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Foto © Thomas Jauk

Verdis Otello in dünnem Aufguss

DER HETZER
(Bernhard Lang)

Besuch am
26. September 2021
(Urauf­führung)

 

Oper Dortmund

Der öster­rei­chische Komponist Bernhard Lang liegt sicher richtig, wenn er in Shake­speares und Verdis Jago den Prototyp eines intri­ganten, rassis­ti­schen und empathie­losen „Hetzers“ sieht. Wenn es um die Mobili­sierung niederer Instinkte geht, ist die Geschichte um den schwarzen Aufsteiger Othello erste Wahl. Ein Stoff, der sicher auch Zündstoff für Opern­formate außerhalb der genialen Version Giuseppe Verdis bereithält. Worin aller­dings der Sinn in einer „Überschreibung von Giuseppe Verdis Otello“ liegen soll, so der Unter­titel von Bernhard Langs neuer Oper Der Hetzer, das kann die Urauf­führung im Dortmunder Opernhaus nicht schlüssig erklären.

Lang behält die Handlung des klassi­schen Stoffs im Wesent­lichen bei, trans­for­miert aller­dings den venezia­ni­schen Titel­helden in den Boots­flüchtling Joe Coltello um, der es trotz seiner Hautfarbe zum Polizeichef bringt und sogar die begeh­rens­werte Desirée alias Desdemona erobern kann. Was den bösen Jack Natas alias Jago veran­lasst, seinen Vorge­setzten in den Wahnsinn zu treiben. Eine Deutung, die jede Insze­nierung der klassi­schen Vorlagen verkraften könnte. Was Lang aller­dings nicht genügt. Er übergießt Ausschnitte aus Verdis Oper mit schemenhaft verschlei­erten Klang­krea­tionen, setzt harte Schnitte, bevor man sich zu sehr in die genialen Töne Verdis verlieben könnte, arbeitet mit banalen rhyth­mi­schen Floskeln und mixt Textteile von Shake­speare und Boito zusammen, die in simpler Machart penetrant wiederholt werden. Das Ergebnis der musika­li­schen Melange: Die origi­nalen Beiträge Verdis verlieren ihre Sugges­tiv­kraft, die eigenen Anteile Langs verharren in steriler Banalität.

Foto © Thomas Jauk

Was nicht heißen soll, dass es Lang den Ausfüh­renden leicht macht. Orchester, Chor und erst recht die Protago­nisten haben Aufgaben zu bewäl­tigen, die denen Verdis nicht nachstehen. Skurril, dass die Orchester- und Chorstimmen pande­mie­be­dingt vorab aufge­nommen wurden und im Playback abgespielt werden. Kapell­meister Philipp Armbruster steht allein im Graben und dirigiert ein imagi­näres Orchester. Ebenso skurril, dass die stärksten kreativen Impulse von einge­streuten Raps zu Themen wie Hass, Liebe und Eifer­sucht ausgehen, deren Texte von 16 Jugend­lichen eines Schreib­work­shops des Dortmunder Jugend­forums Nordstadt erstellt und von den jungen Rappern IndiRekt und S.Castro virtuos präsen­tiert werden.

Der ansonsten musika­lisch brüchigen Fassade helfen Regis­seurin Kai Anne Schuh­macher, die Ausstatter Tobias Flemming und Hedda Ludwig sowie der Video-Designer Stephan Komitsch mit einer aufwän­digen und bunten Bühnenshow optisch auf die Sprünge. Da wird nicht an techni­schem Aufwand und szeni­scher Fantasie gespart.

Gesanglich besticht die Produktion durch ein überra­gendes Niveau. Mit seinem gewal­tigen, substanz­reichen Bariton und seiner bestri­ckenden Bühnen­präsenz gestaltet der Südafri­kaner Mandla Mndebele die Titel­rolle. Mit geradezu mädchen­hafter Anmut und großen lyrischen Quali­täten überzeugt die islän­dische Sopra­nistin Álfheiður Erla Guðmunds­dóttir als Desirée, und der Counter­tenor David DQ Lee stellt stimmlich und darstel­le­risch einen Ausbund an Verschla­genheit dar.

Der Beifall fällt freundlich aus für eine Otello-Adaption, mit der Bernhard Lang Verdis Oper nichts an Erkennt­nis­gewinn oder gar eigenem musika­li­schem Profil entge­gen­zu­setzen hat.

Pedro Obiera

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