O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DIE PERLENFISCHER
(Georges Bizet)
Besuch am
31. Mai 2019
(Einmalige Aufführung)
Dass Georges Bizets Oper Die Perlenfischer kein begnadetes Libretto vorweisen kann, ist sicher kein Geheimnis mehr in der Opernwelt. Die deutschen Übertitel mitzulesen bedeutet für den Zuschauer nur, den französischen Sprachfluss mit holprigen, deutschen Textzeilen zu konfrontieren. Also besser vor einer Aufführung einmal gründlich die Handlung studieren – das reicht auch – und dann sich nur auf die Musik konzentrieren. Denn Bizets Komposition hat viel mehr vorzuweisen, als das zu Recht hinlänglich bekannte Duett Au fond du temple saint, dessen nostalgisches Erinnerungsmotiv sich wie ein Leitfaden durch die Oper zieht. Darüber hinaus hat Bizet mit seinen französischen Mitteln den exotischen Ton getroffen, den er für die in Ceylon verortete Handlung für angemessen hält. Hier spielt die allseits funktionsfähige Dreiecksgeschichte zwischen einem Sopran, der einen Tenor liebt, den er nicht lieben darf, während der Bariton in die Röhre schaut und Rache schwört.
Eingebettet ist diese Menage à trois in das traditionsbewusste, gottesfürchtige Volk, das angeführt wird durch die titelgebenden Perlenfischer. Es war sicher eine weise Entscheidung von Bizet, die treibende Kraft des Volkes in den Mittelpunkt zu stellen. Für Dortmunds Musikfestival Klangvokal bietet sich daher die Auswahl der Oper an, denn das seit 2009 jährlich stattfindende Festival steht 2019 unter der Überschrift Wir. An den Perlenfischern lässt sich durchaus eine Diskussion über die positiven wie auch negativen Eigenschaften eines Gemeinschaftsgefühls beginnen. Dieser Gedanke geht in der einmaligen Aufführung vor allem deshalb bestens auf, weil der WDR-Rundfunkchor in der Einstudierung von Robert Blank zur Höchstform aufläuft. Hier erlebt man die Gesichter des Volkes in ihren unterschiedlichen Facetten. Musikalisch immer mehr als nur geschmackvoll und harmonisch gestaltend, wuseln die Stimmen wie auf einen orientalischen Markt durcheinander, vereinigen sich in andächtiger Erwartung auf die Priesterin, um im nächsten Augenblick schon erbarmungslos nach Rache zu rufen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Ein schönstimmiges Solistenquartett hebt sich von der Masse des Chores ab. Ekaterina Bakanova bringt für die Priesterin Léïla die nötige Virtuosität samt einer glockenhellen Leichtigkeit in ihrem angenehm klingenden Sopran mit sich. Dem Nadir gibt Sergey Romanovsky ein schwärmerisches Legato und französische Eleganz. Im Gegensatz zu den mit ganzer Stimme ausgesungenen Höhen, klingen diese in der voix mixte etwas belegt. Als Paar werden beide mehr den Belcanto-Ansprüchen gerecht als der emotionalen Wahrnehmung. Zu selten hört man heraus, dass beide um ihr Leben singen und bangen, da sie beide ihren Eid verletzt haben. Dramatischer wirft sich Bakanova in das Duett mit Zurga, als sie diesen um das Leben ihres Geliebten anflehen muss.
Für diese Rolle qualifiziert sich David Bizic dank der vokalen Autorität, die ihn zum Anführer der Perlenfischer qualifizieren und ist gleichzeitig auch zu gefühlvollen Gedanken und Reaktionen fähig. Das oben schon erwähnte Duett Au fond du temple saint, oft verhunzt und abgerufen auf diversen Klassik-Konzerten, bekommt dank ihm und Romanovsky jenen Charakter, der sich von einer reinen Zurschaustellung abhebt. Die angekündigte konzertante Aufführung wird konsequent durchgezogen. Bis auf wenige Veränderungen in der Positionierung stehen die Solisten an ihren Notenständern. Allerdings hätte man sich schon etwas mehr an Gesten gewünscht, wie es Luc Bertin-Hugault in der kleinen Rolle des Nourabad vormacht, von dem man sich etwas mehr Volumen gewünscht hätte. Bei Romanvosky lässt sich eine gewisse Nervosität dadurch erklären, dass er bei seinem Operndebüt in Deutschland recht kurzfristig eingesprungen ist. Der junge Tenor hinterlässt insgesamt eine sehr gute Visitenkarte in Dortmund.

Für die nötige Atmosphäre sorgt nicht nur eine dezent eingesetzte Bühnenbeleuchtung, sondern vor allem das WDR-Funkhausorchester unter der Leitung von Friedrich Haider. Das Orchester stolpert in den ersten Takten noch etwas in das Geschehen hinein, trifft dann aber genau den passenden Charakter des Momentes. Mal begleitend, mal beschreibend wird der Klangkörper seiner Aufgabe gerecht, und Haider sorgt dafür, dass die Handlung nie auf der Stelle tritt. Wenn er seine flüssigen Tempi drosselt, dann bleibt er genau an der Grenze stehen, bevor ein falscher Kitsch erreicht wird.
Ein insgesamt ruhiges Publikum spendet immer wieder Zwischenapplaus für die sehr schön vorgetragenen Arien und Ensembles. Was fehlt, sind Bravo-Rufe, die dann aber für alle Beteiligten am Schluss erklingen. Ganz im Sinne des Festivalmottos nehmen die Solisten nur gemeinsam den Applaus entgegen. So positiv der für sie ausfällt, ist nicht zu überhören, dass der Beifall nochmal wächst, als Robert Blank vor den WDR-Rundfunkchor tritt. Denn der musikalische Höhepunkt gehört dem Chor, wenn er mit seiner ungeheuer intensiven Anrufung des Gottes Brahma beinahe auch die Zuschauer ergriffen auf die Knie zwingt. Ein großartiger Moment für alle, zum Nachhören Ende Juni im Radio.
Christoph Broermann