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Seit alters her leben laut Volksglauben in der glitzernden Unheimlichkeit des Wassers Geister oder verführerische Nixen. Gestalten wie die Undine von Friedrich de la Motte Fouquet oder die kleine Meerjungfrau von Hans Christian Andersen, aber auch Die versunkene Glocke von Gerhart Hauptmann regten den jungen tschechischen Dramatiker Jaroslav Kvapil 1899 zu einem „lyrischen Märchen“ an, und als Dvorák nach einem Text für eine neue geplante Oper suchte, stieß er auf die Rusalka – das tschechische Wort für Nixe – und übernahm ihn unverändert, komponierte das Werk in sechs Monaten, und die Uraufführung am 31. März 1901 am Nationaltheater Prag war ein großer Erfolg. Der bescheidene Librettist aber preist sein Glück und das Genie des Komponisten folgendermaßen: „Nach Jahrzehnten noch segne ich sein Andenken dafür, dass er mich auf seinen sphärischen Flügeln in Höhen mitgenommen hat, wohin meine Verse allein niemals geflogen wären“. Neben Smetanas Verkaufter Braut gilt Rusalka heute als tschechische Nationaloper, denn sie trägt musikalisch unverkennbar slawische Züge, auch wenn der Einfluss Richard Wagners in der Tonsprache unüberhörbar ist.
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Im Landestheater Coburg nun lässt sich Regisseur Tobias Heyder von dem Märchenstoff zwar bezaubern, aber seine stimmige Inszenierung geht von einem eher rationalen Konzept aus: Für ihn entspringt eine Märchen- und Mythenwelt der Fantasie und den Träumen von Menschen, und er erzählt die Geschichte aus der Perspektive des Prinzen. Schon während der Ouvertüre wird das deutlich. Der Prinz, einsam in seinem kalten, düsteren, trostlos künstlich eleganten Schlafzimmer, sehnt sich nach Liebe und einer heiteren, idealen Naturnähe als Ort von Geborgenheit und Wärme, möchte so der Realität entfliehen. Im Schlaf, einer Art Wachtraum, erblickt er ein bunt irreales, fast kitschig und naiv anmutendes Ambiente; hier vergnügt sich die fröhliche „Familie“ des Zeitung lesenden Wassermanns und bildet so einen absoluten Gegensatz zu der leeren Welt des Prinzen mit ihren schwarzen Wänden und den grau-silbernen Deko-Blumen. Dass aber beide Welten, ausgestattet von Georg und Paul, zusammengehören, zeigt die Inszenierung mittels der Drehbühne, wenn sich die Wände verschieben. Farbe und vor allem Helligkeit in die triste Umgebung bringen die Kostüme von Verena Polkowski, die heutige Kleidung zitieren. Effektvoll kontrastieren dabei die weißen, unschuldig schlichten Gewänder der Waldelfen mit den eleganten Gesellschaftsroben der Menschen; besondere Leichtigkeit strahlen dabei die vielen Volants des weißen Kleids der Rusalka aus. Der Prinz aber verfällt in seiner Fantasie der Traumgestalt dieser Rusalka, der Wassernymphe und Anbeterin des Mondes; sie verliebt sich und gibt seiner Werbung nach, wobei sie ihre Sprachfähigkeit aufgeben muss. Beide aber scheitern letztlich in ihrer Vorstellung unbedingter Liebe an der Realität.

Das Geisterwesen zerbricht an der Unmenschlichkeit, Mordlust, Gier nach Geld und Fressen und der Schlechtigkeit der Welt; in stummen Szenen wird das drastisch vorgeführt. Der Prinz, verunsichert durch seine stumme und „kühle“ Braut, betrügt sie zugunsten feuriger Leidenschaft. Am Ende geht er willig in den Tod, sie fällt als todbringendes Irrlicht ewiger Verdammnis anheim. Rusalka opfert sich für ihre Liebe, der Prinz sühnt für seine Schuld. Dieser Schluss aber hat dank Dvoráks wunderbarer Musik etwas Tröstliches, Friedliches. Judith Kuhn überzeugt als Rusalka sehr durch die vielschichtige Zeichnung ihrer Figur und begeistert mit ihrem großen, eher dramatischen, stets rund geführten Sopran nicht nur im berühmten Lied an den Mond. Der Prinz, Mirko Roschkowski als Einspringer für seinen erkrankten Kollegen stimmlich mehr als ein Ersatz, kann herrlich fein abgestuft gestalten mit seinem tragfähigen, höhensicheren, strahlenden Tenor. Dass er nur kurz der eleganten Erscheinung der fremden Fürstin, Marlene Lichtenberg mit kraftvoll-kühlem Sopran, verfällt, ist dem Umstand geschuldet, dass er mit der in der Menschenwelt stummen Rusalka nicht klarkommt, obwohl er sie liebt. Als Wassermann imponiert Michael Lion mit seinem großen, etwas weit schwingenden Bassbariton, geneckt von den anmutigen, äußerst klangschön singenden Waldelfen Julia Da Rio, Emily Lorini und Anna Gütter, die später auch als Dienstmädchen auftritt. Kora Pavelic wirkt bei ihrem Auftreten als Zauberin Jezibaba bedrohlich, auch durch ihren etwas harten Mezzosopran. Der bigotte Diener, Franz Xaver Schlecht, sehr sicher singend, ist mit seiner Übergriffigkeit und seinem Aberglauben eine äußerst intrigante, unangenehme Figur. Meist aus dem Hintergrund heraus agiert der fein abgestufte Chor des Landestheaters, geleitet von Davide Lorenzato.
Ungetrübten Genuss beschert das Philharmonische Orchester unter der versierten Leitung von Roland Kluttig, das schwelgerisch alle Facetten der Melodik und Lyrik breit auskostet und mit feinen solistischen Leistungen auffällt.
Das Publikum der nicht ganz ausverkauften Nachmittagsvorstellung bejubelt alle Mitwirkenden lange und gibt seiner Begeisterung mit vielen Bravos Ausdruck.
Renate Freyeisen