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Gemälde mit Schnee

VIOLETTER SCHNEE
(Beat Furrer)

Besuch am
16. Januar 2019
(Premiere am 13. Januar 2019)

 

Staatsoper Berlin

Wer winter­liches Wetter, Schnee und Eis liebt, hat davon derzeit wenig in Berlin. Es sei denn, man besucht die Staatsoper. Dort schneit es unauf­hörlich, der Nieder­schlag ist sogar das zentrale Element in Beat Furrers neuem Musik­theater Violetter Schnee, das der öster­rei­chische Komponist zusammen mit seinem Libret­tisten Händl Klaus kreierte. Die Oper erzählt keine Geschichte, sondern es geht um die Seelen­zu­stände einer Gruppe von Menschen – zwei Paare und ein Witwer – die in einer Hütte abseits der Zivili­sation einem Schnee­sturm ausge­liefert sind. Anwesend ist auch Tanja, eine fremde Frau, die zusätzlich für Irrita­tionen sorgt, zumal Jacques, der Witwer, in ihr seine tote Gattin zu erkennen meint. Ihre Bezie­hungen unter­ein­ander sind gestört, man betrügt sich, ist einsam, die Kommu­ni­kation zunehmend gehemmt. Als am Ende die Sonne aufsteigt, violett gefärbt wie jetzt auch der Schnee, gehen alle in eine ungewisse Zukunft. Mögli­cher­weise steht eine Katastrophe bevor. Folgen der Klima­er­wärmung oder gar eine Atomexplosion?

Der reduzierten Handlung setzt Regisseur Claus Guth zusammen mit dem Ausstatter Étienne Pluss ein Theater der starken Bilder entgegen, das die indivi­duelle Perso­nen­ge­staltung bisweilen überlagert. Im Wechsel blickt man in eine natura­lis­tisch einge­richtete Hütte und ins nebel­ver­hangene, unwirk­liche Freie. Wie ein Leitmotiv durch­zieht das Gemälde Jäger im Schnee von Pieter Bruegel die Insze­nierung. Anfangs hängt es stark vergrößert in einem Museum, eine Besucherin – es ist Tanja – beschreibt in verknappter Sprache Details, die verdeut­lichen, dass die auf den ersten Blick winter­liche Idylle voller dunkler Untertöne steckt. Später werden Figuren aus diesem Kunstwerk lebendig und ziehen über die Bühne, kauern in Ecken oder an Wänden.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Schon bevor sich der Vorhang öffnet, tönt aus dem Orches­ter­graben ein instru­men­tales Schnee­treiben. Es gibt der von Furrers Kompo­nis­ten­kol­legen Matthias Pintscher souverän gelei­teten Staats­ka­pelle Berlin, sofort Gelegenheit, ihre Brillanz auszu­spielen. Der musika­lische Sturm geht über in vielfach gebro­chene Klang­flächen, die farblich, rhyth­misch und dynamisch changieren. Bisweilen mischen sich die Chorstimmen des Vocal­consorts Berlin lautma­le­risch hinein, dazu setzen Percussion- und Blech­blä­ser­ein­würfe Akzente.

Geradezu belcan­tis­tisch sind die Solopartien angelegt. Die Soprane von Anna Prohaska und Elsa Dreisig erklimmen tonschön die höchsten Lagen und verbinden sich harmo­nisch im Duett. Die männlichen Protago­nisten, die Baritone Otto Katzmeier, Georg Nigl und Gyula Orendt, stehen ihnen in Hinsicht an stimm­lichem Wohlklang nicht nach. Die Sprech­rolle der Tanja ist wie geschaffen für Martina Gedeck, die bereits in der Verfilmung von Die Wand ihr Gespür für rätsel­hafte Frauen bewiesen hat. In unschuldig-weißem Kleid durch­schreitet sie wie ein Wesen von einem fremden Stern die Szene und besitzt selbst dann Präsenz, wenn sie nur im Hinter­grund steht.

Der atmosphä­risch dichte Abend wird in der gut besuchten zweiten Vorstellung vom Publikum ausgiebig bejubelt.

Karin Coper

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