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Foto © Leszek Januszewski

Kintopp und Wasserballett

STRAWINSKY!
(Xin Peng Wang, Edward Clug)

Besuch am
3. Dezember 2021
(Premiere)

 

Theater Dortmund, Opernhaus

Den 50. Todestag Igor Strawinskys nimmt Dortmunds Ballettchef Xin Peng Wang zum Anlass, zwei große Tanzstücke des russi­schen Kompo­nisten unter dem schlichten Titel „Strawinsky! auf die Bühne zu stellen. Auf dem Programm stehen eine eigene neue Inter­pre­tation des Petruschka und die mittler­weile Kultstatus genie­ßende Deutung des Sacre du Printemps durch den rumäni­schen Choreo­grafen Edward Clug.

Zu erleben ist ein Abend mit zwei der musika­lisch stärksten Ballett­stücke des 20. Jahrhun­derts und zwei zugleich überaus kreativen Ausein­an­der­set­zungen mit den großen, gleichwohl knapp und konzen­triert gefassten Werken. Die Geschichte Petruschkas, der russi­schen Variante unserer Kasperle-Figur, verlegt Xin Peng Wang vom folklo­ris­ti­schen Jahrmarkt in ein ameri­ka­ni­sches Straßen­sze­nario des frühen 20. Jahrhun­derts, wobei er sich in Bild, Tempo und Bewegung an Vorbilder des aufkom­menden Films orien­tiert. Beschleu­ni­gungen im Kintopp-Stil und mecha­nische Abläufe erinnern an Charlie Chaplins Modern Times, und die Titel­figur präsen­tiert sich nicht als melan­cho­lische Puppe vom russi­schen Jahrmarkt, sondern ist Edward Todds hinter­grün­digem Anti-Comic-Helden Joker nachge­bildet. Der buhlt natürlich nicht mit einem bösen „Mohren“ um die Gunst der „Ballerina“, sondern mit einem mafiösen „Chef“. Mit dem Ergebnis, dass er von einer Gang des Bosses unter dem Schutz eines korrupten Cops zusam­men­ge­schlagen wird und nur noch auf Rache sinnt. Damit entzieht Xin Peng Wang dem Stück eine dicke Dosis an märchen­hafter Unver­bind­lichkeit, mildert aber auch die Empathie, die das Schicksal der an sich liebens­werten Puppe auslösen sollte. Gleichwohl entsteht aufgrund der cineas­ti­schen Einfärbung eine spannende Gratwan­derung zwischen Realität und Fantasie. Vorzüglich getanzt von Javier Cacheiro Alemán als Petruschka, Simon Jones als elegant-kalter „Chef“, Amanda Viera als anmutiges Mädchen und Márcio Barros Mota als Polizist. Nicht zu vergessen das engagiert auftre­tende Ensemble und Motonori Kobayashis musika­lische Unter­stützung mit den Dortmunder Philharmonikern.

Foto © Leszek Januszewski

Ein sich mehrmals absen­kender Schacht bildet die Projek­ti­ons­fläche für die Video­se­quenzen. Beein­druckt Hartmut Schörg­hofer bereits mit diesem für einen Ballett­abend ungewöhnlich aufwän­digen Bühnenbild, erfordert Edward Clugs Sacre du Printemps gleich eine Umbau­pause von 45 Minuten. Dabei bewegen sich die jeweils sechs Damen und Herren zunächst in einem schlichten leeren Raum, finden sich zu Paaren in diversen Konstel­la­tionen, bis eins der Mädchen zum Opfer für die Anbetung der Götter bestimmt wird. Jetzt ergießt sich eine reini­gende Sintflut über die Tänzer und setzt die Bühne unter Wasser. Der Bewegungs­radius wird auf dem glitschigen Unter­grund einge­schränkt, die Arbeit mit Oberkörper, Armen und Händen rückt in den Vorder­grund, Körper gleiten wie Schwäne über den Wasserfilm. Das hat seinen origi­nellen Reiz, nimmt den Bewegungen aber ihre kompro­misslose Härte. Inter­essant, dass auch Kobayashi am Pult der Dortmunder Philhar­mo­niker die rhyth­mi­schen und dynami­schen Akzente weit weniger scharf ausspielt als möglich und auch nötig. Trotz der inspi­rierten Kreati­vität, die Clugs Choreo­grafie auszeichnet, verliert das Werk durch das Wasser­ballett an explo­siver Energie. Hervor­zu­heben ist Sae Tamura als Opfer, das sich nur wider­willig mit seiner Bestimmung abfindet.

Begeis­terter, langan­hal­tender Beifall für einen spannenden, hochwer­tigen Ballettabend.

Pedro Obiera

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