O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
MEIN FREUND BUNBURY
(Gert Natschinski)
Besuch am
5. Oktober 2019
(Premiere am 4. Oktober 2019)
Lange Zeit dümpelte das Theater Brandenburg vor sich hin. Geldsorgen und strukturelle Probleme beeinflussten den meist aus Gastveranstaltungen bestehenden Spielplan. Seit dieser Saison weht frischer Wind durch das hübsch an der Havel gelegene Haus, das 2017 seinen 200. Geburtstag feiern konnte. Es gibt eine neue Leitung und eine Finanzierung, die eine solide Planung ermöglicht. Mit 14 Premieren in allen Sparten hat sich Intendant Frank Martin Widmaier eine Menge vorgenommen.
Die erste Musiktheaterpremiere ist vielversprechend. Gespielt wird Mein Freund Bunbury von Gerd Natschinski, eines der ersten und erfolgreichsten Musicals der DDR, das 1964 im Berliner Metropoltheater uraufgeführt wurde. Von der ehemaligen Traditionsbühne stammt auch ein Teil der Besetzung, dazu wurde mit Dagmar Frederic ein Urgestein der ostdeutschen Schlagerszene engagiert.
Der Freund Bunbury, der auf Oscar Wildes Komödie The Importance of Being Earnest zurückgeht, existiert in Wirklichkeit nicht, sondern ist eine Erfindung von zwei amüsierfreudigen Männern, die den Namen als Pseudonym bei ihren nächtlichen Streifzügen benutzen. Was zu vielen Verwirrungen führt, da auch die anderen Beteiligten nicht immer das sind, was sie scheinen. Bürgerliche sind eigentlich adlig, Arme reich und als Clou stellt sich heraus, dass der Butler, der als Running Gag bei jeder Gelegenheit traditionelle Gurkenschnittchen serviert, tatsächlich Bunbury ist.

Frank Martin Widmaier, der zusammen mit Patricia Walczak auch die Ausstattung übernommen hat, inszeniert das Musical ganz konventionell und ohne großen szenischen Aufwand. Ein paar Videoeinblendungen auf der Rückwand, einige Möbel und eine kleine Showtreppe definieren die Handlungsorte, die Kostüme bilden stilsicher die 1920-er Jahre ab. Die Sprechtexte sind zwar ein bisschen altbacken, doch sobald es ans Tanzen und Singen geht, funktioniert die Show prächtig. Die von Marie-Christin Zeisset choreografierten Ballettszenen, eine Abfolge von Tango, Black-Bottom und Charleston, haben Drive und Schwung und Natschinskis sofort ins Ohr gehende Musiknummern werden von den Brandenburger Symphonikern unter der Leitung von Hannes Ferrand so schmissig wie lässig serviert.
Das Ensemble erobert mit ganzem Einsatz die Bühne. Die tolle Step-Nummer, die Robin Poell hinlegt, der Fatima-Song, aus dem Désirée Brodka einen virtuosen Show-Akt macht, der zackige Hochstapler-Tango von Alexander Kerbst und die mitreißende Tanzszene Piccadilly von Verena Barth-Jurca sind einige Höhepunkte des launigen Abends. Nicht zu vergessen der Krimi-Chanson von Dagmar Frederic, in dem sie ihre Qualitäten als Diseuse offenbart.
Doch es sind nicht nur die Profis, die überzeugen. Das Konzept von Widmaier, die Brandenburger mehr ins Theater einzubinden, geht auf. Der aus Musikinteressierten zusammengestellte, von Karsten Drewing vortrefflich vorbereitete Chor und die Susi-Miller-Girls genannte Revuetruppe, die in örtlichen Tanzschulen ausgesucht wurde, machen ihre Sache prima und haben offensichtlich Spaß daran.
Viel Begeisterung nach der zweiten, sehr gut besuchten Aufführung. Ein bisschen Ostalgie mag dabei sein, aber selbst wenn. Mein Freund Bunbury macht entschieden Appetit auf weitere Erfolgsstücke des musikalischen Unterhaltungstheaters der ehemaligen DDR. In Frisco ist der Teufel los von Guido Masanetz, Karambolage von Conny Odd und andere mehr, sie haben eine Neubewertung verdient.
Karin Coper