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Straßenkampf mit Musik

WELCOME TO HELL
(Michael von der Nahmer)

Besuch am
15. März 2018
(Premiere)

 

Neuköllner Oper, Berlin

Welcome to Hell: So hieß die Anti-G20-Demons­tration, die im vergan­genen Jahr in Hamburg in einem Gewalt­exzess ausartete. Und so ist auch der Titel von Peter Lunds jüngstem, in der Neuköllner Oper urauf­ge­führtem Stück, das er mit Studie­renden der gegen­wär­tigen Musical­klasse an der Berliner Univer­sität der Künste entwi­ckelt hat. Der Autor und Regisseur schreckt vor keinem ernsten Sujet zurück, auch wenn man meint, dass es für das Unter­hal­tungs­genre eigentlich nicht geeignet ist. Ob Unfalltod oder psychische Erkrankung: Mit der ihn auszeich­nenden Leich­tigkeit werden bei Lund solche Themen zu witzigen Musicals mit Tiefgang. Nun sind es also die Aktionen während des G20-Gipfels.

Im Zentrum der Bühne, die Zoe Agathos einge­richtet hat, steht ein beweg­licher Kubus, der sich je nach Schau­platz öffnet oder dreht und mal eine Wohnung, mal eine Bordell­fassade oder das Super­markt­lager zeigt. Projek­tionen vom Schan­zen­viertel flimmern im Hinter­grund, später von Krawallen mit Feuer­blitzen und Rauchschwaden.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

In diesem Ambiente lässt Lund ein Dutzend Personen aufein­an­der­treffen. Da ist der Polizist Stefan – Alexander Auler – der zunächst das harte Eingreifen gegen die Demons­tranten verur­teilt, dann aber, vom Autonomen Andi verletzt, selbst nicht mehr davor zurück­schreckt. Was zu Problemen mit seiner Freundin Lily führt, einer Medizin­stu­dentin mit syrischen Wurzeln. Da gibt es die taffe Repor­terin Kata, gespielt von Anastasia Troska, die den arroganten franzö­si­schen Politiker Henry – Loïc Damien – inter­viewt. Der verbirgt seine Homose­xua­lität hinter einer smarten Fassade und lebt sie beim Stricher Jesus aus. Die naive Abitu­ri­entin Mina – Tae-Eun Hyun – sucht in Hamburg das Abenteuer und gerät in die Hände eines Zuhälters. Mira Keller als Bloggerin Sabine nimmt nur noch über Posts an der Umwelt teil, weil sie ihre Wohnung wegen Angst­zu­ständen nicht verlässt. Und die Kassie­rerin Krissy, verkörpert von Andrea Wesenberg, hat wenig Verständnis für die Plünde­rungen des Ladens, weil sie deswegen Ärger mit dem Chef bekommen wird.

Foto © Matthias Heyde

Lund zeigt eine bunt gewür­felte Gesell­schaft quer durch alle Schichten, in der so ziemlich jede Lebensart samt biogra­fi­schem Hinter­grund abgedeckt wird – und die sexuelle Orien­tierung dazu. Denn Welcome to hell bezieht sich nicht nur auf die Demons­tration, sondern auch darauf, dass in jedem von uns ein Stück Abgrund steckt.

In der Premiere muss die Partie der Lily kurzfristig umbesetzt werden, und auch die Probenzeit war durch viele Krank­heits­aus­fälle beein­trächtigt, wie Lund vor Beginn ansagt. Das merkt man in keinem Moment. Denn die zwölf jungen Darsteller, auch die einge­sprungene Sophia Euskirchen, stürzen sich mit ungebro­chener Vitalität in ihre typge­rechten Rollen. Und sie tanzen bravourös. Überhaupt sind in diesem Musical die tänze­ri­schen Elemente besonders stark. Neva Howard nutzt die Chance für furiose Choreo­grafien in verschie­densten Forma­tionen, etwa für einen Paso Doble, der in der fulmi­nanten Ausführung durch Pablo Martinez zu einem  Höhepunkt des Abends wird.

Nicht zuletzt meistern die Performer die sänge­ri­schen Anfor­de­rungen mit Bravour. Denn die sind nicht unbeträchtlich. Weil Michael von der Nahmer, der erstmals mit Peter Lund für ein Musical zusam­men­ar­beitet, eine eigen­willige Synthese aus fetzigen Ohrwürmern und anspruchs­voller Avant­garde kompo­niert hat. Da gibt es beispiels­weise ein eroti­sches Liebesduo à la Je t‘aime oder ein Duett über die Macht von Wirtschaft und Staats­gewalt in Kurt-Weill-Manier, immer wieder aber auch kühne Gesangs­linien. Auch die Instru­men­tal­be­setzung ist ungewöhnlich: vier Streicher, Percussion und zwei Keyboards, geleitet von Hans-Peter Kirchberg, erzeugen einen raffi­nierten Sound.

Begeis­terung nach der ausver­kauften Urauf­führung. Und auch für die kommenden Vorstel­lungen gibt es kaum noch Karten.

Karin Coper

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