O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Zwischen Wellnessoase, Olymp und Hades

ORPHEUS IN DER UNTERWELT
(Jacques Offenbach)

Besuch am
22. November 2023
(Premiere am 11. November 2023)

 

Theater Dortmund, Opernhaus

Einen ungetrübt unter­halt­samen Abend beschert das Dortmunder Theater mit einer Neuin­sze­nierung von Jacques Offen­bachs Operetten-Hit Orpheus in der Unterwelt. Und das ohne allzu tiefe Griffe in die Klamot­ten­kiste, die deutsche Bühnen für Offenbach so gern und besonders weit öffnen. Selbst der Hype um Offen­bachs 200. Geburtstag vor vier Jahren und die noch aktuelle Insze­nierung von Regisseur Barrie Kosky an der Deutschen Oper am Rhein brachten mehr Klamauk als Esprit hervor.

Auch die Dortmunder Insze­nierung ist eine deutsche Angele­genheit, wenn auch eine erfreulich geschmack­volle. Deutsch geprägt ist nicht nur die deutsch­spra­chige Fassung, sondern auch eine Regie, die auf jedes franzö­sische Acces­soire oder Flair verzichtet. Natürlich berühren den heutigen Zuschauer Offen­bachs spitze Nadel­stiche gegen die Amouren Napoleons III. und die Gesell­schaft des Zweiten Kaiser­reichs kaum noch. Zum Glück verzichtet der versierte Regisseur Nikolaus Habjan auf vorder­gründige Übertra­gungen auf aktuelle politische Persön­lich­keiten. Was Esprit und Feinsinn gewiss nicht förderlich wäre.

Habjan bettet die Handlung in ein aufwändig gestal­tetes Comic-Szenario. Eurydike wird in einer Wellness-Oase von dem inkognito als Bademeister agierenden Unterwelt-Boss Aristeus alias Pluto umschwärmt, von ihrem geigenden Gatten genervt und letztlich von der Schlange gebissen. Das Orchester ist dekorativ im Pool postiert. Beim Einzug in den Olymp und später in die Unterwelt beschwört Habjan antike Bilder­welten, hell im Elysium, dunkel im Hades, angerei­chert mit zahlreichen witzigen Anspie­lungen auf Comic- und Film-Stereo­typen, wenn etwa Hans Styx in Gestalt einer Nosferatu-Kopie seine verlo­ren­ge­gangene Attrak­ti­vität beklagt. Diana stößt markant ins Horn, Cupido hüpft feder­leicht wie eine Putte über die Bühne und Venus ist sich ihrer Schönheit bewusst.

Foto © Björn Hickmann

Bei aller Turbulenz hält Habjan die Grenze zu krawal­ligem Klamauk stil- und geschmacks­sicher ein, so dass eine Menge von Offen­bachs pointierter Ironie über die Bühne kommt. Perfekt wäre es, wenn das sehr aktiv umher­wir­belnde achtköpfige Tanzensemble auf manche tunten­hafte Einlage verzichten dürfte.

Alter­nierend mit zwei Kollegen sorgt Kapell­meister Koji Ishizaka mit den Dortmunder Philhar­mo­nikern und dem groß auftrump­fenden Chor für einen rasanten Ablauf des Abends. Und das Ensemble überschlägt sich schier vor Spiel­freude und wird auch den gesang­lichen Anfor­de­rungen vollauf gerecht. An der Spitze rangiert Rinnat Moriah in der besonders anspruchs­vollen, mit artis­ti­schen Kolora­turen und Spitzen­tönen gespickten Rolle der Eurydike. Aber auch Partien wie die der Diana oder des Cupidos haben es in sich. Umso erfreu­licher die vorzüg­lichen Leistungen von Ruth Katharina Peeck und der jungen, hoffnungs­vollen Soyoon Lee aus dem Opern­studio. Hervor­zu­heben sind auch Maria Hiefinger als bestim­mende „Öffent­liche Meinung“ und, als Gast, Steffen Schortie Scheumann als Hans Styx mit einem Kabinett­stückchen komödi­an­ti­scher Schau­spiel­kunst. Fritz Stein­bacher als Aristeus alias Pluto und Zachary Wilson als Orpheus führen die Männer­riege an.

Insgesamt ein unter­halt­samer Abend ohne nennens­werten Tiefgang, aber auch ohne geschmacklose Entglei­sungen. Begeis­terter Beifall für alle Akteure.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: