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DAS TRIADISCHE BALLETT/FLUID HOUSING
(Oskar Schlemmer, Wubkje Kuindersma)
Besuch am
24. November 2019
(Premiere)
2019 ist Bauhaus-Jahr. 100 Jahre nach dem Beginn ihrer praxisbezogenen Umsetzung ist die Bauhaus-Idee in allen Medien präsent. Sie bewegt im wahrsten Sinne des Wortes. Neben entsprechenden Ausstellungen in Dessau, Weimar oder Gotha hat der Ballettdirektor des Balletts Dortmund, Xin Peng Wang, einen Coup gelandet.
Die Premiere von Bauhaus 100 am Opernhaus Dortmund verbindet die von Gerhard Bohner rekonstruierte, 2014 von Ivan Liška und Colleen Scott neu einstudierte Choreografie Das Triadische Ballett von Oskar Schlemmer von 1922 mit der Uraufführung Fluid Housing der Choreografin Wubkje Kuindersma. Beide Choreografien sind getragen von der kreativen Einheit von Bewegung und Kunst.
Mehr noch ist es, als würde aus der Bauhaus-Vergangenheit über die sie antizipierende Gegenwart ein Tor in die Zukunft aufgestoßen. Das Bayerische Junior-Ballett München und das Ballett Dortmund kontrastieren Bewegung als Ausdrucksform selbstbestimmten Lebens. Xin Peng Wang ist überzeugt, dass „sich heute unsere Zukunft entscheidet“. Wenn er noch vorsichtig formulierend fortsetzt – „Was die Vergangenheit wert ist, zeigt sich immer erst morgen“ – lässt sich ohne weiteres sagen, dieses Morgen beginnt schon mit dieser Premiere.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Tanz | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Choreografie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Die Münchner applizieren mit den plastischen Schlemmer-Kostümen mehr als zehn Raum-Farb-Bilder. Keine kostümierte, entstaubte Maskerade, sondern kreative, überlegte Bewegungen und Posen, die ästhetische Emanationen streuen. Die dreizehn jungen Tänzerinnen und Tänzer übersetzen die künstlerisch ausbalancierte Choreografie eindrucksvoll in Bewegung. Dass es hin und wieder einige Balanceprobleme gibt, zeigt nur, wie anspruchsvoll diese ist.
Unterlegt mit Klang-Collage-Pattern von Hans-Joachim Hespos, entwickeln die minimalistisch bewegten Bilder eine ungemein poetische Lebendigkeit. Je heiterer gelöst die choreografierte Bilderfolge, umso begeisterter bemächtigt sich eine geradezu körperliche Ergriffenheit des Publikums. Jedem Bild wird applaudiert. Auch wenn man sich manchmal wünschte, den bildmächtigen Eindruck mit stiller Andacht zu verinnerlichen, ist das Herz der überwiegenden Mehrheit gefüllt mit Emotionen, die sich wie von selbst in Applaus entladen müssen.

Die zwanzigminütige Kuindersma-Choreografie Fluid Housing nach der Pause entwickelt von Minute zu Minute eine staunenswerte Faszination. Am Ende reibt man sich mit der Gewissheit die Augen, Zeuge einer Zäsur in der Dramaturgie von Tanz und Bühnenarchitektur gewesen zu sein. Die Aufführung gibt eine überraschend konkret schlüssige Antwort auf die immer wieder mit großem Skeptizismus aufgeworfene Frage, ob die Hegemonie der digitalen Welt die analoge vollständig obsolet mache.
Fluid Housing verbindet auf ingeniöse Weise den Tanz und seine analogen Live-Bewegungen mit den von der Animationsfilmerin und Videodesignerin Nicole Aebersold geschaffenen digitalen Räumen und komplexen Strukturen im Lichtdesign von Ralph Jürgens. Blaue Leuchtpunkte generieren Linien, die sich zu perspektivischen Raumstrukturen erweitern. Strich- und Balkenlinien, weiterhin in Drehbewegungen digitalisiert, imaginieren Räume. Beleuchtet von wechselnden Lichtdispositionen, bewegen sich sechs Tänzerinnen und Tänzer des Balletts Dortmund in einer digital erzeugten Bühnenarchitektur. Sie kollaborieren mit den digitalen Animationen im Wechsel von Kontrast und Folie. Ballett als lebendige Präzisionsmaschine, die das Analoge mit dem Digitalen überzeugend verbindet.
Im Unterschied zu vielen selbstverliebten, letztlich nur selbstreferentiellen Video-Facetten des modernen Theaters kreiert Aebersold grafisch konkrete Strukturanimation. Kein Selbstzweck, sondern bühnenarchitektonische Innovation im Dienst der Inszenierung. Man darf gespannt sein, wohin sie führt.
Allein die esoterisch elektronisch aufgeladenen, zeitgenössisch klassisch referenzierten Klangkaskaden von Valgeir Sigurðsson zeichnen teilweise vordergründig überambitioniert. Die mehrere Minuten anhaltenden, sich wie MG-Feuer anhörenden Klangmassierungen sind eher demonstrativer Überzeugung geschuldet als einer choreografischen Linie.
Das Opernhaus Dortmund hat diese Chance erfolgreich genutzt, künstlerisch wie auch hinsichtlich der Akzeptanz durch das Publikum. Das ausverkaufte Haus und der überwältigende Beifall sprechen Bände. Die Leitung des Hauses überlegt, es nicht bei der einen Vorstellung zu belassen.
Peter E. Rytz