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Der enthusiastische Applaus, mit dem Alain Altinoglu vor der Premiere von Richard Wagners Oper Tristan und Isolde begrüßt wird, zeigt die Beliebtheit, die sich der smarte Maestro in den zurückliegenden drei Jahren als Musikchef der Brüsseler Oper erarbeitet hat. Und gleich das Vorspiel leuchtet so plastisch und vorwärtsstürmend auf wie aus den besten Jahren Karl Böhms. Die orchestrale Qualität ist es letztlich, die der Neuproduktion ihren besonderen Akzent verleiht. Leider nimmt Altinoglu dabei wenig Rücksicht auf die Sänger, die sich gegen die fulminanten Klangfluten des Orchesters nur mit riskanten Kraftakten durchsetzen können. Gesund für die Stimmen ist das nicht. Und werkdienlich letztlich auch nicht.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Das wirkt sich auf das vokale Niveau hörbar aus. In Brüssel sind die Hauptrollen zweifach besetzt. In der Premiere überzeugt Ann Petersen als Isolde durch eine ausgeprägte emotionale Intensität in Darstellung und stimmlichem Ausdruck, auch wenn sie in den Höhepunkten hörbar forcieren muss. An Ausstrahlung kann Bryan Register nicht mit der Kollegin konkurrieren und spart seine Kräfte für den anstrengenden dritten Akt so extrem auf, dass er in den ersten beiden Aufzügen seine Stimme streckenweise nur zu markieren scheint. Rundum überzeugen kann auch Nora Gubisch als Brangäne nicht, die sich mit ihren vibratoreichen und scharfen Spitzentönen als überfordert zeigt. Grandios und nobel wie gewohnt, charakterisiert Franz Josef Selig den König Marke, und auch Andrew Foster-Jenkins als Kurwenal entspricht dem Niveau des renommierten Hauses. Was die drei Hauptpartien angeht, werden möglicherweise Christopher Ventris als Tristan, Ricarda Merbeth und Kelly God als Isolde sowie Ève-Maud Hubeaux als Brangäne die vokalen Akzente noch positiv verschieben können.

Für die Inszenierung wurde mit dem Filmemacher Ralf Pleger und dem bildenden Künstler Alexander Polzin ein Team mit nicht allzu großen Erfahrungen im Musiktheater verpflichtet. Für ein aktionsarmes Stück wie den Tristan eine gewagte Wahl, auch wenn sich Pleger mit seinem Porträtfilm Wagnerwahn schon intensiver mit dem Bayreuther Meister auseinandergesetzt hat. Im Brüsseler Tristan verlässt sich Pleger freilich allzu blind auf die starken Bilder Polzins, ohne sie richtig zu nutzen, um die Hilflosigkeit, der er der Handlung ausgesetzt zu sein scheint, entgehen zu können.
Es sind die Bilder Polzins, die Aufmerksamkeit erregen. Weiße, an bedrohliche Eiszapfen erinnernde Tuch-Arrangements schweben im ersten Akt über dem Liebespaar. Ein aus menschlichen Körpern zusammengesetzter, verwachsener Baum bildet nicht nur die Kulisse, sondern auch die Spielstätte des Liebesduetts, und vor einer durchlöcherten und gespenstisch ausgeleuchteten Rückwand stellt sich Tristan seinem Todeskampf. Wie auch die von Akt zu Akt wechselnde Kostümparade von Wojciech Dziedzic wirkt das optisch anregend, entspricht letztlich jedoch nicht mehr als Plegers These, Wagners Werk müsse „in erster Linie eine bezaubernde, sinnliche und visuell beeindruckende Erfahrung sein.“ Das trifft zwar bedingt zu, reicht aber nicht, um die komplexe Beziehung des einst auf den Tod verfeindeten und letztlich bis in den Tod miteinander verwachsenen Paares hintergründig interpretieren zu können. Doch über diesen zentralen Aspekt erfahren wir nicht das Geringste. Die Personenführung erschöpft sich in stilisierten Gesten aus dem Nähkästchen Robert Wilsons. Immer wieder laufen die Figuren hilflos an der Rampe wie eingeschlossene Raubtiere umher. Wie willkürlich Pleger mit dem diffizilen Verhältnis von Nähe und Distanz zwischen den beiden Titelhelden umgeht, lässt auf eine Ratlosigkeit schließen, die auch den Schluss befällt.
Da haben in der letzten Zeit Fachmänner wie Romeo Castellucci mit seinem Parsifal und Olivier Py mit seinem Lohengrin in Brüssel wesentlich Nachhaltigeres zum Thema Wagner beigetragen. Das Brüsseler Premieren-Publikum lässt die musikalischen Akteure hochleben, während der Beifall für das szenische Team verhalten bleibt.
Pedro Obiera