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Auszug aus dem Elfenbeinturm

DONAUESCHINGER MUSIKTAGE
(Diverse Komponisten)

Besuch vom
19. bis zum 21. Oktober 2018
(Einmalige Veranstaltung)

 

Donau­eschinger Musiktage

1921 gegründet, gehören die die Donau­eschinger Musiktage für neue Musik zu den ältesten und immer noch renom­mier­testen Platt­formen der musika­li­schen Avant­garde. Spekta­kuläre Ausein­an­der­set­zungen und Saalschlachten um und mit Paul Hindemith, Pierre Boulez, Karlheinz Stock­hausen und John Cage gehören aller­dings der Vergan­genheit an. Heute geht es erheblich ruhiger zu. Und auch wenn die ganz großen Namen wie Helmut Lachenmann und Wolfgang Rihm durch Abwesenheit glänzten: Das von Björn Gottstein zusam­men­ge­stellte Programm für die drei Festi­valtage zog immerhin noch über 10.000 Besucher aus nah und ganz fern an und war mit 22 Urauf­füh­rungen reich bestückt.

Gesteht man der Werkwahl eine gewisse reprä­sen­tative Relevanz zu, scheinen sich die Neutöner verstärkt aus ihren isolierten, volks­fernen Elfen­bein­türmen zu entfernen und sich verbind­li­cheren Ausdrucks­formen und Kompo­si­ti­ons­tech­niken zu widmen. Und zwar mit einem wachen Blick auf aktuelle Probleme und Phänomene, die uns alle angehen. So beglei­teten gleich drei Leitthemen das Festival: „Mensch und Maschine“, „Histo­rische Instru­mente in der Neuen Musik“ und „Macht und Manipu­lation“. Das letzte Thema griff besonders eindringlich die Kompo­nistin Isabel Mundry auf, die exempla­risch für den Sinnes­wandel vieler Kompo­nisten stehen kann. Gehörte sie lange Zeit zu den Verfechtern streng struk­turell orien­tierter Musik von großer Komple­xität, bedient sie sich mittler­weile erheblich schlich­terer Kompo­si­ti­ons­tech­niken. Ihre beiden aufge­führten Vokal­kom­po­si­tionen Mouhanad und Hey! – Trans­for­ma­tionen eines Augen­blicks wirken wie dokumen­ta­rische Reflexe von Ereig­nissen im Umfeld der Flücht­lings­pro­ble­matik. Hey für Stimmen und Ensemble kreist um den authen­ti­schen Dialog eines 18-jährigen deutsch-irani­schen Schülers, der 2016 in München in einem Amoklauf neun Menschen tötete, mit einem aufge­brachten Anwohner, das Chorstück Mouhanad um ein Gespräch der Kompo­nistin mit einem Flüchtling. Mundry bedient sich neben den gespro­chenen Passagen zwar aller Techniken der vokalen Tonerzeugung, die dem modernen Chorwesen zur Verfügung stehen, geht aller­dings sehr sparsam und fast still mit ihnen um.

Für ihr Orches­ter­stück plinters of ebullient rebellion wurde die schwe­dische Kompo­nistin Malin Bång zum Thema „Mensch und Maschine“ mit dem Preis des SWR-Sinfo­nie­or­chesters ausge­zeichnet. Ein virtuoses Stück mit drei Klange­benen, die den Einfluss von Maschinen auf den Menschen aus drei Perspek­tiven beleuchtet: Mit einem extrem schroffen Orches­terpart in voller Bruta­lität, mit zart-süßlichen Spiel­uhren von fast idylli­scher Anmut und mit zwei alten Schreib­ma­schinen von nostal­gi­schem Reiz.

Foto © Astrid Karger

Aufwän­diger, kompo­si­to­risch nicht unbedingt ergie­biger, ließen Georges Aperghis und Koka Nikoladze gleich Roboter in den Kompo­si­ti­ons­prozess eingreifen. Die Entde­ckung histo­ri­scher Instru­mente für die Neue Musik war freilich von begrenztem Neuig­keitswert. Ivan Fedels Konzert für Bassetthorn und Orchester ließ zwar einen reizvoll vibrie­renden Klang­teppich entstehen. Der Mehrgewinn durch das Bassetthorn gegenüber modernen Klari­net­ten­in­stru­menten hielt sich aller­dings in Grenzen.

In der Gesamt­sicht scheint die Neue Musik aus der Sicht der diesjäh­rigen Donau­eschinger Musiktage wieder ästhe­tisch versöhn­li­chere Töne anzustimmen, wobei man nicht so weit gehen muss wie der Gitarrist und Komponist Alessandra Novaga, der zum Auftakt als Hommage an Rainer Werner Fassbinder eine endlose Klang­collage von Melodien ausbe­reitete, die auch einem Schla­ger­fes­tival zur Ehre gereichen könnten.

Da die künst­le­rische Ausführung in den Händen des Südwest­rund­funks liegt, hat man bei den Inter­preten nicht am falschen Ende gespart. Das SWR-Sinfo­niero­chester und das SWR-Vokal­ensemble, das unter anderem Isabel Mundrys Chorstück unter Leitung von Florian Helgath, dem Leiter des ChorWerks Ruhr, aus der Taufe hob, bildeten das Rückgrat, das von hoch spezia­li­sierten Ensembles wie dem Ensemble Modern, dem ensemble mosaic und dem Klang­forum Wien unter­stützt wurden.

Die nächsten Donau­eschinger Musiktage finden vom 17. bis 20 Oktober 2019 statt.

Pedro Obiera

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