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HÄNDEL GOES WILD
(Christina Pluhar)
Besuch am
3. Juni 2018
Ein südafrikanische Komponist, kürzlich zu Gast in einem deutschen Theater, verstand die Frage eines deutschen Journalisten nicht, als dieser ihn nach dem Unterschied zwischen E‑Musik und U‑Musik in neuzeitlichen südafrikanischen Kompositionen fragte. Es gibt sie dort nicht. „Wir wollen Gefühle verstehen und ausdrücken“ war seine knappe Antwort. Ähnlich dürften Christina Pluhar und Mitglieder ihres seit 2000 gegründeten Ensembles L’Arpeggiata geantwortet haben, fragte man sie nach ihrer Musik, mit der sie bewusst und erfolgreich die Grenzen der Musikstile überschreiten und dabei gern und gekonnt die Grenzen zwischen E und U verwischen. Weit über ihr ursprüngliches Spezialgebiet hinaus, dem „Handwerk der historischen Aufführungspraxis“, bieten sie mit ihrem Programm Händel goes wild ein Crossover von Stilen, in dem sie auf der Basis der lebensfrohen und musikalisch anspruchsvollen Händelschen Barockmusik Elemente des europäischen Jazz, der Volksmusik und Händelscher Arien und Oratorien mischen, um aus neuem Blickwinkel „eine Art neuer Musik“ zu schaffen. Die Besucher sind überrascht, „was für ein Jazz-Potenzial … in der Musik von Händel steckt.“

Mit der Sopranistin Céline Scheen, dem Countertenor Valer Sabadus und dem italienischen Altmeister der Klarinette Gianluigi Trovesi bringt Christina Pluhar Solisten mit nach Dortmund, die in der historischen Aufführungspraxis ebenso zu Hause sind wie in den blue notes des Jazz. Mit einer leichtfüßigen Sinfonia aus Händels Oper Solomon beginnt das Orchester und überrascht dabei mit ungewohnten Instrumenten wie dem Zink, einer Bassklarinette und einer Gitarre. Mit klarem, klangvollem Countertenor, überraschenden Höhen und Koloraturen stellt sich Valer Sabadus in einer Arie aus Händels Amadigi di Gaula vor, Céline Scheen folgt ihm mit einer Solopartie der Semele aus Händels gleichnamiger Oper. In herrlich leichten Improvisationen zum Volkslied Canario zeigt das Ensemble seine rhythmischen Stärken, wenn Sergey Saprychev sein umfangreiches, aber sehr dezent eingesetztes Schlagwerk zur Geltung bringt. Nachdem die Streicher das Thema aus Vivaldis c‑Moll-Konzert vorgestellt haben, übernehmen Bongos und Schlagwerk und wechseln den Rhythmus ins Jazzige. In der Arie der Bellezza spielen sich Céline Scheen und die Bassklarinette schöne Klänge zu. In weiteren Stücken aus der Oper Alcina und einem sehr harmonischen Duett aus Händels Rodelinda zeigen die Solisten ihre Duettfähigkeiten, bevor Céline Scheen ein weiteres Mal in einer Arie aus Semele vor allem in den Höhenlagen klangvoll ihre stimmlichen Qualitäten zeigt.
| Dirigent | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Orchester | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Solisten | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Programm | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
In einem lebhaften Duett aus der Oper Faramondo überzeugen Sabadus und Scheen mit ihrer musikalischen Harmonie, in der Scheens Sopran die hellen Töne strahlen lässt, denen Sabadus mit leicht dunkler gefärbtem Countertenor eine ruhige Basis gibt. Noch ein weiteres Mal können Céline Scheen mit der Arie der Cleopatra aus Giulio Cesare und Valer Sabadus mit der Rinaldo-Arie aus der gleichnamigen Oper glänzen, mit dem das Programm schließt. Manchem dieser durchaus bekannten Stücke gibt das Ensemble im Wechsel der Streichergruppe mit den Bläsern und der Percussion eine neue, jazzig flotte Interpretation.
Nachdem sich das Dortmunder Publikum erst einmal warm geklatscht hat, sieht es noch keinen Grund, die Künstler zu entlassen. Erst zwei Zugaben überzeugen die Zuhörer davon, dass dies nun das Finale war. Nach einem qualitativ hochwertigen und stimmungsvollen Konzertabend machen sie sich ungern, aber hochzufrieden auf den Heimweg. Christina Pluhar und Torsten Mosgraber ist es ein weiteres Mal gelungen, in diesem Festival-Sommer mit dem Programm Händel goes wild ein leuchtendes Highlight zu zünden.
Horst Dichanz