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Hollywood an der Staatsoper

SAMSON ET DALILA
(Camille Saint-Saëns)

Besuch am
24. November 2019
(Premiere)

 

Staatsoper Berlin

Daniel Barenboim ist allem Neuen gegenüber aufge­schlossen. Er erweitert nicht nur ständig sein enormes Reper­toire, sondern gibt auch immer wieder dem Opern­regie-Nachwuchs eine Chance. Diesmal ist es der in diesem Genre debütie­rende Filmre­gisseur Damián Szifron. Dessen mehrfach preis­ge­krönte schwarze Episo­den­ko­mödie Wild Tales – Jeder dreht mal durch begeis­terte den Dirigenten dermaßen, dass er ihm die Insze­nierung von Samson et Dalila anvertraute.

Die von Camille Saint-Saëns kompo­nierte Oper, deren Urauf­führung 1877 in Weimar stattfand, basiert auf dem alttes­ta­men­ta­ri­schen Buch vom scheinbar unbezwing­baren israe­li­ti­schen Helden Samson und seiner Verführung durch die schöne Heidin Dalila. Sie entlockt ihm das Geheimnis seiner Kraft und kann ihn daraufhin gefangen nehmen. Im Gebet zu Gott findet Samson zu alter Stärke und bringt bei einem Fest den Tempel zum Einsturz. Samson et Dalila bietet ausrei­chend Potenzial für Aktua­li­sie­rungen, doch Szifron wider­steht dieser Versu­chung. Er erzählt die biblische Geschichte komplett tradi­tionell, abgesehen von einigen inter­pre­ta­to­ri­schen Akzenten. Ein solcher ist eine Traum­se­quenz, die Samson und die schwangere Dalila als glücklich vereintes Paar zeigt, ein weiterer die Ermordung des Oberpriesters durch Dalila.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Entspre­chend Szifrons Ansatz hat Étienne Plus natura­lis­tische Bühnen­bilder für die drei Akte entworfen. Die karge Stein­land­schaft, die Felsen­höhle und der Dagon-Tempel könnten der Holly­wood­ver­filmung von Cecil de Mille entstammen, deren Plakate im Programmbuch abgedruckt sind, genauso wie die antiken Gewänder von Gesine Völlm. Es gibt einen leben­digen Wolfshund, der die Leiche eines Kindes beschnüffelt, es gibt Aufmärsche von Kriegern, die Toten­köpfe als Trophäen mit sich tragen und ein üppiges Fest mit barbu­sigen Tänze­rinnen und grausigen, von Jungen vollzogene Todesritualen.

Man mag diese Art von Insze­nierung ablehnen, wie es ein Großteil des Publikums tut, doch ist sie in sich völlig stimmig und der ästhe­tische Schauwert ist hoch.

Foto © Matthias Baus

Und musika­lisch ist sie großartig. Elīna Garanča, mit schwarzer Perücke, ist eine stimmlich betörende Dalila. Ihr verschwen­de­ri­scher Mezzo­sopran verströmt von der tiefen Lage bis hin zur exponierten Höhe puren Wohllaut. Zur stimm­lichen Erfüllung wird ihre große Arie, deren erste Strophe sie, perfekt die Phrasen model­lierend, im Liegen singt. Explo­sives Agieren ist ihre Sache nicht, doch lässt die Darstellung ahnen, dass hinter der kühlen Beherr­schung Leiden­schaften lodern.

Ein vokaler Prachtkerl ist der Samson von Brandon Jovanovich. Er setzt seinen heldi­schen Tenor ohne Forcieren ein und besitzt auch die Fähigkeit zum kulti­vierten Piano. Michael Volle beweist einmal mehr stilis­tische Wandlungs­fä­higkeit. War er vor kurzem noch ein spiel­opern­def­tiger Herr Fluth in Nicolais lustigen Weibern von Windsor, so ist er jetzt mit gebie­te­ri­schem Bariton ein Oberpriester-Bösewicht par excel­lence. Kwangchul Youn ist eine Luxus­be­setzung für den Kurzauf­tritt des Abimelech, ebenso Wolfgang Schöne für den alten Hebräer. Der von Martin Wright einstu­dierte Chor beein­druckt durch Wucht und homogene Fülle.

Für Daniel Barenboim ist die Bibeloper kein Neuland. Schon 1978 dirigierte er sie in der antiken Arena von Orange, eine Aufnahme mit Plácido Domingo und Elena Obraztsova als Samson und Dalila schloss sich an. Die Musik liegt ihm, und dass sie mehr zu bieten hat als Dalilas berühmte Arie Mon cœur s’ouvre à ta voix, macht seine bezwin­gende Inter­pre­tation deutlich. Mit der prächtig aufspie­lenden Staats­ka­pelle breitet er einen üppigen Klang­teppich aus: ein exqui­sites Amalgam aus orien­ta­li­scher Koloristik, Instru­men­tie­rungs­fi­nessen und franzö­si­schem Parfüm.

Nach der fast ausver­kauften Vorstellung bejubelt das Publikum die musika­lische Leistung aller Betei­ligten, das Regieteam hingegen bekommt reichlich Ablehnung zu spüren.

Karin Coper

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