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Foto © Fabian Tode

Visionen werden Wirklichkeit

MENSCH UND KUNSTFIGUR IM KUGELTHEATER
(Jörg Udo Lensing)

Besuch am
5. September 2021
(Premiere am 2. September 2021)

 

Plane­tarium Bochum

Das Schöne an der Kultur ist, dass man oft mit Themen konfron­tiert wird, für die man sich nie wirklich inter­es­siert hat. An diesem Abend lädt das Theater der Klänge aus Düsseldorf in das Bochumer Plane­tarium ein. Plane­tarium – das könnte ein anderes Wort für Stern­warte sein. Also ein Ort, an dem man den aktuellen Himmel beobachtet. Mitnichten. Ein Plane­tarium ist so etwas wie ein Himmelskino. Die Spiel­arten von Plane­tarien sind vielfältig, deshalb soll hier von den Projek­tions-Plane­tarien die Rede sein. Das erste seiner Art wurde 1926 in Wuppertal-Barmen in Betrieb genommen. Am Prinzip hat sich bis heute nicht viel geändert. In einem kuppel­för­migen Bau werden mit einem „Sternen­werfer“ Himmels­bilder in die Kuppel proji­ziert. Dank ständiger Erneuerung steht heute eines der modernsten Plane­tarien in Bochum. 1964 eröffnet, verfügt es über Sitze, auf die manches Kino neidisch sein darf, und vor allem über den Sternen­pro­jektor Modell IX „Univer­sarium“ der Firma Zeiss, bis heute das Beste, was es auf dem Markt gibt. Elf Beamer und 64, einzeln ansteu­erbare Lautsprecher sind zusätzlich verbaut.

Ein Traum für Jörg Udo Lensing, den Künst­le­ri­schen Leiter des Theaters der Klänge aus Düsseldorf. Hier kann er endlich verwirk­lichen, was in den 1920-er Jahren in Weimar und Dessau begann. Andor Weininger hat in dieser Zeit am Bauhaus ein Kugel­theater skizziert. Gleich­zeitig entwi­ckelten die Künstler am Bauhaus Utopien für ein neues Theater. „Nie gesehene technische Aufbauten, rotie­rende Bühnen oder zahlreiche filmische Projek­tionen und Lautspre­cher­be­schal­lungen sollten ein Total­theater ermög­lichen, wie es die Welt zuvor noch nie gesehen hatte“, erzählt Lensing. Jetzt sieht er die Zeit gekommen, über diese Visionen zu berichten. In Form des Tanzthea­ter­stücks Mensch und Kunst­figur im Kugel­theater.

Foto © Oliver Eltinger

Zu diesem Zweck ist im Plane­tarium eine eigene Bühne aufgebaut worden, die einen Rundlauf um den Sternen­werfer und eine Plattform dahinter bietet. Hier gibt es nicht Dutzende von Schein­werfern an Traversen, sondern kaum zu bemer­kende Lichter, die in den Wänden integriert sind und von Markus Schramma gekonnt gesteuert werden. Juliette Adrover, Sophia Otto, Christian Paul und Etienne Sarti betreten die Bühne. Sie werden den tänze­ri­schen Teil des Abends in ständig wechselnden Kostümen von Caterina Di Fiore übernehmen, während über ihnen in der Kuppel eindrucks­volle Projek­tionen entstehen, die Yoann Trellu entwi­ckelt hat. Hier finden sich die Skizzen Weiningers genauso wieder wie die Visionen eines Oskar Schlemmer, der für seinen Unter­richt am Bauhaus eine neue und umfas­sende Sicht­weise auf den Menschen entwarf. Direkte Korre­la­tionen zwischen den Tanzbe­we­gungen und den Projek­tionen entstehen. Für die Choreo­grafie ist Jacqueline Fischer verant­wortlich. Sie konzen­triert sich auf eine markante, auf wenige Figuren beschränkte Bewegungs­sprache, die sich unter verschie­denen Konstel­la­tionen wiederholt.

Die Tänzer erledigen das mit Leich­tigkeit, wenn sich auch hier und da Ungenau­ig­keiten einschleichen. Aber immer gelingt es ihnen, mehr Aufmerk­samkeit zu erlangen als die Projek­tionen. Wenn der Mensch wichtiger ist als die Kunst­figur, ist das sicher ein gutes Zeichen.

Zwischen­durch erklingen Textfrag­mente, die mögli­cher­weise Schlemmer zuzuordnen sind und die Grund­fragen zum Theater stellen. Eindrucksvoll. Lensing, der hier auch Regie führt, gelingt es damit, Grund­la­gen­arbeit zu leisten. Fragen und Aussagen über das Theater an sich zu stellen und zu treffen. Nach diesem Stück möchte man gerne ein Werk sehen, das die Visionen umsetzt. Das muss natürlich an diesem Abend ausbleiben. Aber es macht Lust darauf.

Dazu trägt insbe­sondere auch die Kompo­sition der Klang­land­schaft von Thomas Neuhaus bei. Er nutzt die Möglichkeit, seine Klänge auf die Vielzahl der Lautsprecher zu verteilen, dafür zu sorgen, dass sich Töne annähern und entfernen. Die Faszi­nation über dieses akustische Erlebnis überwiegt lange Zeit, ehe sich der Raum insgesamt mit Musik füllt und in ein Gleich­ge­wicht mit Tanz und Projektion gerät.

Es gibt großartige und eindrucks­volle Momente an diesem Abend, der an eine Zeit erinnert, in der über Theater im Grund­sätz­lichen nachge­dacht und nicht von Ideologien überschattet wurde. Dem Publikum, das an diesem Abend viele Plätze freilässt, gibt das Raum für langan­hal­tenden Applaus. Zu hoffen ist, dass sich das Bochumer Plane­tarium zu einer weiteren Auffüh­rungs­serie entschließt und zum Beispiel die so genannte Freie Szene die fantas­ti­schen techni­schen Möglich­keiten des Plane­ta­riums entdeckt.

Michael S. Zerban

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