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Foto © Michael Bigler

Und manchmal kann man sogar lachen

DIE RACHE DER FLEDERMAUS
(Kai Tietje)

Besuch am
11. Februar 2023
(Premiere am 10. Februar 2023)

 

Komische Oper Berlin

Im Engli­schen gibt es einen wunder­baren Begriff, den man nicht so richtig ins Deutsche übersetzen kann: wenn etwas camp ist, ist das so viel wie übertrieben, grotesk, klamaukhaft, ironisch, zum Augen-Rollen-komisch aber nicht immer zum Lachen, überdreht. Die Rache der Fledermaus ist camp.

Stefan Huber und Kai Tietje nehmen sich den Klassiker von Johann Strauss Sohn vor und erzählen die gleiche Geschichte, aber unter­ziehen sie einer nochma­ligen heftigen, klamau­kigen Übertreibung und machen es eben camp. Das hat weder die Geschichte noch die Musik nötig. Witziger oder relevanter wird es dadurch nicht. Aber warum nicht mal eine abgespeckte, zackige Version? Die Musik­thea­ter­pro­duktion ist ein Gastspiel des Casino­theaters Winterthur, die zeigt, dass es nicht immer foie gras und Champagner sein muss.

Schon bei der Ouvertüre geht’s los – das gesamte vierzehn­köpfige Ensemble singt die so bekannten Melodie a cappella in einem durchaus flotten Tempo, das dann durch das gesamte Stück gehalten wird. Manchmal wäre ein Innehalten angebracht, als Kontrast, um dann wieder Fahrt aufzu­nehmen. Regisseur Stefan Huber und Choreograf Danny Costello aber lassen nicht locker. Immer wieder ertönt der Ruf nach „nicht singen“ und am Ende auch noch das obligate „Singen ist gegen die Hausordnung“.  Das gesamte Ensemble twirlt und quirlt über die Bühne, nicht nur im zweiten Akt bei der Party von Prinz Orlovsky.

Auf der leeren Bühne sind viele Stühle und Sessel – ausge­suchte Fundus­stücke vielleicht – die hin und her geschoben werden, je nach musika­li­scher Laune und Situation. Da ist der rot-samtene Belle-Epoque-Sessel für Rosalinde, dort der überstülpte Art-Deco-Sessel als Schreib­tisch für den Gefäng­nis­di­rektor Franke, alles sehr geckig, wofür Heike Seidler verant­wortlich ist.  Ebenso macht sie die Kostüme, und da zeigt sie auch einen witzigen, parodis­ti­schen Misch­masch an Stilen – von poppigen Mary-Quant-60-er über Pailletten und Fauxfell-besetzten Ärmeln bis hin zum 90-er-Jahre-Sport­dress für Frosch. Nach dem Motto, alles drin alles dran. Irgendwie funktio­niert der Schmelz­tiegel dann doch.

Foto © Michael Bigler

Huber feuert sein Ensemble an und holt jedes Quäntchen an Spiel­freude aus ihnen raus. Da sind die Geschwister Pfister – schon oft auf der Bühne der Komischen Oper gefeiert – Tobias Brun als betro­gener und betrü­gender Ehemann Gabriel von Eisen­stein und seine Frau Rosalinde, von Christoph Marti in Drag gespielt und mit kräch­zendem Falsett gesungen. Beide bilden eine Achse, werfen sich die Bälle zu. Dazu kommen die Rollen von Franz Frickel als Gefäng­nis­di­rektor Frank und Max Gertsch als Notar Dr. Falke – solide Bürger, die sich in ihrer Biederkeit auch amüsieren können. Die Chanson- und Musical­sän­gerin Stephanie Dietrich mimt den Prinzen Orlofsky mit übertrie­benem russi­schem Akzent und wenig Witz. Dafür ist Gabriela Ryffel mit pointierten Kolora­turen und kapri­ziösen Wendungen ein äußerst gelun­genes Stuben­mädchen Adele, die eine wunderbare Gegen­spie­lerin mit trockenem Humor in Nini Stadlmann als oppor­tu­nis­tische Schwester Ida hat. Alen Hodzovic verkörpert mit schönem, tenoralem Timbre und gutem komischem Timing die Rolle des Sängers und ehema­ligen Liebhabers Alfred. Und dann wäre noch Stefan Kurt – zuletzt an der Komischen Oper gefeiert als Zaza in La Cage aux Folles – der in dieser Produktion gleich drei Rollen hat: als Advokat Dr. Blind, den Ägypter Ali Bey und Frosch der Gefäng­nis­wärter. Eben als Frosch – eine beliebte Rolle für Schau­spieler, die oft auch Bezug auf aktuelle gesell­schaft­liche und politische Gescheh­nisse kommen­tieren – macht sich Stefan Kurt die Rolle zu eigen mit gekonntem Sinn und Timing für seine Pointen.

Das Orchester ist reduziert auf fünf Musiker die rund 30 Instru­mente spielen.  Da ist das – in schickem Grün-Metallic-Frack – Trio der Zucchini Sistaz, der musika­lische Leiter Kai Tietje und Falk Breit­kreuz, der auch als Kellner fungiert. Auf einem Podium hinter der Bühne platziert, wirken die bekannten Strauss­schen Melodien erstmals befremdlich jazzig, aber bald swingt man mit und erwartet schon den nächsten Tusch und Akzent der Bongos, Singende Säge, Gitarre, Ukulele, Triller­pfeife, Jazztrompete, Maultrommel … aber keine Geigen.

Treu dem Namen der Insti­tution – Komische Oper Berlin – wurden zwei Musicals hinter­ein­ander heraus­ge­bracht. Erst La Cage aux Folles in einer sehr üppigen Produktion, jetzt Die Rache der Fledermaus in einer minima­lis­ti­schen Ausstattung. Die Frage kommt ganz natürlich – wie teilt man am besten ein Budget auf? Den Besucher freut beides, und hier wie dort werden die Produk­tionen wild gefeiert.

Zenaida des Aubris

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