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CAVALLERIA RUSTICANA/I PAGLIACCI
(Pietro Mascagni, Ruggero Leoncavallo)
Besuch am
9. November 2019
(Premiere)
Mittlerweile ist Guy Montavon Intendant des Theaters Erfurt. In den 1990-er Jahren stand er noch als stellvertretender Operndirektor der Bonner Oper Intendant Giancarlo del Monaco zur Seite. Jetzt kehrt er für die Neuinszenierung des bühnenwirksamen Opern-Zwillings Cavalleria Rusticana – Sizilianische Bauernehre – von Pietro Mascagni und Pagliacci – Der Bajazzo – von Ruggero Leoncavallo an das Bonner Haus zurück. Mit einer Inszenierung, die schnörkellos die kochenden Gefühle der Protagonisten zum Ausdruck bringt und sich ohne tiefenpsychologischen Ballast auf die starke Bildersprache von Hank Irwin Kittel verlässt.
Kittel setzt richtungsweisende Impulse, indem er das Einheitsbühnenbild für beide Werke als monumentales Mausoleum anlegt mit zwei mächtigen Totenmasken der beiden Komponisten, die sich in der Cavalleria wie schwere Grabplatten absenken. Im Bajazzo bildet die Innenseite einer Maske das Zentrum der Spielfläche. Stolperanfällige Terrains für die Sänger, die sie teilweise geradezu akrobatisch bewältigen. Vor allem die streng skizzierte Handlung der frommen und gleichwohl unbarmherzigen Gesellschaft im sizilianischen Dorf Mascagnis zelebriert Montavon wie eine Totenfeier, wobei Turiddu auf den Masken wie auf seinem eigenen Grab tanzt. Ein packender Totentanz des Verismo. Einfache Ideen, brillant umgesetzt und von bestrickender Wirkung.
Das trifft auch auf den Bajazzo zu. Das Innere der Totenmaske wird zum Schauplatz des Eifersuchtsmords. Neddas Vision vom freien Dasein eines Vogels findet eine bizarr-grausige Erfüllung, indem sie auf einer Schaukel erstochen wird und in luftige Höhen entschwindet.

Mehr als szenisches Handwerk ohne reißerische Ambitionen, aber mit Fantasie, eindrucksvollen Bühnenbildern und einer packenden musikalischen Umsetzung bedarf es nicht, um diesen ebenso robusten wie fein ausgearbeiteten Opern-Abend packend auf die Bühne zu stellen. In dieser Konstellation macht die traditionelle Paarung der beiden zwischen 1890 und 1894 entstandenen, thematisch eng verwandten Stücke nach wie vor Sinn, auch wenn sie mittlerweile häufig durch andere Kopplungen ersetzt wird.
Dass Will Humburg, der in Bonn gerade im italienischen Fach stets Höchstmarken setzt, am Pult des Beethoven-Orchesters den Abend musikalisch zum Glühen bringt, ohne die feinen Zwischentöne der Partituren zu vernachlässigen, überrascht niemanden. Dass er dabei auch eine Menge Rücksicht auf die kräftezehrenden Anforderungen der Sänger erkennen lässt, schlägt sich in erstaunlich guten vokalen Leistungen nieder. So zuverlässig und souverän sich der Tenor George Oniani stets in Bonn bewährt hat: Dass er die beiden gleichermaßen anspruchsvollen Tenorrollen des Turiddu und des Canio so konditions- und ausdrucksstark ohne stimmliche Ermüdungserscheinungen durchsteht, ist einerseits der gesunden Konstitution seiner Stimme zu verdanken, andererseits auch den Impulsen und Hilfestellungen, mit denen Humburg die Sänger unterstützt.
Und die leisten durchweg Großartiges: Dshamilja Kaiser als Santuzza ebenso wie Anna Princeva in der koketteren Partie der Nedda. Mit großer Stimme bewältigt der Bariton Ivan Krutikov den Prolog sowie die beiden Rollen des Alfio und des Tonio, wobei er die gutmütige Seite Alfios ebenso zum Ausdruck bringt wie die hinterhältige Tonios. Mit seinem geschmeidigen Tenor gelingt Giorgos Kanaris eine überzeugende Darstellung des Silvio. Ava Gesell, Studentin im Rahmen der Kooperation mit der Kölner Musikhochschule, legt als kokette Lola eine erfolgreiche Talentprobe ab und Anjara I. Bartz verkörpert eine reife Mutter Lucia ohne Großmutterallüren.
Ein Sonderlob verdienen die Chöre des Theaters inklusive des Kinder- und Jugendchors für ihre großen und komplexen Aufgaben.
Begeisterter Beifall für alle Mitwirkenden.
Pedro Obiera