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IL PRIGIONIERO/DAS GEHEGE
(Luigi Dallapiccola, Wolfgang Rihm)
Besuch am
16. Januar 2018
(Premiere)
Sie sind kurz, in unterschiedlichen geschichtlichen Umgebungen entstanden, doch in ihrer konzentrierten Auseinandersetzung mit dem Thema Freiheit denkbar geeignete Geschwister für einen packenden Doppelabend, wie ihn jetzt die Brüsseler Oper aus der Taufe hebt. Und das in einer grandiosen Inszenierung von Andrea Breth und einer adäquaten musikalischen Umsetzung. Die Rede ist von Luigi Dallapiccola 1944 in Angriff genommene Oper Il Prigioniero – Der Gefangene – und Wolfgang Rihms vor elf Jahren entstandenes Monodram Das Gehege, die beide jetzt in Brüssel ihre mit langanhaltendem Beifall gefeierte Premiere feiern dürfen, bevor die Produktion im April von der Stuttgarter Staatsoper übernommen wird.
Dallapiccolas Gefangener, basierend auf Vorlagen von Villiers de l’Isle-Adam und Costers Ulenspiegel, schmachtet in dunkler Isolation in den Inquisitionskerkern Saragossas und erfährt nur durch den Kerkermeister einen Hauch menschlicher Zuwendung. Der Kerkermeister entpuppt sich allerdings als Großinquisitor, der ihn am Ende auf den Scheiterhaufen führt. Die Hoffnung degeneriert hier zu einer zusätzlichen Demütigung. Villiers Erzählung Die Hoffnung als Folter ist schließlich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entstanden, Dallapiccolas Oper an dessen Ende.
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Wolfgang Rihms Werk Das Gehege basiert auf dem Schluss des Schauspiels Schlusschor von Botho Strauß. Hier dringt eine Frau nächtlich in die Voliere eines Zoos ein, um die Schönheit, Stärke und Faszination sinnlich und exklusiv erleben zu dürfen, die sie von einem stolzen Adler erwartet. Der erweist sich jedoch als altersschwach und abweisend. Am Ende zerstückelt die Frau ihr Liebesobjekt. Dass Strauß damit auf den Zustand des Bundesadlers nach der Wende anspielt, interessiert Rihm weniger. Er sieht die Frau als geistige Schwester der Salome, die ebenfalls das Opfer ihrer Begierde dahinschlachtet.
Musikalisch trennen beide Werke keine Welten. Beide befinden sich kompositorisch auf der Höhe ihrer Zeiten, wobei Rihm die Verzweiflung seiner Heldin eine Spur expressiver ausformt als Dallapiccola, der die Isolation, die Hoffnungsfunken und die Desillusion seines Protagonisten in dunkle, verhaltene, fein schattierte Farben taucht.

Andrea Breth, die in Brüssel mit einer fulminanten Inszenierung von Rihms Jakob Lenz für Furore sorgte, steigert mit dem Doppelabend ihre Glanzleistung. Sie ist die Meisterin der szenischen Reduktion, vermeidet jede überflüssige Geste, lenkt den Blick mit unbestechlicher Konsequenz auf die inneren Vorgänge der Opfer und sensibilisiert den Blick des Betrachters für feinste Verästelungen und Andeutungen. Auf der überwiegend leeren, schwarz belassenen Bühne genügen ihr die einfachen Käfig- oder Gitterlandschaften von Martin Zehetgruber, um die Konflikte hautnah ausdrücken zu können. Grandios, wenn der scheinbar befreite Gefangene von dem trügerischen Großinquisitor an einem schlichten Seil in den Tod geführt wird. Noch großartiger das Schlussbild im Gehege, wenn die Frau zu einem Adler mutiert und in einem Schattenriss wie ein aufgespießter Schmetterling im Gittergestänge prangt.
Frank Ollu findet mit dem erstklassigen Brüsseler Orchester in jedem Takt den richtigen Ton für die fein gezeichneten Stimmungsfarben. Star des Abends ist die spanische Sopranistin Ángeles Blancas Gulín, die nicht nur den großen Monolog der Mutter des Gefangenen zu einem ersten Höhepunkt führt, sondern den 45-minütigen Solo-Monolog in Rihms Monodram mit vollem Einsatz bewältigt. Georg Nigl in der Titelrolle führt die Besetzung der Dallapiccola-Oper an, während John Graham-Hall als Kerkermeister alias Großinquisitor zwar darstellerisch überzeugen, gesanglich aber nicht ganz das Niveau seiner Kollegen halten kann.
Ein Opernabend wie zu den besten Brüsseler Zeiten der seligen Ära Gérard Mortiers.
Pedro Obiera