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Foto © Laurent Philippe

Deborah Hay trifft auf Merce Cunningham

Tanz im August
(Festival)

Besuch am
23. August 2019

 

Volks­bühne, Radial­system, Berlin

Natürlich wird bei Tanz im August auch der 100. Geburtstag von Merce Cunningham gefeiert. In der Volks­bühne ist das CCN – Ballet de Lorraine aus Nancy zu Gast und präsen­tiert zwei Klassiker des legen­dären Avant­garde-Choreo­grafen. In RainForest aus dem Jahr 1968 holt er Kindheits­er­in­ne­rungen an Besuche im Olympic-Natio­nalpark auf die Bühne. Silbrige Wolken­kissen, die von Andy Warhol gestaltet wurden, und elektro­nisch erzeugte Natur­ge­räusche imagi­nieren eine unwirk­liche Regenwald-Atmosphäre. Sechs Geschöpfe in hautfar­benen Trikots, Tiermen­schen gleich, sind Teil dieses magischen Biotops. Sie schlängeln sich am Boden, gleiten und springen, so dass man sich fliegende Vögel oder jagende Rudel vorstellen kann. Auch das ausge­lassene Spiel mit den Wolken gehört zu dieser leicht­fü­ßigen, Harmonie verbrei­tenden Choreo­grafie. Das anschlie­ßende Sound­dance von 1975 kann man als Reflektion Cunninghams auf seine kurze, nicht ungetrübte Arbeits­phase an der Pariser Oper verstehen. Vor einem Vorhang mit präch­tigen Falten entwi­ckelt sich ein ausge­las­senes, mit klassi­schen, eleganten Sprüngen und Hebefi­guren durch­zo­genes Treiben, das vor Energie nur so strotzt. Die zehn Tänze­rinnen und Tänzer sind umwerfend und begeistern mit ihrem dynami­schen Drive. Gegenüber diesem Power­stück hat es die Berlin Story nach der Pause schwerer. Sie basiert auf Cunninghams 1963 entstan­dener Story, die nur noch fragmen­ta­risch vorhanden ist. Das Dance On Ensemble, in dem sich über 40-jährige Profis zusam­men­ge­schlossen haben, hat das Werk ergänzt und komplet­tiert. Zu sehen ist eine Konstruktion aus Aktionen und Bewegungs­ab­läufen, deren Abfolge verän­derlich ist. Integriert sind Alltags­ge­gen­stände und Kleidungs­stücke, die auf der Bühne verteilt sind und von den Mitwir­kenden einbe­zogen werden. Sie agieren hinge­bungsvoll und sind jederzeit präsent, doch ist es kaum möglich, die vielen Details und Handlungs­splitter zu erfassen.

Foto © Urban Jorenbae

Die diesjährige Retro­spektive bei Tanz im August ist Deborah Hay gewidmet. Works from 1968 to the Present heißt sie, und weil neben zwei Urauf­füh­rungen – darunter das von Hay selbst getanzte Solo my choreo­graphed body … revisited – auch ältere Arbeiten in Neuein­stu­die­rungen gezeigt werden, die den Blick­winkel durch den frischen Wind erweitert haben, bezeichnet die ameri­ka­nische Choreo­grafin ihre Werkschau selbst als Re-Perspektive. Hay, Jahrgang 1941, gehörte zum legen­dären Judson Dance Theater, jener New Yorker Gruppe von Kreativen aus Tanz, Musik und bildender Kunst, die überholte Muster aufbrachen und das Ausdrucks­vo­ka­bular um Alltäg­liches erwei­terten, und sie tanzte bei Merce Cunningham. Die Arbeit mit Laien stand für sie bis 2000 im Vorder­grund, seitdem – als Reaktion auf die Adaption ihres Solos Fire durch die ausge­bildete Tänzerin Ros Warby – sind weitgehend Profes­sio­nelle in ihren Fokus gerückt. Das erste Stück war 2004 The Match für je zwei weibliche und männliche Performer. Für Tanz im August hat es die schwe­dische Cullberg-Company adaptiert, die es im Radial­system aufführt. Ganz ohne Musik und akustische Ablenkung entfaltet sich ein stummes Körper­theater mit Experi­men­tier­cha­rakter. Es besteht aus einer Folge von indivi­du­ellen Handlungen, die sich zu gruppen­dy­na­mi­schen Prozessen weiten. So gleicht The Match bisweilen einer Famili­en­auf­stellung mit tänze­ri­schen Mitteln, ungeachtet der Darstel­lungs­in­ten­sität des Cullberg-Quartetts.

Einen krassen Kontrast zu The Match bildet das anschließend gezeigte ten. Zu ohren­be­täu­benden Rockklängen der Band Die Türen bilden zehn weiß gekleidete Perfor­me­rinnen und Performer an einer Quer- und einer Längs­stange immer neue Forma­tionen und Posen. Das hat etwas von einer Mischung aus Übungen und Impro­vi­sa­ti­ons­per­for­mance: Man korri­giert sich gegen­seitig, probiert hier eine andere Stellung, dort eine Haltung. ten ist eine Weile lang hübsch anzusehen, trägt aber nicht über 60 Minuten.

Die Retro­spektive von Deborah Hay endet am 27. August mit einem Symposium. Ihre Forderung, jede Zelle des Körpers zu aktivieren, um neue Sicht­weisen zu gewinnen, mag Tänzer zum Schwärmen bringen, wie in einem Interview zu lesen war, beim Zuschauen aller­dings springt der Funke, auch bei Kenntnis der theore­ti­schen Hinter­gründe, in diesem Maße nicht über.

Karin Coper

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