Musikalische Sternstunde

ELIAS
(Felix Mendelssohn Bartholdy)

Besuch am
9. September 2021
(Einmalige Aufführung)

 

Ruhrtri­ennale, Jahrhun­dert­halle Bochum

Seit zehn Jahren leitet Florian Helgath das Chorwerk Ruhr. Dass es ihm in dieser Zeit gelungen ist, das ohnehin außer­ge­wöhnlich hohe Niveau des Chors noch zu steigern, bestätigt seinen hervor­ra­genden, in der überre­gio­nalen Außen­wirkung aber noch ausbau­fä­higen Ruf. Dass die tradi­tio­nellen Auftritte des Chorwerks Ruhr zu den Höhepunkten der Ruhrtri­ennale gehören, überrascht längst nicht mehr.

Die Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium Elias, die jetzt mit einjäh­riger Verspätung in der Bochumer Jahrhun­dert­halle endlich zustande kommen kann, weist Helgath nicht nur als exzel­lenten Chorleiter, sondern auch als souve­ränen Dirigenten komplexer Produk­tionen aus. Dass angesichts der vielfäl­tigen und hohen Anfor­de­rungen, die ein so groß besetztes und stilis­tisch vielfäl­tiges Werk wie der Elias an die Ausfüh­renden stellt, von einer Inter­pre­tation gesprochen werden kann, bei der wirklich alles stimmt, ist geradezu sensationell.

Foto © Christian Palm

Treff­si­chere Tempi, feine dynamische Abstu­fungen, eine klang­schöne Tonbildung und lebendige Phrasierung, die perfekt ausge­steuerte Balance zwischen Orchester und Chor, ein absolut homogenes Solis­ten­quartett, ein entfet­teter Gesamt­klang ohne histo­ri­sie­rende Übertrei­bungen, sicheres Gespür für die drama­ti­schen, aber auch spiri­tu­ellen Essenzen des Werks, die im Detail wie im Gesamt­aufriss exzellent präpa­rierte Einstu­dierung des Chors und des Orchesters: Es bleibt kein Wunsch offen. Eine stimmige Inter­pre­tation des Werks, wie sie selten zu erleben ist und der Ruhrtri­ennale eine fast dreistündige und dennoch überaus kurzweilige Stern­stunde bescherte.

Ein Rückgrat der Produktion bilden die frischen und vorbildlich geschulten Stimmen des Chorwerks Ruhr, die die von Helgath angestrebten feinen dynami­schen Nuancen vom zart klingenden Pianissimo bis zu festlich leuch­tenden, aber niemals schrillen Forte­graden ebenso subtil ausführen wie die filigranen Klang­schat­tie­rungen, mit denen die Choräle und die drama­ti­schen Passagen ausge­leuchtet werden. Auf gleicher Höhe bewältigt das renom­mierte Concerto Köln die nicht minder anspruchs­vollen instru­men­talen Aufgaben. Das histo­rische Instru­men­tarium beherr­schen die Musiker so souverän, dass ein schlanker, aber niemals trockener Klang zustande kommt. Das spezi­fische Kolorit der Instru­mente berei­chert zudem die Klang­far­ben­pa­lette, und die Präzision im Zusam­men­spiel markiert eine Klasse für sich.

Einen Glücks­treffer erzielt Helgath auch mit der Wahl des absolut gleich­wertig besetzten und ausge­wogen mitein­ander harmo­nie­renden Solis­ten­quar­tetts. Mit seinem markanten Bass bleibt Michael Nagy den vielfäl­tigen Anfor­de­rungen der Titel­partie nichts schuldig. Mit seinem angenehm hellen Timbre bewältigt der promi­nente Tenor Werner Güra seinen relativ kleinen Part. Mit samtener Wärme lässt Anke Vondung ihren schönen Mezzo­sopran erklingen und Carolina Ullrich schraubt ihren Sopran in schwe­relose Höhen. Dass der Knaben­solist der Dortmunder Choraka­demie seinen kurzen, aber schwie­rigen Part adäquat bewältigt, rundet einen Abend der Super­lative ab, den das Publikum mit gebüh­render Begeis­terung feiert.

Pedro Obiera

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