O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Orgel für besondere Fälle

BEATLES & FILMMUSIK
(Diverse Komponisten)

Besuch am
31. Oktober 2024
(Einmalige Aufführung)

 

IDO-Festival in der Aufer­ste­hungs­kirche, Düsseldorf

Es gibt doch wirklich genug Musik für die Orgel, die berühmte Kompo­nisten wie Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach geschrieben haben, von den Franzosen ganz zu schweigen, die erprobt ist und von der man weiß, wie sie klingt. Muss man sich dann beim Inter­na­tio­nalen Düssel­dorfer Orgel-Festival irgend­welche „Mätzchen“ wie Beatles oder Filmmusik leisten? Klare Antwort: Ja. Immerhin sorgt das Konzept ungewöhn­licher Kombi­na­tionen seit Jahren für steigende Besucher­zahlen. Und auch an diesem Abend funktio­niert es. Die Aufer­ste­hungs­kirche im Düssel­dorfer Stadtteil Oberkassel ist überdurch­schnittlich gut besucht. Die Musik der Beatles besitzt noch immer Zugkraft, Filmmusik lockt sogar die junge Generation an. Da nimmt man auch mal Orgel­musik in Kauf.

Die Aufer­ste­hungs­kirche ist mit Bedacht gewählt. Zum einen verfügt die Kirche über einen Spiel­tisch, der im Kirchenraum aufge­stellt werden kann, zum anderen weist die Orgel einige Beson­der­heiten auf. Im Namen der Europa-Orgel „Felix Mendelssohn“ spiegelt sich „eine Farben­vielfalt regio­naler Register wider: spanische Trompeten, italie­nische Schwe­be­stimmen, franzö­sische Cornét­mi­schungen und strei­chende Register wie Violon oder Gambe für die roman­tisch-deutsche Literatur, die Balkan­flöte Kawal. Neue Register wie moll-Cornét, Blues­quart, Eurofon oder Saxofon und – neben voll mecha­ni­scher Bauweise nach dem Prinzip der Werkorgel – modernste Technik und Spiel­hilfen weisen in die Zukunft“. So weit die Zustands­be­schreibung der Orgel, die 2004 von der Firma Orgelbau W. Sauer aus Frankfurt an der Oder eingebaut und 2019 von der Firma Weimbs überholt und um eine neue Setzer­anlage sowie den mobilen Spiel­tisch erweitert wurde. Beim Bau der neuen Orgel wurde Oskar Gottlieb Blarr als Berater hinzu­ge­zogen, der für einige zusätz­liche Funktionen sorgte. So verfügt die Orgel beispiels­weise auch über ein Glocken­spiel, das über ein Register angesprochen werden kann. Er war auch derjenige, der für den Namens­zusatz „Felix Mendelssohn“ sorgte, um an den Kompo­nisten zu erinnern, der zwei Jahre lang in Düsseldorf als städti­scher Musik­di­rektor arbeitete und während­dessen auch einige Orgel­bauten in der Stadt anstieß. Nur, um es noch mal zu verdeut­lichen: Die mit allen Schikanen ausge­stattete Orgel steht in einer Stadtteilkirche.

Foto © O‑Ton

David Scholl­meyer stammt aus der Luther­stadt Wittenberg. Er studierte in Halle und legte dort auch das A‑Examen und die Reife­prüfung im Hauptfach Orgel ab. Seit Anfang vergan­genen Jahres ist er Landes­kir­chen­mu­sik­di­rektor der Bremi­schen Evange­li­schen Kirche. Seit Beginn seines Studiums geht er einer umfang­reichen Konzert­tä­tigkeit in Deutschland und zahlreichen europäi­schen Ländern nach. Neben der Kirchen­musik faszi­niert ihn die Jazz-Impro­vi­sation auf der Orgel. Für das IDO-Festival hat er zwei Programme zusam­men­ge­stellt. Heute wird er über Beatles-Schlager und Filmmu­siken impro­vi­sieren, am kommenden Samstag hat er für die Salva­tor­kirche in Duisburg Musik von Udo Lindenberg und Herbert Gröne­meyer zusammengestellt.

