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Foto © Kurt van der Elst

Finale auf dem Fußballplatz

TANZ IM AUGUST
(Festival)

Besuch im
August 2018

 

Sophiensäle, Hebbel am Ufer und andere, Berlin

Das finale Wochenende von Tanz im August beginnt mit einer Enttäu­schung. Wegen einer Verletzung der Protago­nistin Claudia Marsicano kann die Vorstellung R.OSA_10 Exercises nicht statt­finden. Doch spontan springt die Choreo­grafin Silvia Gribaudi selbst ein und beschert dem Auditorium völlig überra­schend eine inspi­rie­rende Perfor­mance, nach der man fröhlich beschwingt das HAU 3 verlässt. Die Italie­nerin gibt ihr Solo A corpo libero und Auszüge aus dem Duo What are you acting? zum Besten. Mit viel Humor stellt die ehemalige Ballett­tän­zerin ihren Körper in den Mittel­punkt, der nicht mehr die Figur einer Elfe hat. Lässig demons­triert sie die Gelen­kigkeit und Beweg­lichkeit ihrer Glieder und fragt selbst­iro­nisch und mit einer gehörigen Portion Selbst­be­wusstsein ins Publikum, was denn das Alter sei, das wirkliche oder das gefühlte. Am Ende insze­niert sie sich, dabei ganz Komödi­antin, als Popstar und Operndiva. Der Abend vermittelt auf wunderbar entspannte Weise ein positives Körper­gefühl und ist gleich­zeitig eine Auffor­derung, sich selbst anzunehmen.

In den Sophien­sälen versucht der Choreograf Michiel Vande­velde, die Perfor­mance-Legende Paradise Now auf die heutige Zeit zu übertragen. Er hat die subversive Aktion des New Yorker Living Theatre, die vor 50 Jahren inmitten der 68-er Protest­be­wegung für Furore sorgte, wieder­belebt und mit Jugend­lichen und jungen Erwach­senen der belgi­schen Kultur­ein­richtung Fabuleus erarbeitet. In Stand­bildern stellen sie Gräuel der vergan­genen Jahrzehnte nach, bilden Leidens­posen zu Abu Ghraib oder Srebenica. Ihre Handlungen werden zu ohren­be­täu­benden Klängen immer aggres­siver und steigern sich fast bis zum Gewalt­aus­bruch. Dann kippt die Stimmung ins Positive um, die sexuelle Befreiung wird gefeiert, Erinne­rungen an Woodstock werden geweckt und am Ende kommt es zum Happening zwischen Performern und Besucher auf der Spiel­fläche. Anarchismus und provo­zie­rende Gruppen­dy­namik: Was damals einen Skandal auslöste, verstört heute kaum noch. Kritik ist höchstens angebracht, weil die Ausfüh­renden teilweise noch Jugend­liche sind. Die aller­dings verraten im Programmheft, dass ihnen radikale Proteste bisher weitgehend fern sind. Wie sie sich dennoch schonungslos und mit greif­barer Inten­sität auf das Stück einlassen, das verdient unbedingten Respekt.

Foto © Dajana Lothert

In der Volks­bühne tritt das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch auf, dort also, wo in der vergan­genen Saison die Querelen um den mittler­weile mehr oder minder freiwillig zurück­ge­tre­tenen Inten­danten Chris Dercon hinter den Kulissen größere Spannung erzeugten als davor. Ähnliches erleben derzeit auch die Wupper­taler, die mit der forcierten Kündigung ihrer Künst­le­ri­schen Leiterin Adolphe Binder nach nur einem Jahr zu kämpfen haben. Was angesichts der Neufindung des Ensembles umso schwerer wiegt. Hier ist das Ende noch offen, denn Binder hat gegen die Entscheidung geklagt. Von dieser Affäre im Hinter­grund ist nichts zu spüren beim Berliner Gastspiel, das das Ensemble höchst konzen­triert und hinge­bungsvoll absol­viert. Gezeigt wird die knapp vierstündige, im Juni urauf­ge­führte Kreation des norwe­gi­schen Regis­seurs und Choreo­grafen Alan Lucien Øyen. Es ist die erst zweite Produktion, die nicht von Pina Bausch stammt, und sie hat – ähnlich wie deren zunächst oft titellose Werke – keinen Namen, sondern heißt schlicht Neues Stück II. Øyen fügt viele kleine Szenen, die alle vom Abschied, Warten und Sterben handeln, zu einem melan­cho­li­schen Bilder­bogen zusammen. Manche spielen sich simultan ab: Ein Ehekrach im Hinter­grund findet vorne in einem expres­siven Duo seine tänze­rische Entspre­chung. Dabei wird Tanz, meist solis­tisch oder zu zweit, nur als ein Ausdrucks­mittel von Øyen benutzt. Es wird auch viel gesprochen und dazu ständig geraucht – eine von mehreren Reminis­zenzen an Pina Bausch. Gleich­zeitig beschwört Øyen die Welt des Kinos der 40-er und 50-er Jahre, die sich in der Kleidung des Ensembles wider­spiegelt und von passender Barmusik untermalt wird. Das Bühnenbild besteht aus beweg­lichen Wänden, die zu immer neuen Räumen zusam­men­ge­setzt werden. Es sind exquisit ausge­leuchtete Kulissen, die entrückte Stimmungen erzeugen. Nichts ist so, wie es scheint: Wenn sich etwa Julie Shanahan mit einem Revolver erschießt, ist das nicht real, sondern es handelt sich um einen Filmdreh. Neues Stück II ist ein traum­ver­lo­renes Tanztheater, das nur um einiges zu lang geraten ist.

Das dreiein­halb­wö­chige Jubilä­ums­pro­gramm von Tanz im August zeigte an elf Spiel­stätten insgesamt 30 Produk­tionen, darunter 4 Urauf­füh­rungen und 16 Deutsch­land­pre­mieren, und war bei rund 95% Auslastung ein Erfolg in jeglicher Hinsicht. Geschickt balan­cierte die künst­le­rische Leiterin Virve Sutinen zwischen Großpro­duk­tionen und kleinen, aber feinen Perfor­mances und konnte damit ein aufge­schlos­senes Publikum gewinnen. Zwei Outdoor-Veran­stal­tungen bei freiem Eintritt lockten auch Menschen an, die norma­ler­weise nicht beim zeitge­nös­si­schen Tanz zu finden sind. So wie beim Finale La Partida auf dem Lilli-Henoch-Sport­platz, wo die katala­nische Choreo­grafin Vero Cendoya Tänze­rinnen und Fußballer, angefeuert von einer kleinen Blaska­pelle und einem Chor, einen vergnüg­lichen Wettkampf bestreiten ließ. Nach dem Abpfiff heißt es nun: Auf Wieder­sehen im nächsten Jahr.

Karin Coper

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