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Foto © Claudia Heysel

Teufelsspaß

KATJA UND DER TEUFEL
(Antonín Dvořák)

Besuch am
28. September 2019
(Premiere am 25. Mai 2019)

 

Anhal­ti­sches Theater Dessau

Dessau ist für Kultur­in­ter­es­sierte derzeit ein Muss. Denn Anfang September eröffnete das neue Bauhaus­museum, und der Andrang ist so groß, dass man zumindest am Wochenende nur mit Vorbu­chung ein Ticket erwerben kann.

So viel Zuspruch hat das Anhal­tische Theater Dessau bei der Wieder­auf­nahme von Antonín Dvořáks Katja und der Teufel nicht. Was schade ist, denn diese 1899 urauf­ge­führte Oper, die in Tsche­chien zum Reper­toire gehört, ist auf deutschen Bühnen eine ausge­spro­chene Seltenheit – ganz im Gegensatz zu der ein Jahr später entstan­denen Rusalka, dem Meisterwerk des tsche­chi­schen Komponisten.

Katja und der Teufel basiert – wie Rusalka – auf einem Volks­märchen, nur ist das Sujet durch und durch komödi­an­tisch. Katja, das Mauer­blümchen des Dorfes, wird bei der Kirmes von einem fremden Jäger zum Tanzen aufge­fordert. Der entpuppt sich als Teufel Marbuel und überredet sie, mit ihm zu gehen. Dass sein Zuhause die Hölle ist, merkt Katja zu spät, woraufhin sie ihn und seine Gehilfen so drang­sa­liert, dass man sie schnell loswerden möchte. Das schafft erst der Schäfer Jirka, der ihr gefolgt ist. Er befördert Katja auf die Erde zurück, stellt aber die Bedingung, dass die von der Bevöl­kerung verhasste Fürstin in die Unterwelt fahren soll. In einem doppelten Spiel bringt er diese dazu, den Frondienst abzuschaffen, überlistet dann die Teufel und bekommt als Lohn einen Minis­ter­posten. Katja erhält eine üppige Aussteuer, so dass sie sich selbst einen Bräutigam wählen kann.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



In den fast ganz in Gelb gehal­tenen funktio­nalen Bühnen­räumen von Markus Meyer insze­niert Jakob Peters-Messer die Oper als das, was sie ist: ein Märchen mit einer Prise augen­zwin­kernder Gesell­schafts­kritik und zugleich eine Typen­ko­mödie mit feinen Humor­spitzen. Dazu passend hat Sven Bindseil die Dörfler in folklo­ris­tische Trachten einge­kleidet, die Teufel tragen rosafarbene Anzüge. Der Regisseur erzählt die Geschichte klar ohne aufdring­liche Aktua­li­sierung nach und garniert sie mit hübschen Details. So fängt Katja plötzlich an zu schwitzen, als sie mit dem Teufel tanzt. Dessen Kollegen müssen in der Hölle im Akkord die einge­henden Seelen regis­trieren: Bürokratie gibt es auch dort. Bedau­erlich nur, dass Nigel Watson für das Höllen­ballett nicht mehr einge­fallen ist als eine bieder-frivole Choreografie.

Foto © Claudia Heysel

Die Oper wird in Dessau in Origi­nal­sprache gegeben – eine Aufgabe, die der von Sebastian Kenner­knecht einstu­dierte Chor genauso respek­tabel bewältigt wie die Solisten. Fast alle Rollen sind aus dem Ensemble besetzt, nur als Jirka gastiert der tsche­chische Tenor Richard Samek, der die lange Partie glänzend und ohne Ermüdungs­er­schei­nungen bewältigt. Iordanka Derilova ist eine hochdra­ma­tische Fürstin, die, obwohl sie erst im dritten Akt auftritt, ihre große Szene zu einem Höhepunkt macht. Ulf Paulsen gibt einen verschmitzt-charmanten Teufel, könnte nur stimmlich etwas mehr auftrumpfen. In dieser Hinsicht ist ihm Luzifer, den Don Lee mit präch­tigem Bass ausstattet, überlegen. Die darstel­le­rische Krone aber gebührt der in Mimik und Gestik urkomi­schen, stimmlich famosen Rita Kapfhammer. Ihre Katja ist nicht nur zänkisch oder nervend, sondern eine junge Frau mit liebens­werten und empfind­samen Zügen.

Dvořáks durch­kom­po­nierte Partitur besitzt kaum einprägsame Melodien. Ihr Reiz liegt in dem dichten orches­tralen Gewebe, das mit folklo­ris­ti­schen Motiven und Tänzen durch­setzt ist. Unter Elisa Gogous Stabführung klingt die Anhal­tische Philhar­monie anfangs recht kompakt, doch spielt sie sich im Verlauf mehr und mehr frei und trumpft dann in den rhyth­misch-pulsie­renden Tanzmu­siken auf.

Langer Applaus für eine geglückte Opern­ent­de­ckung. Nun muss nur noch der Besucher­strom der Bauhaus­tou­risten auch ins Theater gelenkt werden.

Karin Coper

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