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Manon gilt als Jules Massenets Meisterwerk und als große französische Oper. Neben seiner Kompositionstätigkeit fand er als Lehrer am Pariser Konservatorium Eingang in die Musikgeschichte. Zu seinen Schülern zählen Cesar Franck, George Enescu oder François Charpentier. Fünfundzwanzig Opern umfasst sein prägendes Schaffen für die Musik des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Die Tragédie lyrique Manon fußt auf der Geschichte von Abbé Prévost vom Chevalier des Grieux und dem Mädchen Manon Lescaut. Die Prägung der Titelheldin ist der wesentliche Gestaltungsindikator für die Regie. In Bordeaux stellt der Franzose Olivier Py ein klares Bild der jungen Manon dar. Frisch vom Lande kommend, ist sie bereits bei ihrer Ankunft in Amiens aufgeweckt, lasziv und zielorientiert. Leichtfüßig lässt sie sich auf das Abenteuer mit dem jungen des Grieux ein, um dem Klosterleben zu entfliehen. Da steckt sie bereits mit ihrem Cousin unter einer Decke, lebt das berauschende, luxuriöse Leben einer Kurtisane und hält neben des Grieux Kontakt zu verschiedenen noblen Freiern. Macht und Luxus treiben sie, auch nachdem sie des Grieux wieder für sich gewinnt, und reif stellt sie sich ihrem Schicksal, ohne Reue oder Angst. Stringent setzt Py diese Deutung um und baut dabei auf eine bildreiche Inszenierung mit viel Aktion. Pierre André Waltz liefert ihm dazu eine eindrucksvolle leuchtende Bildsprache mit seinem beweglichen und rasch veränderbaren Bühnenbild sowie effektvollen Kostümen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Gleich zu Beginn befinden wir uns in einem modernen Vergnügungsviertel mit entsprechenden Leuchtreklamen. Ausschweifend ist das Leben in den Clubs, das auf die Straße getragen wird. Das Spiel mit den Geschlechtern inklusive. Schnell wechselt das Ambiente, indem die einzelnen Bilder meist von der Seite unterschiedlich auf die Bühne geschoben werden. Ein mächtiger Gittervorhang schafft für einzelne Bilder die nötige Intimität. Cabaret-Einlagen erinnern an die großen Pariser Revuen. Dabei darf die nackte Haut nicht fehlen. Py bewegt sich an der Grenze zur Geschmacklosigkeit, aber er beherrscht das Spiel mit der nötigen Ästhetik. Es wird nicht langweilig im prachtvollen Opernhaus von Bordeaux, wenn die Geschichte des jungen Liebespaares ausschweifend erzählt wird. Dazu tragen auch die vielen kleinen Details auf der Bühne bei.
Die Sänger werden gefordert und kräftig zum Mitspielen angehalten. Nadine Sierra hat die Rolle der Manon übernommen und möchte gerne sexy und verführerisch wirken. Aber irgendwo bleibt sie gefühllos und leer übrig. Stimmlich fehlt ihr das Spiel mit der Färbung und den Nuancen. Es bleibt monoton gefühllos. Dazu gesellen sich Defizite in der klaren Intonation in der Höhe. So ist es Benjamin Bernheim als des Grieux überlassen, die Gefühle der Zuhörer und Zuschauer zu gewinnen. Stimmlich zeigt er sich in Höchstform und treibt geradezu unbegrenzt seine Melodien in alle Lautstärken, Lagen und Emotionen. Sein Tenor zeigt Kraftreserven, Leichtigkeit und ein samtenes Timbre, dass er immer wieder in neue Schattierungen bringt. So wird seine Darstellung des jungen naiven sowie geläuterten des Grieux überzeugend echt und mitleidsvoll. Alexander Duhamel bleibt einseitig als Lescaut und setzt wenig Akzente, auch wenn seine Stimme sicher ist. Mehr Pfeffer zeigt Daniel Bigourdan in der Rolle des Guillot. Erfrischend und gesanglich überzeugend sorgen die lockeren Damen Olivia Doray, Adele Charvet und Marion Lebegue als Pousette, Javotte und Rosette für Spaß.

Marc Minkowski hat viel Reputation mit seinem Barock-Ensemble auf Originalinstrumenten erarbeitet. Umso überraschender sein Dirigat dieses hochromantischen Werkes. Viel Tempo und Kraft setzt er an. Keine emotionalen Ausschweifungen. Er urteilt, er verurteilt somit musikalisch die Titelheldin. Es liegt kein Mitgefühl drin. Liebe ist spürbar, aber sie ruht im Moment und umgarnt den Chevalier des Grieux, dessen Ehrenhaftigkeit und Ehrlichkeit der erlebte Gegenpol zur oberflächlichen, lasterhaften Manon wird. Er setzt Akzente, er setzt eine musikalische Bildsprache, die überzeugend klar und einfach ist. Unaufdringlich, frisch und klar fließt seine Interpretation, greift die Bildsprache von Py auf und ist immer präsent. Eine gelungene einheitliche Sprache zwischen den beiden ist spürbar. Minkowski entschärft obszöne Szenen mit seinem entwaffnend ehrlichen Dirigat wie in der barocken Opernszene, die der Regisseur kunstvoll zum lasterhaften Ballett wachsen lässt.
Das Publikum folgt gespannt der Erzählung und bedankt sich mit großzügigem und herzlichem Beifall, der vor allem Benjamin Bernheim und Marc Minkowski gilt.
Die Produktion wird im Mai von der Opéra Comique in Paris übernommen. Dort wird Patrizia Petibon die Titelrolle übernehmen.
Helmut Pitsch