O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Natürlich wird bei Tanz im August auch der 100. Geburtstag von Merce Cunningham gefeiert. In der Volksbühne ist das CCN – Ballet de Lorraine aus Nancy zu Gast und präsentiert zwei Klassiker des legendären Avantgarde-Choreografen. In RainForest aus dem Jahr 1968 holt er Kindheitserinnerungen an Besuche im Olympic-Nationalpark auf die Bühne. Silbrige Wolkenkissen, die von Andy Warhol gestaltet wurden, und elektronisch erzeugte Naturgeräusche imaginieren eine unwirkliche Regenwald-Atmosphäre. Sechs Geschöpfe in hautfarbenen Trikots, Tiermenschen gleich, sind Teil dieses magischen Biotops. Sie schlängeln sich am Boden, gleiten und springen, so dass man sich fliegende Vögel oder jagende Rudel vorstellen kann. Auch das ausgelassene Spiel mit den Wolken gehört zu dieser leichtfüßigen, Harmonie verbreitenden Choreografie. Das anschließende Sounddance von 1975 kann man als Reflektion Cunninghams auf seine kurze, nicht ungetrübte Arbeitsphase an der Pariser Oper verstehen. Vor einem Vorhang mit prächtigen Falten entwickelt sich ein ausgelassenes, mit klassischen, eleganten Sprüngen und Hebefiguren durchzogenes Treiben, das vor Energie nur so strotzt. Die zehn Tänzerinnen und Tänzer sind umwerfend und begeistern mit ihrem dynamischen Drive. Gegenüber diesem Powerstück hat es die Berlin Story nach der Pause schwerer. Sie basiert auf Cunninghams 1963 entstandener Story, die nur noch fragmentarisch vorhanden ist. Das Dance On Ensemble, in dem sich über 40-jährige Profis zusammengeschlossen haben, hat das Werk ergänzt und komplettiert. Zu sehen ist eine Konstruktion aus Aktionen und Bewegungsabläufen, deren Abfolge veränderlich ist. Integriert sind Alltagsgegenstände und Kleidungsstücke, die auf der Bühne verteilt sind und von den Mitwirkenden einbezogen werden. Sie agieren hingebungsvoll und sind jederzeit präsent, doch ist es kaum möglich, die vielen Details und Handlungssplitter zu erfassen.

Die diesjährige Retrospektive bei Tanz im August ist Deborah Hay gewidmet. Works from 1968 to the Present heißt sie, und weil neben zwei Uraufführungen – darunter das von Hay selbst getanzte Solo my choreographed body … revisited – auch ältere Arbeiten in Neueinstudierungen gezeigt werden, die den Blickwinkel durch den frischen Wind erweitert haben, bezeichnet die amerikanische Choreografin ihre Werkschau selbst als Re-Perspektive. Hay, Jahrgang 1941, gehörte zum legendären Judson Dance Theater, jener New Yorker Gruppe von Kreativen aus Tanz, Musik und bildender Kunst, die überholte Muster aufbrachen und das Ausdrucksvokabular um Alltägliches erweiterten, und sie tanzte bei Merce Cunningham. Die Arbeit mit Laien stand für sie bis 2000 im Vordergrund, seitdem – als Reaktion auf die Adaption ihres Solos Fire durch die ausgebildete Tänzerin Ros Warby – sind weitgehend Professionelle in ihren Fokus gerückt. Das erste Stück war 2004 The Match für je zwei weibliche und männliche Performer. Für Tanz im August hat es die schwedische Cullberg-Company adaptiert, die es im Radialsystem aufführt. Ganz ohne Musik und akustische Ablenkung entfaltet sich ein stummes Körpertheater mit Experimentiercharakter. Es besteht aus einer Folge von individuellen Handlungen, die sich zu gruppendynamischen Prozessen weiten. So gleicht The Match bisweilen einer Familienaufstellung mit tänzerischen Mitteln, ungeachtet der Darstellungsintensität des Cullberg-Quartetts.
Einen krassen Kontrast zu The Match bildet das anschließend gezeigte ten. Zu ohrenbetäubenden Rockklängen der Band Die Türen bilden zehn weiß gekleidete Performerinnen und Performer an einer Quer- und einer Längsstange immer neue Formationen und Posen. Das hat etwas von einer Mischung aus Übungen und Improvisationsperformance: Man korrigiert sich gegenseitig, probiert hier eine andere Stellung, dort eine Haltung. ten ist eine Weile lang hübsch anzusehen, trägt aber nicht über 60 Minuten.
Die Retrospektive von Deborah Hay endet am 27. August mit einem Symposium. Ihre Forderung, jede Zelle des Körpers zu aktivieren, um neue Sichtweisen zu gewinnen, mag Tänzer zum Schwärmen bringen, wie in einem Interview zu lesen war, beim Zuschauen allerdings springt der Funke, auch bei Kenntnis der theoretischen Hintergründe, in diesem Maße nicht über.
Karin Coper