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Foto © O-Ton

Chillen im Park

EROBIQUE IM PARK
(Carsten Meyer)

Besuch am
14. Juli 2019
(Einma­liges Gastspiel)

 

Asphalt-Festival, Malkas­tenpark, Düsseldorf

Im Herzen Düssel­dorfs liegt ein wunder­schöner, histo­ri­scher Park. Auf den Wegen des Malkasten- oder Jacobi-Parks wandelten schon Johann Wolfgang von Goethe und Wilhelm von Humboldt. Im 19. Jahrhundert fanden hier fanta­sie­volle Künst­ler­feste statt, die weit über die Grenzen Düssel­dorfs hinaus bekannt waren. Dass die wenigsten Düssel­dorfer den Malkas­tenpark kennen, liegt daran, dass der Zugang über viele Jahre restriktiv gehandhabt wurde. 2014 sorgte Sturm Ela für verhee­rende Schäden. Dank privater Sponsoren und der Unter­stützung der Stadt Düsseldorf konnten die in drei Jahren wieder behoben werden. Seitdem ist der Park – gegen Eintritts­gebühr – für die Öffent­lichkeit zugänglich. Und mit der Öffnung des Parks wurde auch für die Künst­le­ri­schen Leiter des Asphalt-Festivals ein Traum wahr. Denn der Künst­ler­verein Malkasten, in dessen Besitz sich der Park im engli­schen Stil befindet, hat einem neuer­lichen Künst­lerfest anlässlich des Asphalt-Festivals zugestimmt.

Die Freude währte kurz, denn wie soll ein Künst­lerfest im Jahr 2019 aussehen? Lustwandeln im Park, vorbei an Streich­quar­tetten der Romantik? Wohl kaum. Das Ergebnis durchaus kontro­verser Diskus­sionen ist am Sonntag­abend bei einem Open-Air-Konzert zu betrachten. Der Park, der hinter dem Biergarten des Hentrich-Hauses liegt, ist als künst­le­ri­scher Raum erschlossen. Am Ende der Sicht­achse liegt die im Asphalt-Gelb gehaltene Bühne vor dem Nixen­teich. Die Rasen­fläche vor der Bühne dient dem Publikum. Unbehelligt von Fress- und Trink­buden, die im Bereich vor dem Biergarten als kleines Zentrum angeordnet sind. So gibt es nicht nur Struktur, sondern auch Rückzugs­flächen. Erfreu­licher Neben­effekt der geschickten Bühnen­ge­staltung: Mindestens 1000 Besucher werden das Logo des Aspalt-Festivals auf ihren Smart­phones mit nach Hause nehmen, weil sie das spärliche Bühnen­ge­schehen filmen und fotogra­fieren. Rund 2.000 Besucher versammeln sich dicht­ge­drängt vor der Bühne, um einen Mann zu erleben, der vielen längst als Kult gilt.

Foto © O‑Ton

Carsten Meyer, der sich aufgrund seines gestei­gerten Bauch­um­fangs und einem Hang zur Ironie gern Erobique nennt, ist aus Hamburg angereist, um den Abend unter freiem Himmel zu gestalten. Als Discopunk bezeichnet er sich selbst. Nun gut. Er hat bereits als Kind darum gebettelt, Klavier­un­ter­richt nehmen zu dürfen. Heute ist er vom klassi­schen Reper­toire weit weg, vergnügt sich mit Synthe­sizern und spielt eine gelungene Mischung aus Synthie-Pop und House.

Zu Elektro-Beats, die entspannt über den Rasen fluten, gibt es Geschichten, die der Hamburger, der sich jahrelang durch Clubs gespielt hat, mit abstrusen Texten versieht. Da gibt es natürlich die großen Hits wie Urlaub in Italien oder Easy Mobeasy. Aber auch zu Düsseldorf gibt es zur beson­deren Freude der Gäste ein paar schräge Zeilen. Meyer, gebür­tiger Westfale, wirkt extrem authen­tisch, wenn er mit der Fluppe im Mundwinkel scheinbar ständig impro­vi­siert. Und einen dicken Lacher hat er auch noch auf Lager. Sein „Entspan­nungstanz“ ist so grotesk-komisch, dass man momentelang seinen Weltschmerz vergessen kann. Apropos Entspannung. Die wogende Menge wirkt ungefähr so aufgeregt wie ein Landfrau­en­verein beim Yoga-Abend. Nach einer Stunde lässt Erobique die Sprüche stecken und spielt still vor sich hin, ehe er sich nach einer weiteren Stunde verab­schiedet und die Bühne wieder dem Disc-Jockey Paul Speckmann überlässt.

Obwohl Erobique sich längst verab­schiedet hat, will hier noch keiner wirklich nach Hause. Zu schön ist das Idyll, das das Asphalt-Festival errichtet hat. Da darf man sich jetzt schon auf das kommende Jahr freuen.

Michael S. Zerban

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