O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Christoph Fein

Vom Feinsten

AIDS-GALA
(Diverse Komponisten)

Besuch am
2. Dezember 2017
(Einmalige Aufführung)

 

Bochumer Sympho­niker, Anneliese-Brost-Musik­forum Ruhr, Bochum

Wir warten auf den Tag, an dem keine AIDS-Galas mehr nötig sind“, sagt Bo van der Meulen in einer seiner Anmode­ra­tionen für das zweite festliche Konzert der Bochumer Sympho­niker für die Deutsche AIDS-Stiftung. Aber immer noch gibt es jährlich etwa 3.000 Neuin­fi­zierte – allein in Deutschland. Also kein Grund, in der Unter­stützung von HIV-Infizierten und AIDS-Kranken nachzu­lassen. Das sehen auch die Musiker so und laden die Bochumer in ihr neues Domizil ein, damit mehr Geld in die Kassen der AIDS-Stiftung gespült wird. Zur Spielzeit 201617 bezogen die Bochumer Sympho­niker das Anneliese-Brost-Musik­forum Ruhr gleich neben dem „Bermuda-Dreieck“, der Vergnü­gungs­meile der Ruhrge­biets­stadt. Ein Bau, der mehr als begeistert. Nicht die Spur überkan­didelt, aber mit einer fantas­ti­schen Akustik ausge­stattet. Hier können Konzerte der Extra­klasse stattfinden.

Eines davon dürfen die Besucher der Gala genießen. Nach der Ouvertüre zu Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozart geht es gleich los mit einer der ungewöhn­lichsten Solis­tinnen der letzten Jahre. Asya Fateyeva sieht sich selbst als „Botschaf­terin des Saxophons“. Ausdrücklich meint sie dabei den Einsatz des Instru­ments in der klassi­schen Musik und nicht im Jazz. Das klingt skurril, wenn sie das Concertino da Camera, also das kleine Kammer­konzert, von Jacques Ibert vorträgt. Hört sich doch ihr Vortrag wie feinge­spon­nenster Jazz an. Oder eben eine Schippe drauf.

Unbemerkt vom Publikum steigert Anika Vavic den Einsatz noch einmal um ein Vielfaches. Die Pianistin, die auf den größten Konzert­bühnen dieser Welt zu Hause ist, ist krank. Der Kopf pocht, die Höhe des Fiebers hat sie noch nicht eruiert, die Glied­maßen sind so lahm wie ein Pfarrer am Taufbecken. Deshalb eine AIDS-Gala absagen, das gehe nicht, sagt sie. Nimmt lieber heftige Schmerz­mittel und schleppt sich auf die Bühne, was man ihr beim besten Willen nicht ansieht. Die Noten­blätter habe sie nicht einmal wahrge­nommen, gesteht sie im Nachhinein. Und spielt den zweiten und dritten Satz des zweiten Klavier­kon­zerts von Dmitri Schost­a­ko­witsch trotzdem, als führte der Komponist selbst ihr die Hände.

Asya Fateyeva – Foto © Christoph Fein

Nach der Ouvertüre zu Le nozze di figaro ist es an van der Meulen, auf den Druck­fehler im Programm hinzu­weisen. Selbst­ver­ständlich gibt es keine Zauber­flöten-Fantasie mit einem Oboen-Solisten. Ramón Ortega Quero ist einge­laden, um das Oboen-Konzert in C‑Dur von Antonio Vivaldi aufzu­führen. Nach den Auftritten von Fateyeva und Vavic fällt die Spannung etwas ab, aber Quero gelingt es, das Publikum auch für Vivaldi und vor allem den Klang seiner Oboe zu begeistern. Valentin Radutiu ist ein begna­deter Cellist und trägt die Romanze von Richard Strauss maßgeblich mit. So richtig lebt das Publikum aller­dings erst bei seinem Nachfolger wieder auf, als es hört, dass er zum Konzert seinen Perso­nal­ausweis mitbringen musste, um nachzu­weisen, dass er über 18 Jahre alt ist und nach 22 Uhr auftreten darf. So zumindest scherzt van der Meulen. Und eine Stradivari spiele er, da werden die Besucher heiß. Ob es wirklich das geeignete Instrument für Maurice Ravels Tzigane ist, mag dahin­ge­stellt sein. Dass Ziyu He seine Geige beherrscht, steht außer Zweifel.

Dass der Funke auch beim letzten Auftritt überspringt, dafür sorgen zweifelsohne die Bochumer Sympho­niker, die ein konge­niales Zuspiel liefern, immer hochkon­zen­triert und auf den Punkt. Dazu trägt auch ihr Chef Steven Sloane maßgeblich bei, der unauf­geregt und im Zusam­men­spiel mit Solisten erfahren genug ist, für eine faszi­nie­rende Vorstellung zu sorgen, die sich klanglich ganz wunderbar im Saal entfalten kann.

Ob man wirklich die Beiträge der Solisten auf zehn Minuten begrenzen muss, ist ebenso disku­tabel wie die Auswahl des Programms. Aber vielleicht müssen es wirklich immer die ganz großen Kompo­nisten-Namen sein, um das Publikum zu locken. Und hier geht es schließlich nicht um Kunst, sondern um AIDS.

In diesem Fall ist es geglückt, die Besucher im gutbe­setzten Saal über mehr als zwei Stunden zu begeistern. Langan­hal­tenden Beifall gibt es für alle Betei­ligten, selbst Vavic ist zum Schluss­ap­plaus noch geblieben. Ihr noch mal ein ganz beson­derer Beifall, eine solche Haltung ist nicht weit verbreitet.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: