O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Bildschirmfoto

Jüdische Komponisten im Brennpunkt

AUF DEM WEG DER VERHEIßUNG
(Diverse Komponisten)

Gesehen am
10. April 2021
(Premiere/​Stream)

 

IAMA, Anhal­ti­sches Theater Dessau

Halle (Saale) ist mit rund 240.000 Einwohnern Großstadt und die Haupt­stadt des Landes Sachsen-Anhalt. Die Kultur­haupt­stadt ist Zentrum einer aufstre­benden Medien­region. Um diesen Anspruch zu unter­streichen, wurde 2004 die Inter­na­tional Academy of Media and Arts (IAMA) als einge­tra­gener Verein mit Sitz im Mittel­deut­schen Multi­me­dia­zentrum gegründet. Mitglieder sind neben Medien­un­ter­nehmen auch die Stadt, die Medien­an­stalt Sachsen-Anhalt und die Burg Giebi­chen­stein Hochschule für Kunst und Design. Im Herbst vergan­genen Jahres hat die IAMA das Festival Klangart-Vision ins Leben gerufen. Ziel ist, „uns den kultu­rellen Reichtum unserer Gesell­schaft bewusst zu machen“ und von Sachsen-Anhalt aus „musika­lische Brücken in die Welt“ zu bauen.

Die zweite Ausgabe des Festivals vom 10. April bis zum 23. Mai hat als Themen­schwer­punkte „Programme der neuen Musik in Gemein­samkeit mit der jüdischen Kultur“. Auch für dieses Festival könnte sich die Notwen­digkeit der rein digitalen Austragung als Vorteil erweisen, da der Offene Kanal Magdeburg alle Konzerte live und kostenlos bei YouTube überträgt und somit auch überre­gional Zuschauern die Möglichkeit gibt, einmal in das Festival hinein­zu­schnuppern. Viel mehr als ein Schnup­per­an­gebot scheint es aber auch nicht zu werden, wenn man das Eröff­nungs­konzert als Maßstab nimmt. Zwar findet man auf der Festi­val­seite ausrei­chende Infor­ma­tionen zu den Programmen und den Mitwir­kenden, aber es erstaunt doch, dass es einer Ansammlung von Medien­schaf­fenden nicht gelingt, mehr als ein medioker abgefilmtes Konzert zu zeigen. Die Gelegenheit beispiels­weise, den Zuschauern aus aller Welt die Spiel­stätten des dezentral angelegten Festivals in Dessau, Magdeburg, Naumburg, Halber­stadt und Halle vorzu­stellen, wird verpasst.

Ania Vegry – Bildschirmfoto

Zur Eröffnung des Festivals geht es in das Anhal­tische Theater Dessau, wo die Anhal­tische Philhar­monie Dessau unter Leitung des General­mu­sik­di­rektors Markus L. Frank ein abwechs­lungs­reiches und selten gehörtes Programm unter dem Titel Auf dem Weg der Verheißung vorbe­reitet hat. Frank selbst liest die Anmode­ration der einzelnen Programm­punkte vor. Dabei scheint die Tontechnik sich besser mit Instru­menten als mit Stimmen auszu­kennen. Das Handmi­krofon ist schlecht ausge­steuert, auch die Qualität des Gesang­klangs wird später Mängel aufweisen. Die Beleuchter schließen sich dem Niveau an. Vermutlich wird hier die 08/15-Standard­be­leuchtung für Konzerte im Theater gewählt. Das führt dazu, dass die Augen der Sänger häufig im Dunkel bleiben. Kein wirklich schönes Bild. Und gewiss, das sind Kleinig­keiten, aber deshalb nicht weniger überflüssig.

Ein Buch mit alten hebräi­schen Melodien inspi­rierte Sergej Prokofjew 1919 derart, dass er innerhalb von 24 Stunden seine Ouvertüre über hebräische Themen kompo­nierte. Der geeignete Einstieg in das Programm, der die Erwar­tungen gleich hochschraubt. Bariton Ulf Paulsen und Tenor David Ameln singen vor einem engagiert aufspie­lenden Orchester aus Kurt Weills Verheißung, ehe das Orchester vier Sätze aus der Suite opus 5 von Berthold Goldschmidt inter­pre­tiert. Der gebürtige Hamburger war in den Jahren 1924 und 1925 für einige Wochen als Korre­pe­titor am Dessauer Theater beschäftigt. Als Urauf­führung bringen die Philhar­mo­niker einen Marsch im 5/​4‑Takt, Sarabande, Gavotte und Taran­tella zu Gehör, vom Kompo­nisten allesamt so verfremdet, dass sie zwar den Musik­ge­schmack jener Zeit, aber die Tänze als solche nicht erkennen lassen.

Markus L. Frank – Bildschirmfoto

Pianist Alexander Koryakin, wie die Sänger auch Ensemble-Mitglied, lässt sich sehr gekonnt mit den Strei­chern auf die Rhapsodie für Klavier und Streicher von Paul Ben-Haim ein. Der Dirigent und Komponist emigrierte 1933 nach Palästina und erwarb sich dort den Ruf als „Vater der israe­li­schen Musik“. Im vorge­stellten Werk klingen alte und neue Heimat an, was zu einer gelun­genen Mischung gerät. Der Flügel bekommt seinen Platz inmitten des Orchesters. Ungewöhnlich, aber klang­tech­nisch einwandfrei gelöst. Das Haupt­thema des Films Schindlers Liste wurde von John Williams kompo­niert und bietet an diesem Abend in zweierlei Hinsicht einen Höhepunkt. Neben dem musika­li­schen hervor­ra­genden Vortrag bekommen die Zuschauer die Antwort auf eine der am häufigsten gestellten Fragen an solis­tische Geiger. Was machst du eigentlich, wenn du da vorne stehst und dir reißt eine Saite? Gregory Maytan, Erster Konzert­meister und Solist des Werkes, zeigt es vorbildlich. Noch in der Schreck­se­kunde wendet er sich zu der hinter ihm sitzenden Geigerin, die zwar nicht sehen konnte, was passierte, aber mindestens ebenso schnell reagiert und ihm ihre Geige reicht. Binnen weniger Takte findet Maytan auf dem neuen Instrument in den alten Fluss zurück. Eine Glanzleistung.

Glänzend präsen­tieren sich auch die Sänger beim letzten Werk. Aus jiddi­scher Volks­musik kompo­nierte Dmitri Schost­a­kovich 1948 als elf Lieder für Alt, Sopran und Tenor. In Dessau wird es in der Orches­ter­fassung, die im selben Jahr noch entstand, vorge­tragen. Während die ersten acht Lieder als Reminiszenz an das einfache Leben der jüdischen Bevöl­kerung gelten, wurden die letzten drei Lieder nachträglich verfasst, um der von der stali­nis­ti­schen Propa­ganda gewünschten Ästhetik zu entsprechen. Carlos Latsos inter­pre­tiert eindringlich, der eindrucks­volle Alt von Rita Kampf­hammer ist mitunter nur als Saalklang vernehmbar. Ania Vegry ist seit dieser Spielzeit am Ensemble und zeigt mit dieser kleinen Kostprobe, dass Dessau um ein Juwel reicher ist.

Nach rund 75 Minuten ist das Ende eines ungewöhn­lichen und hochin­ter­es­santen Abends erreicht. Solcher­maßen einge­stimmt, wird es Spaß machen, am 20. April nach Naumburg in die St.-Wenzel-Kirche zu hören. Dort wird Franz Danksag­müller unter anderem eigene Kompo­si­tionen an der Orgel vortragen.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: