O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
TI VEDO, TI SENTO, MI PERDO
(Salvatore Sciarrino)
Besuch am
11. Juli 2018
(Premiere am 7. Juli 2018)
Zum letzten Mal lädt die Staatsoper Unter den Linden zu Infektion!, dem Festival für zeitgenössisches Musiktheater ein. Ab nächste Saison, so gab der neue Intendant Matthias Schulz bekannt, soll die Moderne einen Platz im normalen Spielplan bekommen. Und hat den Worten Taten folgen lassen und gleich zwei Premieren im großen Haus – die Uraufführung von Beat Furrers Violetter Schnee und eine neue Fassung von Jörg Widmanns Babylon – sowie fünf kleiner dimensionierte Projekte angesetzt.
Im Zentrum der diesjährigen Ausgabe des Festivals steht Salvatore Sciarrinos Oper Ti vedo, ti sento, mi perdo, die nach der Mailänder Uraufführung im November 2017 nun im koproduzierenden Berlin gezeigt wird. Der italienische Komponist stand schon 2014 im Fokus von Infektion! Damals wurden seine Bühnenwerke Lohengrin und Macbeth gezeigt, letzteres in den unfertigen Räumen der Staatsoper. 2016 folgte im Schillertheater Sciarrinos bekannteste Oper Luci miei traditrici, inszeniert vom damaligen Intendanten Jürgen Flimm, der nun auch bei Ti vedo, ti sento, mi perdo Regie führt.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
In Ti vedo, ti sento, mi perdo setzt sich Sciarrino nach Luci miei traditrici ein weiteres Mal mit einem Barockkünstler auseinander, formal aber deutlich anders.
Während sich das frühere Stück, das die in einem Doppelmord endende Ehetragödie des Komponisten Gesualdo behandelt, auf vier Personen konzentriert, erfordert die Novität ein großes Ensemble. Der Musiker, um den es diesmal geht, ist der legendäre Alessandro Stradella, dessen Leben von Abenteuern und Amouren bestimmt war. Er wird von einer Theatertruppe erwartet, für deren Aufführung er einen musikalischen Beitrag beisteuern soll. Insbesondere die Sängerin, der Laura Aikin die Attitüde und vokale Statur einer exaltierten Primadonna verpasst, wünscht sich seine Anwesenheit, genauso aber auch ein Literat – der Sciarrino-erfahrene Otto Katzameier – und ein Musiker – Charles Workman gibt ihn mit großer Geste. Doch Stradella erscheint nicht und bietet daher Gesprächsstoff für die Akteure und das Dienstpersonal. Die Oper endet mit der Nachricht von Stradellas Ermordung, die von einem jungen Sänger – der Stipendiat David Oštrek fällt mit schönem Tenor auf – verkündet wird.

Jürgen Flimm schöpft szenisch aus dem Vollen. Zu sehen gibt es viel in dem vor Ausstattungslust überquellenden Bühnenbild von George Tsypin, das kongenial ein Theater im Theater suggeriert, und auch die historisierenden Kostüme von Ursula Kudrna sind ein wahrer Augenschmaus. Sehr lebendig und unterhaltsam, nur manchmal ein bisschen zu derb, inszeniert Flimm das Treiben hinter den Kulissen mit Probensituationen und ‑aufregungen. Genauestens getimt sind die Aktionen des Ensembles, an denen die Choreografin Tiziana Colombo ihren Anteil hat. Überall passiert etwas: die Dienerschar tollt herum, Statisten tragen Requisiten umher, Ballett-Elevinnen tanzen Reigen und es regnet Flitter vom Bühnenhimmel herunter.
Nur stellt sich die Frage, ob dieser Trubel den zarten Klanggespinsten und –splittern Sciarrinos entspricht. Denn diese Musik ist so fein an dynamischen Schattierungen, manchmal sogar bis an der Grenze des Unhörbaren, das ihr Reiz bei zu viel Show Gefahr läuft, verloren zu gehen. Dem Dirigenten Maxime Pascal gelingt es trotzdem eindrücklich, mit dem aus Mitgliedern der Orchesterakademie, der Opera Lab Berlin und der Staatskapelle – der Großteil ist auf Gastspielreise – zusammengesetzten Orchester die intimen Strukturen der Partitur herauszuarbeiten und sängerfreundlich zu begleiten.
Nach der mäßig besuchten Vorstellung gibt es herzlichen Applaus.
Karin Coper