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BEATLES & FILMMUSIK
(Diverse Komponisten)
Besuch am
31. Oktober 2024
(Einmalige Aufführung)
Es gibt doch wirklich genug Musik für die Orgel, die berühmte Komponisten wie Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach geschrieben haben, von den Franzosen ganz zu schweigen, die erprobt ist und von der man weiß, wie sie klingt. Muss man sich dann beim Internationalen Düsseldorfer Orgel-Festival irgendwelche „Mätzchen“ wie Beatles oder Filmmusik leisten? Klare Antwort: Ja. Immerhin sorgt das Konzept ungewöhnlicher Kombinationen seit Jahren für steigende Besucherzahlen. Und auch an diesem Abend funktioniert es. Die Auferstehungskirche im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel ist überdurchschnittlich gut besucht. Die Musik der Beatles besitzt noch immer Zugkraft, Filmmusik lockt sogar die junge Generation an. Da nimmt man auch mal Orgelmusik in Kauf.
Die Auferstehungskirche ist mit Bedacht gewählt. Zum einen verfügt die Kirche über einen Spieltisch, der im Kirchenraum aufgestellt werden kann, zum anderen weist die Orgel einige Besonderheiten auf. Im Namen der Europa-Orgel „Felix Mendelssohn“ spiegelt sich „eine Farbenvielfalt regionaler Register wider: spanische Trompeten, italienische Schwebestimmen, französische Cornétmischungen und streichende Register wie Violon oder Gambe für die romantisch-deutsche Literatur, die Balkanflöte Kawal. Neue Register wie moll-Cornét, Bluesquart, Eurofon oder Saxofon und – neben voll mechanischer Bauweise nach dem Prinzip der Werkorgel – modernste Technik und Spielhilfen weisen in die Zukunft“. So weit die Zustandsbeschreibung der Orgel, die 2004 von der Firma Orgelbau W. Sauer aus Frankfurt an der Oder eingebaut und 2019 von der Firma Weimbs überholt und um eine neue Setzeranlage sowie den mobilen Spieltisch erweitert wurde. Beim Bau der neuen Orgel wurde Oskar Gottlieb Blarr als Berater hinzugezogen, der für einige zusätzliche Funktionen sorgte. So verfügt die Orgel beispielsweise auch über ein Glockenspiel, das über ein Register angesprochen werden kann. Er war auch derjenige, der für den Namenszusatz „Felix Mendelssohn“ sorgte, um an den Komponisten zu erinnern, der zwei Jahre lang in Düsseldorf als städtischer Musikdirektor arbeitete und währenddessen auch einige Orgelbauten in der Stadt anstieß. Nur, um es noch mal zu verdeutlichen: Die mit allen Schikanen ausgestattete Orgel steht in einer Stadtteilkirche.

David Schollmeyer stammt aus der Lutherstadt Wittenberg. Er studierte in Halle und legte dort auch das A‑Examen und die Reifeprüfung im Hauptfach Orgel ab. Seit Anfang vergangenen Jahres ist er Landeskirchenmusikdirektor der Bremischen Evangelischen Kirche. Seit Beginn seines Studiums geht er einer umfangreichen Konzerttätigkeit in Deutschland und zahlreichen europäischen Ländern nach. Neben der Kirchenmusik fasziniert ihn die Jazz-Improvisation auf der Orgel. Für das IDO-Festival hat er zwei Programme zusammengestellt. Heute wird er über Beatles-Schlager und Filmmusiken improvisieren, am kommenden Samstag hat er für die Salvatorkirche in Duisburg Musik von Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer zusammengestellt.
So ein mobiler Spieltisch ist eine großartige Angelegenheit, erlaubt er doch einen Einblick in die Arbeit des Organisten, die oftmals mindestens so interessant wie die Musik selbst ist. Aber wie stellt man ihn auf? Zeigt die Rückseite zum Publikum, sieht man zwar den Kopf des Organisten, aber sonst nicht viel. Stellt man ihn andersherum auf, schaut das Publikum den ganzen Abend lang auf den Rücken des Musikers, hat aber immerhin einen Blick auf seine Fußarbeit, die allein ja schon faszinierend ist. Schollmeyer hat sich für die letztere Variante entschieden. Nach einer kurzen wie herzlichen Begrüßung am Mikrofon, so dass ihn das Publikum von vorne sehen kann, beginnt das Konzert.
Die ganz große Begeisterung will sich nicht gleich zu Beginn einstellen. Möglicherweise ist die Erwartungshaltung, die großartigen Stücke der Beatles, die man aus der Jugend kennt, auf der Orgel mindestens genauso großartig zu erleben, zu groß. Man erkennt All you need is love, Ob-La-Di, Ob-La-Da, Hey Jude oder Eight Days A Week wieder. Mit Yesterday stellt sich immerhin so etwas wie sentimentale Erinnerung ein. Bei Lady Madonna stellt sich einmal mehr die Frage, ob die gewählten Tempi den eigenen Vorstellungen entsprechen. Dabei ist weniger das Spiel des Musikers das Problem, sondern die Wahrnehmung des Publikums, das den Klang mit dem des Originals vergleicht. Nach Let it be gelingt Schollmeyer mit dem Schluss von When I’m Sixty-Four ein Coup. Er setzt eine Pause vor dem letzten „four“, ein paar Besucher singen das „four“ laut, ehe er einen tosenden Schlussakkord setzt. Großartig.

Auch A Hard Day’s Night und Penny Lane dürfen nicht fehlen. „Michelle, ma belle, sont les mots qui vont très bien ensemble“ – hat man das damals wirklich so langsam mitgesungen, wie es einem heute vorkommt? Überhaupt ist der Gesang ja tragendes Element bei den Werken der Liverpooler Band. Wäre eine Sängerin nicht auch an diesem Abend eine gelungene Ergänzung; ähnlich wie es vor Kurzem Désirée Brodka und Hans-André Stamm mit den Filmmusiken von Disney so erfolgreich in Benrath praktizierten? Die Frage muss offenbleiben, spielt im zweiten Teil des Abends auch keine Rolle mehr. Denn da geht es um Filmmusiken.
Wild geht es nun durch die Zeiten und Genres. Miss Marple, James Bond und Pink Panther, La Boum – die Fete, Indiana Jones oder Titanic: Wunderbare Erinnerungen zunächst für die älteren Generationen, die die Melodien noch gut im Kopf haben. Später auch für die Jüngeren, wenn es um Fluch der Karibik, Forrest Gump, Schindlers Liste, schließlich auch um Harry Potter oder Star Wars geht. Die Interpretation übersteigt noch das Vergnügen am Ratespiel, zumal Schollmeyer viele der zusätzlichen Funktionen wie das angesprochene Glockenspiel auch nutzt. Da gibt es bemerkenswerte Effekte, die das Spiel gekonnt bereichern.
Ungewöhnlich für das Festival, dass schon nach einer guten Stunde alles vorüber ist. Da will das Publikum, das schon mit Zwischenapplausen nicht geizte und Schollmeyer nun erst recht feiert, nicht auf eine Zugabe verzichten. Der Organist fordert seine Besucher ausdrücklich auf, zumindest am Anfang mitzusingen. Das Guten Abend, gut‘ Nacht von Johannes Brahms schallt durch den Raum, ehe Schollmeyer eine eindrucksvolle Jazz-Improvisation anschließt. Und damit ist klar: Den Mann möchte man im kommenden Jahr mit einem Cool-Jazz-Abend im Festival erleben. An der Orgel. Jawohl.