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So aktuell wie eh und je

SILENT SONGS INTO THE WILD
(Franz Schubert)

Besuch am
2. März 2018

Nico and the Navigators und Bozar Music Brüssel im Radial­system V, Berlin

Obwohl dieses Programm schon im September 2017 im Konzerthaus Berlin vorge­stellt wurde, wirkt es frisch und viel passender in den Räumen des Radial­systems am Ufer der Spree. Die eher lockere Atmosphäre des umgebauten Industrie-Backstein­ge­bäude unter­streicht dieses staged concert der Lieder von Franz Schubert. Werke aus den Zyklen der Winter­reise, Schwa­nen­gesang und Schöne Müllerin werden mit einer multi-medialen Integration ins 21. Jahrhundert gebracht, wo die Grenzen zwischen Schau­spiel, Tanz und Konzert verschwimmen. Daraus resul­tieren höchst poetische, melan­cho­lische, komische und überra­schende anderthalb Stunden, die besonders aktuell zu den täglichen Nachrichten über Fremdsein, Abschied und Heimats­ge­fühle berichten.

POINTS OF HONOR

Orchester
Solisten
Programm
Publikum
Chat-Faktor

Nicola Hümpel führt die vier Sänger, drei Tänzer sowie ein Streich­quartett, Pianist und E‑Gitarristen auf eine Entde­ckungs­reise. Fließend geht es von einer Nummer zur anderen, mal treten die Darsteller alleine auf, oft im Ensemble, vieles wirkt sehr spontan, fast impro­vi­siert. Sowohl die Sänger wie die Tänzer er-fühlen die Texte und Sprache mit allen Sinnen, bleiben dabei dem Geist von Franz Schubert treu. Ohne Pathos, ohne Kitsch. Auf der Bühne werden sie von zwei unsicht­baren Kameras begleitet, die auf zwei beweg­lichen Leinwänden die Künstler in oft hyper­rea­lis­ti­schen Großauf­nahmen zeigen. Oliver Proske steuert alle Video-Effekte aus der Ferne. Passend zur melan­cho­li­schen Stimmung sind die in gedämpften Blau‑, Grau- oder Türkis-Tönen gehal­tenen, legeren Kostüme. Cristina Lelli trägt mit ihren Entwürfen sehr dazu bei, dass alles zusam­men­passt, sogar bis auf die originell einge­setzten langen Strümpfe als witzige Kopfbedeckung.

Foto © Dirk Bleicker

Die Künstler kommen aus sieben unter­schied­lichen Ländern und Kulturen und formen doch ein sehr homogenes Ensemble. Wenn Sopran Julla von Landsberg den Wegweiser flüstert, ist die tragische Pointe „eine Straße muss ich gehen, die noch keiner ging zurück“ noch prägnanter. Sarah Laulans melodi­scher Kontra-Alt klingt wehmütig, wenn sie das Gretchen am Spinnrade im Sprech­gesang bringt. Die schlanke Gestalt des Tenors Ted Schmitz passt vorzüglich zum Leiermann, der den dazuge­stellten Übertitel Selbst­ge­spräch trägt. Unauf­geregt und leise bringt er den immer wieder berüh­renden Text. Bariton Holger Falk ist der einzige, der etwas mit seiner Sinnfindung kämpft, wenn er über den Doppel­gänger singt. Fast ein Ringeltanz leitet die zweite Hälfte ein mit Abschied, mit dem jedes Mitglied die Gelegenheit hat, seinen persön­lichen Bezug zum Abschied­nehmen in einer kurzen Anekdote zu erzählen.

Dagegen wirbeln die drei Tänzer Yui Kawaguchi, Anna-Luise Recke und Michael Shapira mit einer ausge­las­senen Körper­lichkeit und Sinnlichkeit herum, die völlig überra­schend dann auch zu der Musik Schuberts passt und doch jeder auf seine ganz indivi­duelle Art ausdrücken kann.

Das Apollon-Musagète-Quartett hat mit einzelnen Sätzen aus den Streich­quar­tetten Nr. 14 und 15 Gelegenheit, im Mittel­punkt zu brillieren. Matan Porat ist sowohl Begleiter am Klavier wie auch Ansprech­partner für gelegent­liche Dialoge mit den Sängern und Tänzern. Tobias Weber zeigt auf Gitarre, E‑Gitarre und Kontrabass wie modern die Schubert­schen Melodien auf diesen Instru­menten tönen können.

Wenn als Zugabe ein line dance mit Gitarre und allen Mitwir­kenden, die in ihren Mutter­sprachen Das Wandern ist des Müllers Lust singen, den Abend beendet, ist es der endgültige Beweis, dass Schubert so aktuell wie nie zuvor ist. Nico and the Navigators haben es uns deutlich und sehr sensibel gezeigt.  Das Publikum weiß diese Darbie­tungen mit langan­hal­tenden Applaus zu würdigen.

Zenaida des Aubris

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