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Zum 100-jährigen Geburtstag hat sich das Landestheater Detmold einen Spielplan gefüllt mit großen Leckereien des Musiktheaters geschenkt. Nach dem Auftakt mit Aida steht mit dem Musical My fair Lady ein Stück auf dem Programm, das natürlich auch für die anderen Bühnen interessant ist, die auf dem Reiseprogramm des Landestheaters stehen. Gleich vorweg sei gesagt, dass das bei der Premiere das Gesamtergebnis noch nicht hundertprozentig überzeugend ist, aber – und das ist das wichtigste – die Aufführung vom Publikum begeistert aufgenommen wird.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Für eine gute Gesamtwirkung ist es wichtig, dass man ein gutes räumliches Bühnenbild hat, das einerseits eine gewisse Opulenz ausstrahlt und gleichzeitig auch praktisch in der Umsetzung der schnellen Verwandlung ist. Dazu muss es für das Landestheater auch gut im Transport funktionieren. Das Regieteam hat sich dazu entschieden, eher ein bisschen minimalistischer an die Sache heranzugehen. Die Kulisse von Markus Meyer ist trotzdem raumgreifend, nicht prächtig, aber doch ansehnlich. Und sie ist mit einem Zwischenvorhang und einem bühnenhohen Kulissenteil, das gewendet werden und auch von innen bespielt werden kann, sehr praktisch und schnell. Bei Bedarf wird der Bühnenhintergrund noch mit einem glanzvollen Bild ausgefüllt, so dass man einen genauen Ort wie einen Garten vortäuscht.
Ein bisschen hat man das Gefühl, dass Regisseur Christian Poewe die Handlung um den Phonetiker Professor Higgings, der die Straßenverkäuferin Eliza Doolittle zu einer Lady ausbilden möchte, nicht ganz so ernst nehmen möchte. Damit sind nicht die schwungvollen Choreografien von Kirsteen Mair gemeint, bei denen sogar Müllbeutel gekonnt zum Einsatz kommen. Aber Poewe überzieht die komischen Momente bisweilen etwas, dass es aussieht wie eine Persiflage und auch die sehr schön klassischen Kostüme von Maren Steinebel driften manchmal doch etwas ins Überzeichnete ab.

Auch musikalisch bleiben die letzten Wünsche noch offen. Andreas Jören zum Beispiel fällt es noch ein bisschen schwer, den sympathischen Kotzbrocken Higgins nicht nur zu spielen – das macht er gut – sondern auch ins Detail glaubhaft zu verkörpern, zumal sein Bariton in der großen Oper besser anspricht als im Musical. Ähnlich Caterina Maier ist eine Eliza Doolittle aus dem Bilderbuch, ein bisschen sogar an Audrey Hepburn erinnernd. Und mit dem Berliner Akzent wirft sie wunderbar um sich. Nur ihre Stimme, die sehr angenehm klingt, reicht nicht aus, um über das Orchester zu kommen. Das fällt umso mehr auf, wenn neben ihr Jürgen Strohschein und Steven Armin Novak ihr Feuerwerk als Harry und Jamie abfeuern. Eigentlich Nebenrollen, aber sie sind vokal und physisch so fit, dass sie es sogar fast schaffen, Rudi Reschke als Alfred P. Doolittle den Schneid abzukaufen. Aber eben nur fast, denn dieser Sänger ist auch eine Rampensau in seiner eigenen Liga. Die kleinen Nebenrollen sind aus dem harmonisch gut abgestimmten Chor heraus sehr stark besetzt.
Weiterhin gefallen Brigitte Bauma als Mrs. Pierce und Hannes Fischer als Oberst Pickering. Kerstin Klinder ist eine sympathische Mrs. Higgins. Das schönste Bild der Inszenierung gehört Nando Zickgraf als Freddy Eynsford-Hill. Die Welt des jungen Mannes wird durch Eliza so auf dem Kopf gestellt, dass er ein Tänzchen mit der Laterne wagt, die aus dem Bühnenhimmel zu ihm herunter ragt.
Was in der Interpretation von Mathias Mönius noch fehlt, ist die genaue Abstimmung. Da hört man noch viele ungenaue Einsätze, bei denen Orchester und Bühne noch nicht zusammen finden. Ansonsten tragen er und das Symphonische Orchester zum guten Unterhaltungswert des Abends bei. Das sieht auch das Publikum so, dass auf der einen Seite mit viel Zwischenapplaus eine gute Rückmeldung gibt, auf der anderen Seite aber auch immer etwas zu erzählen hat. Der Abend endet in positiver Begeisterung.
Rebecca Hoffmann