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Im Sinne des Festivals

DIE PERLENFISCHER
(Georges Bizet)

Besuch am
31. Mai 2019
(Einmalige Aufführung)

 

Klang­vokal, Konzerthaus Dortmund

Dass Georges Bizets Oper Die Perlen­fi­scher kein  begna­detes Libretto vorweisen kann, ist sicher kein  Geheimnis mehr in der Opernwelt. Die deutschen Übertitel mitzu­lesen bedeutet für den Zuschauer nur, den franzö­si­schen Sprach­fluss mit holprigen, deutschen Textzeilen zu konfron­tieren. Also besser vor einer Aufführung einmal gründlich die Handlung studieren – das reicht auch – und dann sich nur auf die Musik konzen­trieren. Denn Bizets Kompo­sition hat viel mehr vorzu­weisen, als das zu Recht hinlänglich bekannte Duett Au fond du temple saint, dessen nostal­gi­sches Erinne­rungs­motiv sich wie ein Leitfaden durch die Oper zieht. Darüber hinaus hat Bizet mit seinen franzö­si­schen Mitteln den exoti­schen Ton getroffen, den er für die in Ceylon verortete Handlung für angemessen hält. Hier spielt die allseits funkti­ons­fähige Dreiecks­ge­schichte zwischen einem Sopran, der einen Tenor liebt, den er nicht lieben darf, während der Bariton in die Röhre schaut und Rache schwört.

Einge­bettet ist diese Menage à trois in das tradi­ti­ons­be­wusste, gottes­fürchtige Volk, das angeführt wird durch die titel­ge­benden Perlen­fi­scher. Es war sicher eine weise Entscheidung von Bizet, die treibende Kraft des Volkes in den Mittel­punkt zu stellen. Für Dortmunds Musik­fes­tival Klang­vokal bietet sich daher die Auswahl der Oper an, denn das seit 2009 jährlich statt­fin­dende Festival steht 2019 unter der Überschrift Wir. An den Perlen­fi­schern lässt sich durchaus eine Diskussion über die positiven wie auch negativen Eigen­schaften eines Gemein­schafts­ge­fühls beginnen. Dieser Gedanke geht in der einma­ligen Aufführung vor allem deshalb bestens auf, weil der WDR-Rundfunkchor in der Einstu­dierung von Robert Blank zur Höchstform aufläuft. Hier erlebt man die Gesichter des Volkes in ihren unter­schied­lichen Facetten. Musika­lisch immer mehr als nur geschmackvoll und harmo­nisch gestaltend, wuseln die Stimmen wie auf einen orien­ta­li­schen Markt durch­ein­ander, verei­nigen sich in andäch­tiger Erwartung auf die Pries­terin, um im nächsten Augen­blick schon erbar­mungslos nach Rache zu rufen.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Publikum



Chat-Faktor



Ein schön­stim­miges Solis­ten­quartett hebt sich von der Masse des Chores ab. Ekaterina Bakanova bringt für die Pries­terin Léïla die nötige Virtuo­sität samt einer glocken­hellen Leich­tigkeit in ihrem angenehm klingenden Sopran mit sich. Dem Nadir gibt Sergey Romanovsky ein schwär­me­ri­sches Legato und franzö­sische Eleganz. Im Gegensatz zu den mit ganzer Stimme ausge­sun­genen Höhen, klingen diese in der voix mixte etwas belegt. Als Paar werden beide mehr den Belcanto-Ansprüchen gerecht als der emotio­nalen Wahrnehmung. Zu selten hört man heraus, dass beide um ihr Leben singen und bangen, da sie beide ihren Eid verletzt haben. Drama­ti­scher wirft sich Bakanova in das Duett mit Zurga, als sie diesen um das Leben ihres Geliebten anflehen muss.

Für diese Rolle quali­fi­ziert sich David Bizic dank der vokalen Autorität, die ihn zum Anführer der Perlen­fi­scher quali­fi­zieren und ist gleich­zeitig auch zu gefühl­vollen Gedanken und Reaktionen fähig. Das oben schon erwähnte Duett Au fond du temple saint, oft verhunzt und abgerufen auf diversen Klassik-Konzerten, bekommt dank ihm und Romanovsky jenen Charakter, der sich von einer reinen Zurschau­stellung abhebt. Die angekün­digte konzer­tante Aufführung wird konse­quent durch­ge­zogen. Bis auf wenige Verän­de­rungen in der Positio­nierung stehen die Solisten an ihren Noten­ständern. Aller­dings hätte man sich schon etwas mehr an Gesten gewünscht, wie es Luc Bertin-Hugault in der kleinen Rolle des Nourabad vormacht, von dem man sich etwas mehr Volumen gewünscht hätte. Bei Roman­vosky lässt sich eine gewisse Nervo­sität dadurch erklären, dass er bei seinem Opern­debüt in Deutschland recht kurzfristig einge­sprungen ist. Der junge Tenor hinter­lässt insgesamt eine sehr gute Visiten­karte in Dortmund.

Foto © Bülent Kirschbaum

Für die nötige Atmosphäre sorgt nicht nur eine dezent einge­setzte Bühnen­be­leuchtung, sondern vor allem das WDR-Funkhaus­or­chester unter der Leitung von Friedrich Haider. Das Orchester stolpert in den ersten Takten noch etwas in das Geschehen hinein, trifft dann aber genau den passenden Charakter des Momentes. Mal begleitend, mal beschreibend wird der Klang­körper seiner Aufgabe gerecht, und Haider sorgt dafür, dass die Handlung nie auf der Stelle tritt. Wenn er seine flüssigen Tempi drosselt, dann bleibt er genau an der Grenze stehen, bevor ein falscher Kitsch erreicht wird.

Ein insgesamt ruhiges Publikum spendet immer wieder Zwischen­ap­plaus für die sehr schön vorge­tra­genen Arien und Ensembles. Was fehlt, sind Bravo-Rufe, die dann aber für alle Betei­ligten am Schluss erklingen. Ganz im Sinne des Festi­val­mottos nehmen die Solisten nur gemeinsam den Applaus entgegen. So positiv der für sie ausfällt, ist nicht zu überhören, dass der Beifall nochmal wächst, als Robert Blank vor den WDR-Rundfunkchor tritt. Denn der musika­lische Höhepunkt gehört dem Chor, wenn er mit seiner ungeheuer inten­siven Anrufung des Gottes Brahma beinahe auch die Zuschauer ergriffen auf die Knie zwingt. Ein großar­tiger Moment für alle, zum Nachhören Ende Juni im Radio.

Christoph Broermann

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