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Ein Märchentraum

RUSALKA
(Antonín Dvorák)

Besuch am
29. April 2018
(Premiere am )

 

Landes­theater Coburg

Seit alters her leben laut Volks­glauben in der glitzernden Unheim­lichkeit des Wassers Geister oder verfüh­re­rische Nixen. Gestalten wie die Undine von Friedrich de la Motte Fouquet oder die kleine Meerjungfrau von Hans Christian Andersen, aber auch Die versunkene Glocke von Gerhart Hauptmann regten den jungen tsche­chi­schen Drama­tiker Jaroslav Kvapil 1899 zu einem „lyrischen Märchen“ an, und als Dvorák nach einem Text für eine neue geplante Oper suchte, stieß er auf die Rusalka – das tsche­chische Wort für Nixe – und übernahm ihn unver­ändert, kompo­nierte das Werk in sechs Monaten, und die Urauf­führung am 31. März 1901 am Natio­nal­theater Prag war ein großer Erfolg. Der bescheidene Librettist aber preist sein Glück und das Genie des Kompo­nisten folgen­der­maßen: „Nach Jahrzehnten noch segne ich sein Andenken dafür, dass er mich auf seinen sphäri­schen Flügeln in Höhen mitge­nommen hat, wohin meine Verse allein niemals geflogen wären“. Neben Smetanas Verkaufter Braut gilt Rusalka heute als tsche­chische Natio­naloper, denn sie trägt musika­lisch unver­kennbar slawische Züge, auch wenn der Einfluss Richard Wagners in der Tonsprache unüber­hörbar ist.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Im Landes­theater Coburg nun lässt sich Regisseur Tobias Heyder von dem Märchen­stoff zwar bezaubern, aber seine stimmige Insze­nierung geht von einem eher ratio­nalen Konzept aus: Für ihn entspringt eine Märchen- und Mythenwelt der Fantasie und den Träumen von Menschen, und er erzählt die Geschichte aus der Perspektive des Prinzen. Schon während der Ouvertüre wird das deutlich. Der Prinz, einsam in seinem kalten, düsteren, trostlos künstlich eleganten Schlaf­zimmer, sehnt sich nach Liebe und einer heiteren, idealen Naturnähe als Ort von Gebor­genheit und Wärme, möchte so der Realität entfliehen. Im Schlaf, einer Art Wachtraum, erblickt er ein bunt irreales, fast kitschig und naiv anmutendes Ambiente; hier vergnügt sich die fröhliche „Familie“ des Zeitung lesenden Wasser­manns und bildet so einen absoluten Gegensatz zu der leeren Welt des Prinzen mit ihren schwarzen Wänden und den grau-silbernen Deko-Blumen. Dass aber beide Welten, ausge­stattet von Georg und Paul, zusam­men­ge­hören, zeigt die Insze­nierung mittels der Drehbühne, wenn sich die Wände verschieben. Farbe und vor allem Helligkeit in die triste Umgebung bringen die Kostüme von Verena Polkowski, die heutige Kleidung zitieren. Effektvoll kontras­tieren dabei die weißen, unschuldig schlichten Gewänder der Waldelfen mit den eleganten Gesell­schafts­roben der Menschen; besondere Leich­tigkeit strahlen dabei die vielen Volants des weißen Kleids der Rusalka aus. Der Prinz aber verfällt in seiner Fantasie der Traum­ge­stalt dieser Rusalka, der Wasser­nymphe und Anbeterin des Mondes; sie verliebt sich und gibt seiner Werbung nach, wobei sie ihre Sprach­fä­higkeit aufgeben muss. Beide aber scheitern letztlich in ihrer Vorstellung unbedingter Liebe an der Realität.

Foto © Sebastian Buff

Das Geister­wesen zerbricht an der Unmensch­lichkeit, Mordlust, Gier nach Geld und Fressen und der Schlech­tigkeit der Welt; in stummen Szenen wird das drastisch vorge­führt. Der Prinz, verun­si­chert durch seine stumme und „kühle“ Braut, betrügt sie zugunsten feuriger Leiden­schaft. Am Ende geht er willig in den Tod, sie fällt als todbrin­gendes Irrlicht ewiger Verdammnis anheim. Rusalka opfert sich für ihre Liebe, der Prinz sühnt für seine Schuld. Dieser Schluss aber hat dank Dvoráks wunder­barer Musik etwas Tröst­liches, Fried­liches. Judith Kuhn überzeugt als Rusalka sehr durch die vielschichtige Zeichnung ihrer Figur und begeistert mit ihrem großen, eher drama­ti­schen, stets rund geführten Sopran nicht nur im berühmten Lied an den Mond. Der Prinz, Mirko Rosch­kowski als Einspringer für seinen erkrankten Kollegen stimmlich mehr als ein Ersatz, kann herrlich fein abgestuft gestalten mit seinem tragfä­higen, höhen­si­cheren, strah­lenden Tenor. Dass er nur kurz der eleganten Erscheinung der fremden Fürstin, Marlene Lichtenberg mit kraftvoll-kühlem Sopran, verfällt, ist dem Umstand geschuldet, dass er mit der in der Menschenwelt stummen Rusalka nicht klarkommt, obwohl er sie liebt. Als Wassermann imponiert Michael Lion mit seinem großen, etwas weit schwin­genden Bassba­riton, geneckt von den anmutigen, äußerst klang­schön singenden Waldelfen Julia Da Rio, Emily Lorini und Anna Gütter, die später auch als Dienst­mädchen auftritt. Kora Pavelic wirkt bei ihrem Auftreten als Zauberin Jezibaba bedrohlich, auch durch ihren etwas harten Mezzo­sopran. Der bigotte Diener, Franz Xaver Schlecht, sehr sicher singend, ist mit seiner Übergrif­figkeit und seinem Aberglauben eine äußerst intri­gante, unange­nehme Figur. Meist aus dem Hinter­grund heraus agiert der fein abgestufte Chor des Landes­theaters, geleitet von Davide Lorenzato.

Ungetrübten Genuss beschert das Philhar­mo­nische Orchester unter der versierten Leitung von Roland Kluttig, das schwel­ge­risch alle Facetten der Melodik und Lyrik breit auskostet und mit feinen solis­ti­schen Leistungen auffällt.

Das Publikum der nicht ganz ausver­kauften Nachmit­tags­vor­stellung bejubelt alle Mitwir­kenden lange und gibt seiner Begeis­terung mit vielen Bravos Ausdruck.

Renate Freyeisen

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