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Foto © Thomas Jauk

Mehr Effekt als Reflektion

NIXON IN CHINA
(John Adams)

Besuch am
26. Februar 2023
(Premiere)

 

Theater Dortmund

Wenn die Staats­prä­si­denten der USA und Chinas aufein­an­der­treffen, ist Spannung garan­tiert. Zumindest auf dem politi­schen Parkett. Das ist heute so und war 1972 nicht anders, als Richard Nixons Besuch bei Mao Tse-tung für dicke Schlag­zeilen sorgte. Ob ein solcher Stoff auf der Opern­bühne ähnlich knisternde Reize auslösen kann, stellt die Dortmunder Oper mit einer Neuin­sze­nierung von John Adams‘ Oper Nixon in China zur Diskussion. An Anerkennung mangelt es der 1987 in Houston urauf­ge­führten Oper bis heute nicht. Und auch die Dortmunder Produktion kann sich in die Erfolgs­serie einreihen.

Das gelingt ihr mit einem Aufwand, der die perso­nellen und techni­schen Ressourcen des Hauses restlos ausschöpft und durch das NRW Junior­ballett und ein Senio­ren­tanz­theater noch zusätzlich getoppt wird. Das Ergebnis ist eine bunte, teilweise überdreht vitale Revue, in der es weniger um Politik als um Persön­lich­keiten geht, für die sich eine Verstän­digung aufgrund ihrer unter­schied­lichen kultu­rellen und weltan­schau­lichen Wurzeln von Beginn an ausschließt.

Die Ankunft des ameri­ka­ni­schen Präsi­denten wird noch prunkvoll gefeiert, im Dialog sprechen die Staats­männer nur noch verständ­nislos anein­ander vorbei. Auch das Damen­pro­gramm führt zu Irrita­tionen und die Aufführung des von Maos Gattin kreierten revolu­tio­nären Balletts Das rote Frauen­ba­taillon löst gar blankes Entsetzen aus. Am Ende grübeln Nixon und Mao in der Dortmunder Insze­nierung in einem Altenheim resigniert vor sich hin und blicken verklärend auf vermeintlich glück­li­chere Zeiten zurück. Begleitet von anderen, mittler­weile gebrech­lichen Figuren der Geschichte, von den Honeckers über Fidel Castro bis zu Karl Marx und dem Papst, die Hand in Hand über die Bühne tappen. Ein gelun­gener Einstand für das neue „Senio*innentheater“.

Regisseur Martin G. Berger ist an der politi­schen Substanz des Stoffs noch weniger inter­es­siert als der Komponist. Er erweitert den Zeitrahmen der Handlung und verknüpft ihn mehr oder weniger schlüssig mit der Entwicklung einer Frau, die das Treffen als Kind im Fernsehen verfolgt hat und am Ende den mittler­weile senilen und inkon­ti­nenten Staats­männern im Altersheim begegnet. Den beabsich­tigten feminis­ti­schen Akzent verstärkt Berger zusätzlich durch die Drastik, mit der die aus der Sicht von Maos Gattin brutale Unter­drü­ckung der Frauen im vorre­vo­lu­tio­nären China darge­stellt wird.

Foto © Anke Sundermann

Die ersten beiden Akte trimmt Berger auf Tempo und Action, ständig begleitet von den Revue-Girls des hoch engagierten NRW-Junior­bal­letts. Alexander Djurkov Hotter wartet mit einer Kostüm­kol­lektion auf, mit der sich ein ganzer Rosen­mon­tagszug ausstatten ließe. Auch Bühnen­bild­nerin Sarah-Katharina Karl geizt nicht mit dekora­tiver Opulenz. Sowohl das Stück selbst als auch die Insze­nierung setzen stärker auf Effekt als auf Reflektion und bewegen sich eher im Musical-Genre. Umso deutlicher fällt der Bruch im dritten Akt auf, wenn die Akteure in langen Monologen schwer­mütig auf ihre Jugend­träume zurück­blicken. Doch gerade, wenn es um leisere Fassetten geht, zeigen sich die Grenzen der Musik von John Adams mit ihren minima­lis­ti­schen Dauer­schleifen. Adams gelingt es zwar vorzüglich, mit raffi­nierten, endlos repetierten Motiven die handlungs­ak­tiven Akte unter Spannung zu halten. Für die hinter­grün­di­geren Monologe im Schlussakt erweisen sich seine klingenden Girlanden nach drei Stunden als zu dünn, zu banal und zu zäh.

Was aller­dings die Heraus­for­de­rungen an das Orchester in Sachen minutiöser rhyth­mi­scher Präzision nicht mindert. Und da hat Olivia Lee-Gundermann, Zweite Kapell­meis­terin des Hauses, mit den Dortmunder Philhar­mo­nikern gute Arbeit geleistet. Vor der Pause dynamisch noch zu druckvoll forcierend, findet sie schnell zu ausge­wo­ge­neren Ergeb­nissen. Nicht minder exakt tritt der erwei­terte Opernchor in Erscheinung und mit der glänzenden Besetzung der zehn Solo-Partien unter­streicht die Dortmunder Oper ihre exzel­lente Ensemblearbeit.

Petr Sokolov stellt Richard Nixon mit seinem markanten Bariton als smarten, später ernüch­terten Yankee dar, Irina Simmes dessen Gattin als eine empathische, stimmlich fein nuancie­rende Frau. In der Rolle Mao Tse-tungs erweist sich Alfred Kim als wandlungs­fä­higer Charak­ter­tenor, und Hye Jung Lee als Maos Gattin bewältigt die akroba­ti­schen Höhen­flüge der virtuosen Partie mühelos. Der zurück­haltend vermit­telnde Diplomat Chou En-lai ist mit dem Bariton Daegyun Jeong ungewöhnlich jung, aber stimmlich sehr präsent besetzt. Und Morgan Moody als zwielichtig agierender Henry Kissinger rundet das Ensemble der Haupt­rollen auf gleichem Niveau ab.

Begeis­terter Beifall für alle Akteure, ein einsamer Buh-Ruf gegen das szenische Team für eine eigen­willige, opulente und unter­haltsame Produktion, deren Zielrichtung aller­dings nicht ganz sichtbar wird.

Pedro Obiera

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