So ein mobiler Spiel­tisch ist eine großartige Angele­genheit, erlaubt er doch einen Einblick in die Arbeit des Organisten, die oftmals mindestens so inter­essant wie die Musik selbst ist. Aber wie stellt man ihn auf? Zeigt die Rückseite zum Publikum, sieht man zwar den Kopf des Organisten, aber sonst nicht viel. Stellt man ihn anders­herum auf, schaut das Publikum den ganzen Abend lang auf den Rücken des Musikers, hat aber immerhin einen Blick auf seine Fußarbeit, die allein ja schon faszi­nierend ist. Scholl­meyer hat sich für die letztere Variante entschieden. Nach einer kurzen wie herzlichen Begrüßung am Mikrofon, so dass ihn das Publikum von vorne sehen kann, beginnt das Konzert.

Die ganz große Begeis­terung will sich nicht gleich zu Beginn einstellen. Mögli­cher­weise ist die Erwar­tungs­haltung, die großar­tigen Stücke der Beatles, die man aus der Jugend kennt, auf der Orgel mindestens genauso großartig zu erleben, zu groß. Man erkennt All you need is love, Ob-La-Di, Ob-La-Da, Hey Jude oder Eight Days A Week wieder. Mit Yesterday stellt sich immerhin so etwas wie senti­mentale Erinnerung ein. Bei Lady Madonna stellt sich einmal mehr die Frage, ob die gewählten Tempi den eigenen Vorstel­lungen entsprechen. Dabei ist weniger das Spiel des Musikers das Problem, sondern die Wahrnehmung des Publikums, das den Klang mit dem des Originals vergleicht. Nach Let it be gelingt Scholl­meyer mit dem Schluss von When I’m Sixty-Four ein Coup. Er setzt eine Pause vor dem letzten „four“, ein paar Besucher singen das „four“ laut, ehe er einen tosenden Schluss­akkord setzt. Großartig.

Foto © O‑Ton

Auch A Hard Day’s Night und Penny Lane dürfen nicht fehlen. „Michelle, ma belle, sont les mots qui vont très bien ensemble“ – hat man das damals wirklich so langsam mitge­sungen, wie es einem heute vorkommt? Überhaupt ist der Gesang ja tragendes Element bei den Werken der Liver­pooler Band. Wäre eine Sängerin nicht auch an diesem Abend eine gelungene Ergänzung; ähnlich wie es vor Kurzem Désirée Brodka und Hans-André Stamm mit den Filmmu­siken von Disney so erfolg­reich in Benrath prakti­zierten? Die Frage muss offen­bleiben, spielt im zweiten Teil des Abends auch keine Rolle mehr. Denn da geht es um Filmmusiken.

Wild geht es nun durch die Zeiten und Genres. Miss Marple, James Bond und Pink Panther, La Boum – die Fete, Indiana Jones oder Titanic: Wunderbare Erinne­rungen zunächst für die älteren Genera­tionen, die die Melodien noch gut im Kopf haben. Später auch für die Jüngeren, wenn es um Fluch der Karibik, Forrest Gump, Schindlers Liste, schließlich auch um Harry Potter oder Star Wars geht. Die Inter­pre­tation übersteigt noch das Vergnügen am Ratespiel, zumal Scholl­meyer viele der zusätz­lichen Funktionen wie das angespro­chene Glocken­spiel auch nutzt. Da gibt es bemer­kens­werte Effekte, die das Spiel gekonnt bereichern.

Ungewöhnlich für das Festival, dass schon nach einer guten Stunde alles vorüber ist. Da will das Publikum, das schon mit Zwischen­ap­plausen nicht geizte und Scholl­meyer nun erst recht feiert, nicht auf eine Zugabe verzichten. Der Organist fordert seine Besucher ausdrücklich auf, zumindest am Anfang mitzu­singen. Das Guten Abend, gut‘ Nacht von Johannes Brahms schallt durch den Raum, ehe Scholl­meyer eine eindrucks­volle Jazz-Impro­vi­sation anschließt. Und damit ist klar: Den Mann möchte man im kommenden Jahr mit einem Cool-Jazz-Abend im Festival erleben. An der Orgel. Jawohl.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: