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Foto © O-Ton

Suche nach der eigenen Identität

RUSALKA
(Antonín Dvořák)

Besuch am
19. September 2019
(Einmalige Aufführung)

 

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Rusalka ist eine Märchenoper, die große Themen und Emotionen behandelt. Die tsche­chische Tondichtung über eine Nixe, die aus Liebe zu einem Mann Mensch werden will, beschäftigt sich auch mit der Gefahr, die eigene Natur zu leugnen, die Frage nach der wahren Liebe im Gegensatz zu einer Liebelei, der Herzschmerz einer Liebe und die letzt­end­liche Vergebung. Während der gesamten Dauer der konzer­tanten Aufführung halten die Sänger und der Dirigent das Publikum im Bann dieser emotio­nalen Strudel.

Eine Oper konzertant zu bringen, birgt immer die Gefahr, zu trocken zu wirken und läuft eigentlich der Auffassung vom Gesamt­kunstwerk zuwider. Diese Gefahr besteht bei der Aufführung dieses lyrischen Märchens zum Saison­auftakt des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin – und gleich­zei­tiges Ende des Musik­festes Berlin – nicht. Das liegt in erster Linie an der Besetzung, die großen­teils schon unter Robin Ticciati diesen Sommer beim Glynde­bourne Opern­fes­tival dieses Werk aufge­führt haben. Allen voran Sopran Sally Matthews als Rusalka, in einer durchaus passenden Robe mit schim­mernden, nixen­haften Elementen. In der ersten großen Mond-Arie – und damit der wohl berühm­testen Arie der Oper – bringt sie die gesamte Palette ihres ergreifend warmen, klaren Soprans zur Geltung. Selten ist Begehren, Schmerz und Hoffnung so einfach, schön und ohne Allüren vorge­tragen wie von Sally Matthews – und diese Quali­täten zieht sie den gesamten Abend durch. Auch wenn sie still auf einem Stuhl sitzt, lässt ihre Bühnen­präsenz nicht nach. Ihr durchaus ebenbürtig ist Mezzo Patricia Bardon als Hexe Ježibaba. Sie erteilt weise Ratschläge und ermög­licht mindestens bedingt Rusalkas Herzens­an­liegen, Mensch zu werden. Aber ebenso musika­lisch genüsslich und maliziös übt sie ihre Macht aus. Als dritte weibliche Haupt­rolle ist Zoya Tsererina die Fürstin und Rivalin Rusalkas um die Liebe des Prinzen. Sie verkörpert das genaue Gegenteil der schlichten und authen­ti­schen Liebe von Rusalka. Der Sopran von Zoya Tsererina ist kühl, berechnend, bestechend in der Arroganz der Gewissheit ihrer Schönheit und Position.

Foto © Kai Bienert

Pavol Breslik musste kurzfristig wegen Krankheit absagen. Da ist die Dankbarkeit und Erleich­terung der DSO-Direktion förmlich spürbar, dass Klaus Florian Vogt die Rolle übernimmt. Jedoch lässt das dünne, metal­lische Timbre seines Tenors ihn als tumben Jüngling erscheinen – er hat die echte Liebe noch nicht erlebt und lässt sich leicht von den Verfüh­rungs­künsten der Fürstin einwi­ckeln und somit als persön­lich­keitsarm wirken.

Alexander Roslavets überzeugt mit seelen­vollem und noblem Bass als der gestrenge Vater von Rusalka. Die drei Waldelfen – allen voran Sopran Noluvuyiso Mpofu mit einneh­mendem Charme, Anna Pennisi und Alyona Abramova – kommen­tieren die Gefühls­wal­lungen der Nixe mit viel Persön­lichkeit. Mezzo Bethany Horak-Hallet als Küchen­junge und Tenor Colin Judson als Heger haben kurze, aber pointierte Auftritte und kommen­tieren die seltsamen Gescheh­nisse. Sehr gelungen: der Rundfunkchor auf der sehr hohen Orgel­empore als überir­di­sches Echo der Waldelfen.

Robin Ticciati führt das DSO-Orchester mit einem warmen, natur-rhyth­mi­schen Klang. Besonders am Anfang, wenn die Celli und Holzbläser den Weg in den elegi­schen Wald führen. Ticciati lässt keine Exzesse zu, er bringt die vielen Klang­farben der Partitur zum Leben – nicht zuletzt durch seine tänze­ri­schen Aktionen auf dem Podium. Ein beson­deres Lob an die Harfe­nistin, die in dieser Märchenoper die Aufgabe hat, dem Hörer die Gefühlswelt der Rusalka zu eröffnen.

Bei einer konzer­tanten Aufführung wird die Ausschmü­ckung der musika­lisch angedeu­teten Waldland­schaft, Seeflächen und sonstigen Natur­er­schei­nungen der eigenen Fantasie überlassen. Und das ist gut so, denn so kann jeder Hörer es kitschig oder minima­lis­tisch ausmalen, je nach Geschmack. Besonders, wenn es von einer so hervor­ra­genden stimm­lichen und musika­li­schen Leistung unter­stützt wird wie an diesem Abend.

Sehr warmer Applaus für die Solisten, den Dirigenten und das Orchester.

Zenaida des Aubris

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