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Foto © Ralf Puder

Großes Fest für kleine Kinder

BOYS DON’T DANCE
(Takao Baba)

Besuch am
13. Juli 2019
(Urauf­führung)

 

Asphalt-Festival, Alte Farbwerke, Düsseldorf

Das Sommer­fes­tival Asphalt bringt in elf Tagen über 50 Auffüh­rungen in die verschie­denen Spiel­stätten, die über die Stadt verteilt sind. Dabei haben es sich die Künst­le­ri­schen Leiter, Christoph Seeger-Zurmühlen und Bojan Vuletić, zum Ziel gesetzt, möglichst viele Menschen von jung bis alt anzusprechen. Für Kinder ab sechs Jahren wird das Tanzstück Boys Don’t Dance angeboten. Warum es kein fanta­sie­voller deutsch­spra­chiger Titel sein darf, erschließt sich nicht. Aber davon lassen sich die Eltern nicht abhalten, und so ist die Halle 21, sonst ein Probenraum, in den Alten Farbwerken Düsseldorf am Samstag­nach­mittag bis auf den wirklich aller­letzten Platz besetzt. Wobei den Kindern Sitzkissen genügen. Und damit sitzen sie aller­dings in der ersten Reihe, können also das Geschehen auf der Bühne hautnah mitver­folgen. Dass es noch näher geht, wird sich später zeigen.

Im Hinter­grund der Bühne sind vier weiße Stell­wände aufgebaut, rechts daneben ist Platz für ein paar Musik­in­stru­mente. Vor den Stell­wänden steht ein Beamer. Mehr braucht es bei Takao Baba und seinem Ensemble nicht, um den Kindern einen sport­lichen Nachmittag zu bereiten. Nach ein wenig Live-Musik zur fließenden Eröffnung schreiten Baba, Felix Küpper und Salomon Quainoo durch die versetzt aufge­stellten Wände, kommen nach vorn, präsen­tieren sich in den Kostümen von Charlotte Grewer, die ein paar klassische HipHop-Klamotten ausge­wählt hat. Zu Careless Whisper gibt es ein Posing, weit von Tanz entfernt. Männer tanzen also nicht? Sieht ganz so aus. Als sie hinter die Stell­wände treten, zeigen sie der Kamera, wie ihre Tanzsprache aussieht. Einfache, klassische HipHop-Bewegungen sind zu sehen. Die Bilder werden vorn auf die Paravents übertragen. Inzwi­schen hat sich auch Jenny Thiele dazuge­sellt, die bislang die E‑Gitarre bedient hat. Die Botschaft ist klar. Das, was hier zu sehen ist, kann doch jeder. Also kann wirklich jeder tanzen? Und macht er es auch?

Foto © Eva Berten

Unter den Gästen ist Mijke Harmsen. Sie ist Drama­turgin im Tanzhaus NRW und oft und gern gesehener Gast beim Asphalt-Festival. Bei ihrer Ankunft begrüßt sie viele der Kinder persönlich. Einige von ihnen werden jetzt einzeln hinter die Stell­wände geholt. Jungs, natürlich. Unver­krampft zappeln sie vor der Kamera herum – vor allem für die Erwach­senen ein großer Spaß. Als das Ensemble wieder die offene Bühne betritt, wird ein wenig herum­ge­flachst, dann geht es allmählich in die nächste Vorbe­rei­tungs­runde. Zu eingän­gigen HipHop-Rhythmen zeigen die vier, wie ein Fussball tanzt, ein Tennis­schläger, ein Kühlschrank und eine Mikro­welle. Witzig, fanta­sievoll und vor allem völlig unver­krampft ist das.

Endlich decken die Tänzer die Karten auf, als sie die Kinder auf die Bühne holen. Locker werden noch einmal die Übungen durch­ge­gangen, bis der Großteil der Kinder sie verstanden hat und mitmacht. Das Ganze entwi­ckelt sich spiele­risch-sportlich, kleine Jungen müssen hier keine Tanzschritte erlernen, sondern einfach nachmachen, was die großen Jungs ihnen zeigen. In der Gruppe kommt viel Freude auf. Eifrig sind die Kinder dabei. Jetzt werden einige von ihnen aufge­fordert, selbst mal ein Solo hinzu­legen. Und siehe da: Da gibt es durchaus Vorkennt­nisse. Die Eltern sind beein­druckt und applau­dieren spontan. Flott vergeht die Zeit. Das Ensemble organi­siert einen battle. Dazu werden die Kinder in zwei Gruppen aufge­teilt, die nun mit jeweils einem Tänzer gegen­ein­ander antreten und die rasch erlernten Übungen in immer schnel­lerer Abfolge wieder­holen. Sieger gibt es natürlich keinen. Aus pädago­gi­scher und tänze­ri­scher Sicht ist das Stück ein echter Hit. Die Kinder, die hier und heute Nachmittag auf der Bühne stehen, werden sich auch in Zukunft ohne Berüh­rungs­ängste mit Tanz und ihrer eigenen Körper­sprache beschäftigen.

Und dann nimmt der Nachmittag doch noch eine unerwartete Wendung. Einer der Tänzer hat zuvor Begriffe auf einem Grafik­ta­blett gemalt, die nachge­tanzt werden sollen. Nachdem eigentlich die Vorstellung beendet ist, alle zufrieden sind, entdeckt einer der Jungen seine Freude an dem techni­schen Gerät und möchte gern selbst malen. Damit ist das formale Ende vereitelt, Thiele muss es offiziell verkünden, verknüpft ihre Absage mit einem „Jungen tanzen doch“ und die Veran­staltung löst sich in allge­meinem Gewusel auf der Bühne und im Raum auf. Herrlich. Kreativer kann es gar nicht laufen. Lob einfach mal den Eltern, die ihre Kinder in solche Auffüh­rungen bringen, Lob aber auch für ein Ensemble, das ein Stück Mitmach­theater sehr klug entwi­ckelt hat.

Michael S. Zerban

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