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Donner und Blitz setzen der Liebe ein Ende

SEMELE
(Georg Friedrich Händel)

Besuch am
12. Mai 2018
(Premiere)

 

Komische Oper Berlin

Unter den 42 Opern und 25 Oratorien, die einer der größten Kompo­nisten des Barocks, Georg Friedrich Händel, geschrieben hat, nimmt Semele einen beson­deren Platz ein. Das Werk wurde 1744 von einem bereits älteren Händel geschrieben, nachdem seine Opera seria nicht mehr so erfolg­reich war. Das große Novum der Zeit war, dass Semele komplett auf Englisch kompo­niert wurde und dem Opern­genre – im Gegensatz zum steiferen Oratorio – mit Sicherheit am nächsten kam. Intendant Barrie Kosky, der kurzfristig für die erkrankte Regis­seurin Laura Scozzi als Regisseur am eigenen Hause einge­sprungen ist, legt die Oper im vollen Sinne eines musik­dra­ma­ti­schen Werkes an. Er schafft ein sehr weltliches Universum, in dem Götter und Sterb­liche die gleichen Emotionen teilen.

Wie bei allen mytho­lo­gi­schen Darstel­lungen ist die Handlung kompli­ziert: Prinzessin Semele ist die Geliebte des Obergottes Jupiter. Seine eifer­süchtige Frau Juno sucht Rache und flüstert Semele, in falscher Verkleidung, zu, dass er sich Semele in seiner wahren Form als Zeugnis seiner Liebe zu ihr zeigen soll – bekanntlich können Götter ja willkürlich ihre Erschei­nungsform ändern. Jupiter kann Semele nicht von diesem Gedanken abbringen und erscheint auf ihre Bitte als Blitz. Semele verbrennt. Es gibt noch ein paar Neben­hand­lungen, wie Semeles ehema­liger Bräutigam Athamas und ihre Schwester Ino zuein­ander finden und Juno mit ihren Helfern Iris und Somnus an der Hand, die ihr helfen, die Rache auszuführen.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Kosky erzählt die Geschichte als Rückblick: Am Anfang sehen wir, wie Semele von ihrem immer noch rauchenden Schei­ter­haufen aufer­steht und kaum versteht, was ihr gerade passiert ist. Am Ende findet sie sich wieder auf diesem Schei­ter­haufen, diesmal bedeckt mit schweren Verbren­nungen, und singt ihre letzte, schön melan­cho­lische Klage. Die Moral der Geschichte ist, dass man nicht alles haben kann – eine Botschaft des Libret­tisten William Congreve, die heute genauso wahr ist wie im 18. Jahrhundert.

Die Geschichte entfaltet sich in einer ausge­brannten barocken Halle, geschwärzt und verkohlt vom Blitz, der auch Semele verbrennt. Das von Natacha Le Guen de Kerneizon entworfene Einheits­büh­nenbild verbindet barocke Opulenz und monochro­ma­tische Einfachheit. Hier werden Kamine zu Tore zwischen der irdischen und der Götterwelt und Spiegeln, die der Eitelkeit dienen. Auch die zeitge­nös­si­schen, eleganten Kostüme von Carla Teti erzählen viel über die Persön­lichkeit der einzelnen Charaktere: Junos erlesenes, lilafar­benes Satin­kleid, zum Beispiel, drückt ihren könig­lichen Status und ihre eifer­süchtige Einstellung aus.

Foto © Monika Rittershaus

Die Sopra­nistin Nicole Chevalier wird zu Beginn des Abends als kurzfristig stimmlich indis­po­niert gemeldet, was sie jedoch nicht davon abhält, sich buchstäblich in die Rolle und die Asche ihres Schei­ter­haufens zu werfen um wie ein Phönix daraus aufzu­steigen, schwin­del­erre­gende Kolora­turen mit Leiden­schaft zu verzieren. Ihre Rivalin, die Mezzo­so­pra­nistin Ezgi Kutlu, liefert eine Juno, die den Erfolg ihrer Intrigen und Rache genießt. Tenor Allan Clayton ist ihr etwas unglück­licher Ehemann Jupiter, der einfach nur seinen Spaß haben will und mit genau richtigem barockem Timbre singt. Von den kleineren Rollen verdient die Iris von Soubrette Nora Fried­richs eine Erwähnung als perfekt gesungene, schrille Unschuldige. Counter­tenor Eric Jurenas meistert die undankbare Rolle des sitzen­ge­las­senen Bräutigams Athamas mit Anmut und einigen Zisch­lauten. Mezzo Katarina Bradic macht das beste aus der etwas blassen Rolle als Semeles jüngere Schwester Ino. Kosky hat Bassba­riton Evan Hughes in seiner kleinen Rolle als Somnus, Gott des Schlafes, mit seinem durch­trai­nierten Model­körper und seiner samtigen Stimme gut charak­te­ri­siert. Der hervor­ra­gende Chor, von David Cavelius vorbe­reitet, wird von Kosky als kommen­tie­render griechi­scher Chor in die Drama­turgie integriert.

Barock­spe­zialist Konrad Junghänel bringt die Orches­ter­mu­siker dazu, in den barocken Klang einzu­tauchen, als wäre dieses Reper­toire ihr täglich Brot. Er entlockt ihnen entwaffnend schöne Pianissimi sowie donnernde Ausbrüche der Verzweiflung. Besondere Erwähnung verdienen die Cello- und Theorbe-Soli von Rebekka Markowski und Thomas Ihlenfeldt.

Am Ende des Abends werden die Künstler‑, Musik- und Kreativ­teams herzlichst applau­diert. Damit verbucht die Komische Oper einen weiteren Hit.

Zenaida des Aubris

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