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In der Pfütze des Nils

AIDA
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
5. Oktober 2018
(Premiere)

 

Theater Dortmund, Opernhaus

Um markige Worte ist Heribert Germes­hausen, der frisch gebackene Intendant der Dortmunder Oper, nicht verlegen. Moderner, bunter und jünger soll es in den folgenden sechs Jahren seiner Amtszeit zugehen. Dortmund will er zum „musik­thea­tra­li­schen Epizentrum des Ruhrge­biets“ erheben. Das zeugt von Selbst­be­wusstsein, ist aller­dings mit einer Ohrfeige gegen seinen Amtsvor­gänger Jens-Daniel Herzog und einer Kampf­ansage an die Opern von Essen, Gelsen­kirchen, Duisburg und Hagen verbunden.

Dass der studierte Jurist und Betriebs­wirt­schaftler seine erste Saison gleich mit drei Premieren und Events in Folge startet, zeugt von Macher­qua­li­täten. Wenn denn das künst­le­rische Ergebnis stimmt. Verdis Aida, Rossinis Barbier und ein in die Innen­stadt verla­gerter „musika­li­scher Zirkus“ im Fahrwasser John Cages sind nicht mit der linken Hand zu meistern, und die Werkauswahl soll offenbar zunächst ein möglichst breites Publikum anziehen. Innovative Akzente lässt zumindest die erste Produktion, Verdis Aida, nicht erkennen.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Im Gegenteil: Was der italie­nische Regisseur Jacopo Spirei an verstaubten Opern­kli­schees und verkrampften Gesten in der Perso­nen­führung aufbietet, spricht Germes­hausens Vision eines zeitge­mäßen Theaters Hohn. Szenisch hinter­lässt die neue Aida vor allem Ratlo­sigkeit, musika­lisch Zweifel, ob das Niveau aus Herzogs Zeiten gehalten werden kann.

Konzep­tionell stimmig ist allein Spireis Ansicht, dass es sich bei der Oper trotz spekta­ku­lärer Massen­szenen im Grunde um ein psycho­lo­gisch fein gespon­nenes Kammer­spiel handelt. Das stimmt: So subtil wie in der Aida hat selbst Verdi die inneren Spannungen der in ein komplexes Dreiecks­ver­hältnis verwo­benen Protago­nisten nur selten gezeichnet. Warum begnügt sich Spirei dann damit, fantasie- und oft spannungslos an der Handlung entlang zu schrammen und die inneren Vorgänge der Figuren durch Gebärden aus Urgroß­vaters Zeiten zu verkleistern?

Dass er sich bei den großen Chorszenen zurückhält und im Triumph­marsch auf Mummen­schanz und übertrie­benen Aufwand verzichtet, ist sympa­thisch. Die Zeremonie als Schicki-Micki-Partys mit modischen Akzenten aus dem exoti­schen Ägypten mit einem herum­al­bernden König in der goldschim­menden Kluft eines Pop-Stars darzu­stellen, zeugt aller­dings auch nicht von überbor­dender Fantasie. Die Scheu vor reprä­sen­ta­tivem Pomp führt sogar dazu, dass selbst die auch optisch effekt­vollen Aida-Fanfaren aus dem Off klingen müssen.

Die beweg­lichen Bühnen­wände von Nikolaus Webern strahlen austauschbare Neutra­lität aus, aber wenig Aussa­ge­kraft. Mit Ausnahme des Einfalls, vor allem in den intimen letzten beiden Akten den Bühnenraum durch die näher rückenden Wände immer stärker einzu­engen, so dass Aida und Radames am Ende in einem einge­schnürten Käfig ihr Leben aushauchen müssen. Dass der Nil die Bühne allmählich überflutet, beschert den Sängern dagegen nur nasse Füße. Inhaltlich gibt der Gag ebenso wenig her wie optisch. Von einem erkenn­baren Konzept kann nicht die Rede sein.

Foto © Björn Hickmann

Die Wider­sprüche zwischen großer Oper und Kammer­spiel schlagen sich auch im Dirigat von General­mu­sik­di­rektor Gabriel Feltz nieder, der nur extrem zarte und extrem kräftige Töne anschlägt. Zwischen­farben gibt es wenig und damit werden die Sänger, auch der Chor, entweder butter­weich auf Händen getragen oder brutal überrollt. Ein unein­heit­licher Eindruck, der auch die vokalen Leistungen bestimmt.

Die farbige Ameri­ka­nerin Elena O’Connor reprä­sen­tiert als Bühnen­ge­stalt eine nahezu ideale Aida. Aller­dings setzt sie ihren bedenklich tremo­lie­renden Sopran sehr robust mit messer­scharfen Höhen ein. Ihr Liebhaber Radames findet in Hector Sandoval einen kulti­viert singenden Darsteller, dessen Tenor im großen Dortmunder Opernhaus freilich recht klein wirkt. Damit hat Shavleg Armasi als sonor klingender Ramfis ebenso wenig Probleme wie Mandla Mndebele, der mit seinem kräftigen Bariton der aggres­siven Rolle des Amonasro genügend Druck verleiht. Über eine sehr schöne Mittellage verfügt Hyona Kim als Aidas Feindin Amneris, die ihre Spitzentöne freilich nur mit forciertem Überdruck trifft. Denis Velev als König gerecht zu werden, fällt schwer. Die unange­brachten Harle­ki­naden, die der Sänger in der Insze­nierung vollführen muss, lenken zu stark vom Gesang ab. Der Dortmunder Opernchor bewältigt seine Aufgaben vorzüglich, auch wenn es in der Premiere noch zu einigen Unstim­mig­keiten im Zusam­men­wirken mit dem Orchester kam.

Insgesamt eine Aida ohne Konzept auf eher mittlerem musika­li­schem Niveau. Germes­hausens Kalkül, mehr Publikum ins Opernhaus locken zu wollen, geht mit dieser Aida auf. Die Premiere war weitgehend ausver­kauft und das Publikum bedankt sich mit Standing ovations für eine Werkdeutung ohne Profil und ohne verstö­rende Entstellungen.

Pedro Obiera

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