O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Découvertes avec Ève

ADAM UND EVA
(Franz Liszt, Johannes Brahms, Jules Massenet)

Besuch am
18. Mai 2018
(Einmalige Aufführung)

 

Klang­vokal-Musik­fes­tival,
St. Reinol­di­kirche Dortmund

Das Musik­fes­tival Klang­vokal Dortmund schaut in diesem Jahr, man glaubt es kaum, schon auf zehn erfolg­reiche Jahre zurück. Es besetzt einen inzwi­schen auch inter­na­tional vielfach beach­teten Platz des Klassik-Festival-Kalenders im Frühjahr. Diese Aufmerk­samkeit verdankt sich seinen von Jahr zu Jahr überzeu­genden, staunens­werten Entde­ckungen von verges­senen oder selten zu hörenden Kompositionen.

Allein das Entdecken wäre im Gegensatz zu vielen Festivals mit den ewig gleichen Klassik-Block­bustern schon bemer­kenswert. Aber Klang­vokal bietet noch viel mehr – anderes. Es hebt sich mit seinem Programm von anderen Festivals ab. Dem Festival-Direktor Torsten Mosgraber gelingt es, exzel­lente Musiker zu verpflichten, die selten Gehörtes mit Charme und Überzeugung wachküssen.

Das roman­tische Oratorium Ève von Jules Massenet, mit dem das zweite Festival-Wochenende eröffnet, ist ein typisches Klang­vokal-Konzert. Jules Massenet, vor allem als Opern­kom­ponist von Manon und Werther auf den Opern­bühnen der Welt präsent, hat in Form mittel­al­ter­licher Myste­ri­en­spiele mit Ève ein Zwischending von Oper und Oratorium komponiert.

Eva wird von Gott geschaffen. Sie soll zusammen mit Adam den Garten Eden pflegen und bewahren. Nachdem sie von der verbo­tenen Frucht versucht worden ist und von ihr gekostet hat, teilt sie die Frucht mit Adam. Beide werden von Gott verflucht und für alle Zeiten aus dem Paradies vertrieben.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

In vier Abtei­lungen verzaubert Massenets einstündige geist­liche Oper, unter­brochen von Inter­mezzi und etwas längeren Vorspielen, die Genesis-Erzählung der Bibel nach einem Libretto von Louis Gallet mit paradie­si­scher Klangfülle.

Ève ist Teil eines Tripty­chons bibli­scher Frauen­por­träts, zu denen noch Marie-Magdaleine und La Vierge gehören. Es sind Kompo­si­tionen, die Massenet als einen Künstler zeigen, der auf dem Weg zu seiner eigent­lichen Opern-Bestimmung ist, dass Ève keine Finger­übung ist, sondern schon über alles verfügt, was eine spätro­man­tische Oper ausmacht: impres­sio­nis­tisch gefärbte Instru­men­tierung, klang­schön kolorierte Arien und Duette, arioser und rezita­ti­vi­scher Gesang, orato­ri­scher Chorgesang mit opern­af­finer Dramatik.

Granville Walker, im Festi­val­ma­gazin vollmundig als Dortmunds engli­scher Großmeister des choralen Meister­ge­sangs gerühmt, entdeckt mit den bestens aufge­legten, diffe­ren­ziert artiku­lie­renden Dortmunder Philhar­mo­nikern und dem Tempi und Lautstärke aufmerksam betonenden Philhar­mo­ni­schen Chor des Musik­vereins Dortmund ein musika­li­sches Kleinod. Walker dirigiert, empathisch  mitsingend, im Wechsel von ausgrei­fenden Bewegungen in den narrativ lyrischen Passagen und explo­siven, ins Orchester beschwörend stechenden Handbe­we­gungen in den hochdramatischen.

Eleonore Marguirres Sopran und Thomas Laskes Tenor müssten Massenet, könnte er sie heute hören, in ihrer perfekt abgestimmten Klang­far­bigkeit und ihrem melodi­schen Kolorit wie ein Eva-Adam-Ideal erscheinen. Marguirre staunt mit lyrisch schwel­gendem Sopran ahnungsvoll von Liebe, wie sie sie kurze Zeit später drama­tisch im Koloratur-Fortissimo verlangt. Laske singt sonor selbst­ver­ständlich schon im Ansatz. Sein lyrisch aufge­fä­cherter Tenor berührt mit drama­ti­scher Flexi­bi­lität. In den drei Liebes­du­etten entzünden Marguirre und Laske eine erotische Sinnlichkeit und Dramatik, die kurzzeitig vergessen lässt, dass das in der ehrwür­digen St. Reinol­di­kirche passiert und nicht in einem Opernhaus.

Thomas Blondelle nutzt als Erzähler die wenigen Einsätze mit narra­tiver Bravour. Fein abgestimmtes Timbre zwischen nüchternem Erzählen und körper­be­tontem Beschwören ist für seinen Bariton kein Problem.

Foto © Bülent Kirschbaum

Man ist mitunter mit Blick auf das jeweilige Konzert­pro­gramm geneigt zu fragen,  welche Ideen oder welche Assozia­tionen dem Programm zugrunde liegen. Vor Ève ist in der St. Reinol­di­kirche als erstes die Sinfo­nische Dichtung Nr. 4 – Orpheus von Franz Liszt zu hören. Dass Jules Massenet 21-jährig als Preis­träger in Rom Liszt kennen­lernt, mag auf den ersten Blick nicht mehr als eine Anekdote sein. Liszts künst­le­risch allum­fas­sender Ästhetik von Musik, Literatur und bildender Kunst, die sich auf einer reinen, harmo­nisch ausba­lan­cierten Tonkunst gründet, ist eine Poetik eigen, die im Orpheus leuchtet. An Ève als Ariadne-Komple­mentär könnte auch Orpheus Gefallen finden.

Elegisch fließen assoziative Orpheus-Imagi­na­tionen, einge­führt von einem gefühlvoll schil­lernden Blech, struk­tu­riert von Harfen­klängen, extem­po­riert von Solo-Violine und Solo-Cello und dunkel raunenden Bässen. Aus der sich drama­tisch aufbau­enden Trium­phpose leitet die Oboe in eine finale Übersicht­lichkeit zurück.

Dirigiert Walker bei Liszts Orpheus mit großer Vorsicht, als wolle er den antiken Helden vor sich selbst beschützen, setzt er im Schick­salslied von Johannes Brahms nach dem gleich­na­migen Gedicht von Friedrich Hölderlin dezidierte Akzente. Hölderlins Verse, in freien Rhythmen verfasst, rufen verzweifelt Hyperion, einen der Titanen in der griechi­schen Mytho­logie an, ihn zu retten. Einge­rahmt von einem sinfo­ni­schen Prolog und einem Epilog, singt der Chor die ersten zwei Verse eher sachlich in rezita­ti­vi­scher Manier. Der abschlie­ßende dritte Vers ist ein mehrfach wieder­holter, arios impul­siver Aufschrei, den leidenden Menschen aus seiner Ungewissheit zu befreien.

Brahms Schick­salslied, ein formi­dables Fortissimo als Zäsur zur Pause, das schon auf den großen Applaus verweist, der nach Éve das Gemäuer der St. Reinol­di­kirche erbeben lässt.

Peter E. Rytz

Teilen Sie O-Ton mit anderen: