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Mondänes Salonstück

DER SCHATZGRÄBER
(Franz Schreker)

Besuch am
1. Mai 2022
(Premiere)

 

Deutsche Oper Berlin

Es war einmal … so können viele Opern anfangen, aber bei diesem Werk trifft es wirklich zu. Franz Schreker hat dieses Märchen und das Libretto ab 1915 selbst geschrieben und sich der damalig neuar­tigen Freud­schen Assozia­tionen bedient. Es geht um die Gier nach Gold und die mensch­lichen und metaphy­si­schen Triebe nach eroti­scher Anerkennung, die in allen Gesell­schaften statt­finden und in den Abgrund ziehen.

Einer Königin ist ihr Schmuck gestohlen worden, und sie fällt in eine tiefe Depression. Ihre Schönheit ist dahin, ebenso ihr Lebens­wille und ihre Frucht­barkeit. Da rät der Hofnarr dem König, den Schatz­gräber Elis aufzu­suchen, der kann mit seiner Laute als Wünschelrute Schätze aufspüren. Gesagt, getan. Der Troubadour findet den Schmuck im Wald bei der Leiche eines Edelmanns und händigt ihn der schönen Wirts­tochter Els aus – die aller­dings den Mord an dem Edelmann beauf­tragt hatte, und das nicht zum ersten Mal. Dennoch gelingt es dem Hofnarren, Els zu überzeugen, der Königin den Schmuck zurück­zu­geben. Aber die Wahrheit über Els‘ Intrigen ans Licht kommen, wird sie vor dem Galgen gerettet, indem sie mit dem Hofnarren verhei­ratet und vom Hofe verbannt wird. Im Epilog siecht Els dahin, da erscheint noch einmal der Troubadour Elis und singt sie in den Tod, um danach genauso mysteriös wieder zu verschwinden.

Christof Loy, der schon sechs Insze­nie­rungen mit großen Erfolgen an der Deutschen Oper gebracht hat, unter anderem Leoš Janáčeks Jenufa, Erich Wolfgang Korngolds Das Wunder der Heliane und Riccardo Zandonais Francesca da Rimini, widmet sich nun diesem verges­senen Opern-Schlager der 1920-er Jahre. Immerhin wurde Der Schatz­gräber ganze 354 Male nach der Urauf­führung 1920 in Frankfurt in über 50 Opern­häusern in Europa aufge­führt.  Loy lässt seinen Bühnen­bildner Johannes Leiacker das Märchen in ein Einheits­büh­nenbild setzten – edler schwarzer Marmor erinnert an die Art-Deco-Paläste der 20-er Jahre.  Barbara Drosihn entwirft passende elegante Roben für die Damen und Smoking und Uniform für die Herren des Chores, die das Geschehen in der Einstu­dierung von Jeremy Bines kommentieren.

Die Geschichte erzählt Loy als mondänes Salon­stück, als psycho­lo­gi­sches Drama anstatt als düsteres Märchen. Auch eine ästhe­tische Orgie darf sein, nach dem Motto „jeder mit jedem“. Es ist eine gediegene, zeitweilig monotone Insze­nierung, bei der es wirklich darauf ankommt, dass der Zuschauer das Libretto – dank Übertitel – gut verfolgen muss, um die vielen Wendungen der Handlung mitzubekommen.

Foto © Monika Rittershaus

Die Partitur von Franz Schreker erinnert an die aufwüh­lende Romantik am Ende des 19. Jahrhun­derts für großes Orchester. Wogende chroma­tische Harmonien fließen dahin. Emotionen werden lautstark orchestral umgesetzt bei einer Betriebs­tem­pe­ratur, die immer kurz vor dem hyste­ri­schen Anfall steht.  Marc Albrecht gelingt es, die volle Spann­weite der Emotionen trans­parent und farbig im Orchester umzusetzen, immer einen Tick zu laut, so dass es eine Legiti­mation für die Sänger ist, fast immer an der Rampe zu singen. Dennoch ist er ein Glücksfall für dieses Stück, denn er meistert den Spagat zwischen opulenter Klang­sinn­lichkeit und impres­sio­nis­ti­scher Lyrik.

Die Besetzung wird diesem Werk homogen gerecht, ohne dass man einen Sänger als absolut überragend einschätzen kann. Sopran Elisabet Strid gibt der Els, eine der schwär­zesten weiblichen Figuren in der Opern­li­te­ratur, eine Aller­welts­au­strahlung, die beängs­tigend ist – so eine Figur könnte wirklich die Kellnerin aus dem eigenen Lieblings­re­staurant sein. Tenor Daniel Johansson verkörpert den myste­riösen Troubadour Elis mit Eleganz, wenngleich er einige Schwie­rig­keiten in der Höhe hat. Der König, der seiner stummen Königin das Lebens­glück wieder geben wird, wird von Bassba­riton Tuomas Pursio überzeugend gesungen. In der Rolle der Königin glänzt die Tänzerin Doke Pauweis für mit außer­ge­wöhn­licher Eleganz und Wendigkeit. Als Narr sticht der Tenor Michael Laurenz mit guter Diktion und markanter Stimme hervor.  Bassba­riton Thomas Johannes Mayer wird der Rolle des Vogtes stimm­ge­waltig und schau­spie­le­risch gerecht.

Es ist der Deutschen Oper Berlin hoch anzurechnen, dass sie immer wieder eine echte, vergessene Rarität auf die Bühne bringt und vollwertig – nicht nur konzertant – aufführt.  Immerhin bedarf es auch der Sänger, die mögli­cher­weise ihre Rolle neu einstu­dieren müssen, ohne eine Garantie zu erhalten, sie jemals wieder einsetzen zu können. Natürlich, dass ist auch der Reiz einer solchen Produktion – mal etwas Neues für die aktuelle Generation der Opern­be­sucher. Aber es ist für den Zuschauer ebenso erfreulich, Werke gezeigt zu bekommen, in denen Regie und Dirigent das Werk ernst nehmen und es eine wahrnehmbare Zusam­men­arbeit zwischen Bühne und Graben besteht.

Das Premie­ren­pu­blikum würdigt diese Bemühungen der Regie, Sänger und des Orches­ter­teams mit überwäl­ti­gendem Applaus.

Zenaida des Aubris

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