester bestens in Schach, lässt die Farbigkeit der Partitur von Glanert oft überwäl­tigend aufblühen. Der von Jeremy Bines einstu­dierte Chor ist gut aufein­ander abgestimmt und stellt die bürger­liche Gesell­schaft mit Überzeugung dar.

Zum Schluss langan­hal­tender, jubelnder Beifall für alle Teilnehmer, den Kompo­nisten und das Regieteam.

Zenaida des Aubris

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