O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Goldbraun gefärbte Klänge

DON CARLOS
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
7. Oktober 2018
(Premiere am 31. September 2018)

 

Landes­ju­gend­or­chester NRW, Theater Düren
Meiningen

Die Jüngsten sind gerade einmal 14, die Ältesten 19, die meisten 15 bis 17 Jahre jung. Vier Wochen der Sommer­ferien verbrachten die 72 Musike­rinnen und Musiker des Landes­ju­gend­or­chesters NRW im westfä­li­schen Nottuln, um sich erstmals auf eine große Opern­pro­duktion vorzu­be­reiten. Der Griff zu Giuseppe Verdis Don Carlos mutet dabei verwegen an. Doch was Talent, Fleiß und unbändige Spiel­freude bewirken können, zeigte sich in den vier rundum gelun­genen Auffüh­rungen in Lüden­scheid, Gent und zuletzt im rheini­schen Düren.

Eine gewaltige Heraus­for­derung stellt dabei nicht nur die extrem filigrane und fein gestrickte Musik Verdis dar, sondern auch die Koordi­nation mit den Sängern und dem szeni­schen Team. Eine Heraus­for­derung, die den Ehrgeiz der jungen Musiker offenbar noch zusätzlich anzusta­cheln scheint. Denn orchestral lässt die Aufführung kaum einen Wunsch offen. Dirigent Sebastian Trewinkel gelingt es, den dunkel timbrierten Klang des Orchesters, zu dem sich Verdi von den gedeckten Farben des Escorials inspi­rieren ließ, in goldbraunem Schimmer aufleuchten zu lassen. Nicht nur die spiel­tech­ni­schen Anfor­de­rungen an jeden einzelnen Musiker wurden souverän erfüllt, auch das Zusam­men­spiel mit den Sängern bereitet keine nennens­werten Probleme. Hier zahlt sich die Koope­ration des Orchesters mit dem WDR-Sinfo­nie­or­chester Köln aus, das eine Paten­schaft übernommen hat und die Proben­arbeit mit Musikern aus seinen Reihen unter­stützt. Voraus­set­zungen, unter denen Trewinkel sowohl dem lyrischen Gusto als auch den verhalten drama­ti­schen Attacken der Partitur vollauf gerecht werden kann.

Angesichts des Fassungs-Salats, den Verdi mit seinen sechs Versionen des Stücks hinter­lassen hat, ist eine weitere Variante, die das Team der Kultur­plattfom Zukunft Kultur erarbeitet hat, durchaus legitim. Man singt in der franzö­si­schen Sprache der Pariser Urauf­führung, greift aber auf eine vieraktige Version zurück, die auf zweieinhalb Stunden gekürzt wurde. Zum Opfer fällt unter anderem die große Autodafé-Szene. Ansonsten brauchte man kaum eine Perle der kostbaren Partitur zu vermissen.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Zumindest ist alles enthalten, um die Konzeption der Insze­nierung deutlich machen zu können. Don Carlos – Corridors of Power. Regisseur Bernd Schmitt geht es darum, Struk­turen der Macht bloßzu­legen. Eine schwierige Aufgabe, denn gerade im Don Carlos erweisen sich die Macht­ver­hält­nisse als überaus brüchig. Spielt Philipp II. seine Macht als kompro­misslos handelnder König gegen die flandri­schen Aufstän­di­schen selbst­be­wusst aus, zappelt er gleich­zeitig hilflos im Spinnennetz der noch mächti­geren Inqui­sition. Und selbst ein Vasall wie der liberale Marquis Posa weist dem König moralische Grenzen. Der große Verlierer ist der Infant Don Carlos, der sich weder privat noch politisch gegen den Einfluss des könig­lichen Vaters durch­setzen kann. Schmitt und seine Ausstat­terin Birgit Angele stecken ihn deshalb in ein Clowns­kostüm, und auch wenn er überlebt, strampelt er am Ende auf einem Stand­fahrrad einer ungewissen Zukunft entgegen, ohne einen Meter voran­zu­kommen. Eine proble­ma­tische, wenig optimis­tische Lösung. Umso schärfer wird in der Insze­nierung die Position von Philipp als eiskaltem Macht­men­schen und hilflosem Opfer zum Ausdruck gebracht. Dass die Partie des Großin­qui­sitors von sechs Sängern chorisch gesungen wird, gehört zu den stärksten Momenten des Abends.

Foto © Lars Heidrich

Dass Frieden und Terror in unmit­tel­barer Nachbar­schaft existieren können, der Frieden jedoch ständig bedroht ist, drückt Birgit Angele mit ihrem zweige­teilten Bühnenbild aus, das zur Hälfte ein niedliches, aber aufmerksam mit den Augen zwinkerndes Rehkitz zeigt, dem zur anderen Hälfte ein Panzer zur Seite gestellt wird. Bisweilen wird auch in dem Kriegs­gerät gesungen, wobei die Innen­szenen auf das Rehkitz proji­ziert werden.

Wenn schon von Verwe­genheit angesichts des orches­tralen Parts gesprochen werden kann, schießen die vokalen Anfor­de­rungen geradezu in den Himmel. Zukunft Kultur kommt das Verdienst zu, nicht nur junge Sänge­rinnen und Sänger aus aller Herren Länder an große Aufgaben heran­zu­führen, sondern auch bevorzugt begabte Sänger aus Flucht­ländern wie Syrien zu engagieren. Unter diesem Aspekt verdient auch die Solisten-Crew ein dickes Kompliment, obwohl hier natur­gemäß einige Abstriche gemacht werden müssen. Alle Solisten erweisen sich als glänzend vorbe­reitet und werden den Aufgaben weitgehend gerecht. Dass die von Raymond Sepe angesichts der auch von etablierten Stars gefürch­teten Partie des Don Carlos nicht ohne Anstrengung geleistet werden können, ist klar und verständlich. Das gilt auch für Cornelia Lanz in der halsbre­che­ri­schen Partie der Eboli, die selbst einer Christa Ludwig Probleme bereitete. Simon Stricker als Philipp II., Vladislav Pavliuk als Marquis Posa und Kirstin Ebner als Elisabeth können ihre von Verdi stimmen­freund­licher einge­rich­teten Partien stress­freier angehen.

Ein kühnes Experiment des Landes­ju­gend­or­chesters, das zeigt, dass mit jugend­licher Begeis­terung, beacht­lichem Talent und zähem Fleiß fast jede Hürde zu überwinden ist. Gute Voraus­set­zungen, um sich im kommenden Jahr einem Projekt im Rahmen des 200. Geburtstags von Jacques Offenbach widmen zu können.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: