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DIVE
(Verschiedene Künstler)
Besuch am
20. November 2019
(Preview)
Es sind ehrgeizige Worte, mit denen das Bochumer Schauspielhaus und das Planetarium ihre erste Zusammenarbeit ankündigen. Die Besucher des viertägigen Dive-Festivals für immersive Künste, das vom 21. bis zum 24. November stattfindet, erwartet danach ein bunter Strauß „digitaler Immersion, virtueller Klangräume und Theater Environments, die in den Körpern nachhallen“. Das beinhaltet eine Vielzahl an immersiven Installationen, Surround-Konzerten und 360º-Performances, „die dazu einladen, in ganz neue Erfahrungswelten einzutauchen.“
Noch so schöne Formulierungen können den Reiz, aber auch die Grenzen der Immersion nicht erfassen. Wobei der Begriff selbst schon nicht einfach zu fassen ist. „Immersive Künste“ sehen die Veranstalter als „Möglichkeit, in das jeweilige Kunstwerk eintauchen zu können“. Was immer das heißen mag.
Auf einer Preview-Pressereise konnte man sich an drei Spielorten Bochums – dem Schauspielhaus, der Zeche 1 und dem Planetarium – ein plastischeres Bild machen. Das interessanteste Neuland eröffnet natürlich das Planetarium, dessen riesige Kuppel eine faszinierende Projektionsfläche bietet. Chikashi Miyama entfesselt auf dem weitgespannten Halbrund des Planetariums eine geradezu berauschende Kaskade von Sternen, Girlanden und geometrischen Elementen aller Art, die im Turbo-Tempo zu einer maschinenähnlichen Geräuschkulisse durch den virtuellen Raum düst.

Tempo angesagt ist auch in Lost des deutschen Nestors der Szene, Ulf Langheinrich. Die stroboskopartigen Effekte seiner 20-minütigen Arbeit trommeln so intensiv auf den Betrachter ein, dass eindringlich auf mögliche gesundheitliche Gefährdungen hingewiesen wurde. Eine zweite Arbeit von Langheinrich, Waveform X, ist im Keller des Schauspielhauses angesiedelt. Maximal acht Personen finden Einlass in eine Kammer, auf deren Hintergrund lediglich verschiedene Farbflächen in raschem Wechsel gezeigt werden. Ein einfacheres, dafür „ungefährlicheres“, aber nach recht kurzer Dauer schon leicht eintönig wirkendes Werk.
Mehr erleben kann der Zuschauer in der stillgelegten Zeche 1 zu dem Environment Sensefactory eines siebenköpfigen Künstler-Teams. Environments wollen möglichst viele Künste und Sinneswelten und dazu den Besucher aktiv einbeziehen. In den bewusst durch luftgefüllte Stoffwände verengten Gängen und Räumen der Zeche entsteht in der Tat ein beeindruckendes Kompositum aus Raum, Farbe, Bewegung, Klang, aber auch Gerüchen und Tasterfahrungen auf kuscheligen Ruhekissen. Internationale Spezialisten entwickelten damit eine gewaltige begehbare Skulptur, strukturiert als engmaschiges Labyrinth mit vielen Überraschungen. Ausgehend von einer Art Foyer, in dem auf einer Leinwand geometrische Bauhaus-Elemente über die Leinwand fegen, verknüpft mit einer den im Genre üblichen Maschinengeräusche und in diesem Fall auch mit Gerüchen, muss sich der Besucher dann durch einen weiß betuchten Kanal zwängen, um in den folgenden kleinen Kammern zu rasten und es sich auf Kuschelkissen bequem machen zu können.
Für das Ruhrgebiet ist das viertägige Festival der erste Versuch, die Erfahrungen der „Immersion“-Szene durch die Zusammenführung international anerkannter Spezialisten einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Wobei die Einbeziehung des Planetariums für geradezu spektakulär neue und virtuose Eindrücke sorgt.
Pedro Obiera