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Foto © Bernd

Wenn eine Braut leidet

LA SONNAMBULA
(Vincenzo Bellini)

Besuch am
26. Januar 2019
(Premiere)

 

Deutsche Oper Berlin

Für uns ist es aus heutiger Sicht ungewöhnlich zu wissen, dass die Titel­rollen von La Sonnambula und Norma, die beide von Bellini 1831 kompo­niert wurden, auch von der gleichen Sängerin, der legen­dären Sopra­nistin „Sfogato“ Giuditta Pasta, aufge­führt wurden. Heutzutage neigen wir dazu, die beiden Rollen völlig unter­schiedlich zu bewerten. In der Produktion der Deutschen Oper wird die Rolle der Amina von der Sopra­nistin Venera Gimadieva mit ihren dunkel timbrierten Kolora­turen und boden­stän­digen, robusten Gesten überzeugend als Mädchen aus dem Dorf gesungen.

Vor sieben Jahren wurde diese Produktion an der Stutt­garter Oper als „Produktion des Jahres“ gewählt. Jetzt kommt sie nach Berlin. Das Regie-Duo Jossi Wieler und Sergio Morabito sowie die Bühnen- und Kostüm­bild­nerin Anna Viebrock haben ein Konzept aus einem Guss geschaffen: Die hyper­rea­lis­ti­schen Gewöl­be­decken des Haupt­raumes eines alten Gasthofes, mit einem imposanten Treppenhaus im Hinter­grund und den vielen Tischen und Bänken riechen förmlich nach kaltem Rauch, abgestan­denem Bier und lokalem Klatsch. Hier kennt jeder jeden, und die kleinen Geheim­nisse werden allego­risch in den vielen Schränken an den Wänden aufbe­wahrt. Der Mief der Konven­tionen in diesem zeitlosen, abgele­genen Dorf macht sich sofort bemerkbar.  Ein bemaltes Panorama mit herrlich altmo­di­scher Tapete verwandelt das Gasthaus in das Schlaf­zimmer, in dem das schlaf­wan­delnde Drama stattfindet.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Hier entwi­ckelt sich die Geschichte um Amina, ein hübsches Waisenkind, die Elvino, den begehr­testen Jungge­sellen und reichen Bauern des Dorfes, heiraten soll. Der Notar hat bereits den Ehevertrag aufge­setzt, und die kirch­liche Trauung soll am nächsten Tag statt­finden, als ein eleganter Fremder eintrifft, der sich besonders gut auskennt. Wieler und Morabito verwandeln das abschre­ckende lokale Gespenst in die Figur der echten Mutter von Amina – damals vom Grafensohn geschwängert und von der klein­bür­ger­lichen Gesell­schaft schändlich geächtet, die stumm über die Bühne schlängelt. Somit ist klar, dass Rodolfo, der Fremde, der Sohn des Grafen und Vater von Amina ist. Aber vorher schlaf­wandelt Amina in das Schlaf­zimmer des Fremden und verliert ihre „Unschuld“, was durch einen Blutfleck auf ihrem Kleid sichtbar wird. Elvino, eifer­süchtig und entzürnt, lehnt Amina ab und wendet sich an Lisa, die flotte Gastwirtin und seine ehemalige Freundin, mit der Absicht, sie zu heiraten. Obwohl Rodolfo und die Dorfbe­wohner Aminas Unschuld bezeugen, ist Elvino erst überzeugt, als Amina tatsächlich wieder schlaf­wan­delnd sicher ihre berühmte Arie singt. Erst dann kann das glück­liche Ende dieser Semiseria-Oper stattfinden.

Foto © Bernd Uhlig

Wieler und Morabito sind wahre Meister in der Perso­nen­führung. Am deutlichsten wird das in der Rolle der Pflege­mutter Teresa. Helene Schnei­derman, die diese Rolle auch in der Stutt­garter Produktion gesungen hat, freut sich über die Details. Sie kommen­tiert soziale Konven­tionen mit einem Blick oder einer Geste, verwendet ihre beste weiße Handtasche als Waffe und stellt sicher, dass der Ehevertrag korrekt ist, indem sie ihn selbst unter­zeichnet, ihr Ziel klar vor Augen: Amina soll schnellst­möglich unter die Haube – dann wird sie auch eine gesell­schaft­liche Stellung und Identität erhalten. Jesús León verkörpert einen Elvino, der sicherlich aufgrund seines Reichtums attrak­tiver ist als ob seiner Persön­lichkeit – seine Eifer­sucht und Unbestän­digkeit sind Eigen­schaften, die eher abschre­ckend wirken. Leóns Gesangs­fä­hig­keiten spiegeln diese Eigen­schaften mit einer merkwürdig dünnen, substanz­losen Stimme mit metal­li­schem Timbre wider. Verglichen mit Ante Jerkunicas elegantem Aussehen und natür­licher Autorität, die sich durch einen glatten und glänzenden, dunklen Bass ausdrücken, machen deutlich, wer mehr Anerkennung bekommt. Mit ihrem klaren Sopran macht Alexandra Hutton das Beste aus Lisa, der attrak­tiven Gastwirtin, die flippig, verfüh­re­risch oder wütend ist, je nachdem, wie es diese Seifen­opern­figur erfordert.

Kapell­meister Stephan Zilias ist in letzter Minute für Diego Fasolis, der zurück­ge­treten war, am Pult einge­sprungen. Obwohl eine solche Änderung für das Ensemble immer wieder beunru­higend ist, führt Zilias den wie immer hervor­ra­genden Chor der Deutschen Oper, das Orchester und die Solisten mit sicherer Hand und arbeitet die schier endlosen Belcanto-Melodien sauber heraus, für die Bellini bekannt ist.

Diese Produktion wird jedoch von der Perso­nen­regie von Wieler und Morabito dominiert – jeder Interpret hat seine eigene Persön­lichkeit. Das Publikum der Deutschen Oper ist von diesem Theater­abend begeistert.

Zenaida des Aubris

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