O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Beeindruckender Einsatz

BENEFIZKONZERT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
4. September 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Stadt­strand, Düsseldorf

Es ist eine Schande! Beschämend! Andere Worte kann man eigentlich kaum dafür finden, dass es in einer Stadt wie Düsseldorf die Einrichtung einer Tafel geben muss, also einen Verein, der Menschen mit Lebens­mitteln versorgt, damit sie über die Runden kommen. Die Bankrott­erklärung eines Staates, der sich der Fürsorge für die Armen und Bedürf­tigen der Gesell­schaft entzieht und sich darauf verlässt, dass die Bürger selbst initiativ werden müssen. Der amtie­rende Bundes­kanzler hat ja bereits angekündigt, dass er den Sozial­staat weiter schwächen will. Die Bedeutung solcher Einrich­tungen wie die Tafel wird also zukünftig wachsen anstatt abzunehmen. Ein Skandal, über den es aller­dings nicht zu lamen­tieren gilt, sondern der einfach mit prakti­scher Hilfe bekämpft werden muss. Die Solida­rität jedes einzelnen ist gefragt. Die derje­nigen, die die Tafel mit Lebens­mitteln versorgen, derje­nigen, die sie gerecht verteilen, derje­nigen, die von ihrem Vermögen abgeben können, um Logistik und Organi­sation der ehren­amt­lichen Helfer zu finan­zieren, aber auch derje­nigen, die helfen, Spenden einzusammeln.

Foto © Michael Zerban

Der Stadt­strand Düsseldorf hat den Sänger und Kultur­ma­nager Thomas Huy beauf­tragt, im Rahmen der Klassik-Reihe, die er für den Stadt­strand kuratiert, ein Benefiz­konzert zu veran­stalten, um die Tafel Düsseldorf mit Spenden zu unter­stützen. Und, so viel darf vorweg­ge­nommen werden, Huy hat sich selbst übertroffen. Ein Blick auf das Plakat zeigt, dass es ihm gelungen ist, zahlreiche Künstler aller Couleur zu gewinnen, die sich, wie im Laufe des Abends zu erfahren sein wird, nur allzu gern pro bono auf die Bühne unterhalb der Oberkas­seler Brücke begeben, um die Spenden­freude der Gäste anzuheizen. Die schlechte Nachricht ist, dass der Sommer sich an diesem Abend von seiner grauen Seite zeigt und die Wetter­vor­hersage Regen ankündigt. Da bleiben viele doch lieber zuhause. Die gute Nachricht ist, dass dieje­nigen, die trotzdem gekommen sind, nach Kräften Scheine in die Acrylbox zu schieben. Zwar sind zwei Wimpel der Tafel vor der Bühne aufge­stellt, Huy und seinen Freunden gelingt es aber, eine ausge­wogene Balance zwischen Spenden­auf­rufen und Unter­haltung herzu­stellen. Das ist sehr angenehm und fördert sicher die Spenden­be­reit­schaft. Schon bald stellt sich eine fast familiäre Atmosphäre ein. Denn nicht nur auf der Bühne tauchen etliche bekannte Gesichter auf, auch im Publikum erkennt man viele Gesichter von Menschen, die man wohl schon als Stamm­gäste bezeichnen darf.

Den Auftakt übernimmt Vlad Solodov­nykov mit Etna Soul von Gabriele Denaro am Klavier, nachdem der Sound­check zu Beginn sich um mehr als eine halbe Stunde verzögert hat. Huy lässt sich bei Ol Man River von Michael Carleton am Klavier begleiten, den viele von der Düsseldorf Lyric Opera kennen. Mit VII bringt Solodov­nykov eine eigene Kompo­sition zu Gehör. Elena Ududenko ist eigens aus der Schweiz angereist, um zwei Stücke zu präsen­tieren. Anschließend wechselt sich Frank Schnitzler mit Because und You’ll never walk alone mit Sopra­nistin Maria Kiseleva mit ihrer Arie Al dolce guldami aus Anna Bolena von Gaetano Donizetti ab. Inzwi­schen nimmt auch Stephan Lux am Klavier Platz, begleitet erst Schnitzler, um dann beim Duett La ci darem la mano aus Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozart Kiseleva und Huy zu unter­stützen. Mit Nessun dorma bringen Schnitzler und Lux einen weiteren Opern­schlager auf die Bühne. Gern lässt Huy noch einmal das Halleluja von Leonard Cohen erklingen. Dem Sänger kann heute Abend nichts die Laune verhageln, er freut sich wie ein Honig­ku­chen­pferd, dass seine Kollegen alle erschienen sind. Zwei, drei freiwillige Helfer hätte es aller­dings schon noch brauchen können, um Technik, Licht und Umbauten reibungs­loser ablaufen zu lassen.

Foto © Michael Zerban

Die Gäste nehmen es mit Gleichmut, freuen sich über die Live-Auftritte, auch wenn sich hier und da mal Unsau­ber­keiten einschleichen. Schließlich bietet so ein Benefiz­konzert nicht die Möglichkeit unzäh­liger Proben im Vorfeld. Also alles gut, auch wenn der Sänger und Songwriter Adrien mit seinem halbstün­digen Auftritt an der Gitarre und ruhigen Songs für ein wenig Länge sorgt. Dafür geht es anschließend umso flotter weiter – und die beiden Höhepunkte des Abends stehen da noch bevor. Nach dem zweiten Auftritt von Ududenko und Solodov­nykov bringt Chorong Kim Pie Jesu von Gabriel Fauré, ehe Soya Arakawa japanische Musik zum Besten gibt.

Ende Juni dieses Jahres fand im Freibad, der neuen Spiel­stätte am Worringer Platz, das Musik­theater Blatt im Wind von Alexander Manotskov in der Regie von Emiliia Kivelevich statt. Nun tragen die Sänge­rinnen Kyralina Mishchenko und Marfa Umanski in Begleitung des Kompo­nisten am Cello Ausschnitte daraus vor. Gedichte und Texte von Mascha Kaléko werden dabei mit dem Stück Furcht und Elend des Dritten Reiches von Bertolt Brecht verknüpft. Da wird es zu der wunderbar melodien­reichen Musik von Manotskov plötzlich höchst poetisch, leise, nachdenklich und die Stimmen der Sänge­rinnen dringen tief in die Seelen ihrer Hörer vor. Kivelevich hat es sich nicht nehmen lassen, den Auftritt zu gestalten und erreicht mit kleinen Gesten und Aufteilung der Räume noch eine deutliche Steigerung der Wirkung. Da verstummen auch die letzten Gespräche im Publikum, das mit seiner Begeis­terung nicht hinter dem Berg hält.

Foto © Michael Zerban

Mit einigen techni­schen Anlauf­schwie­rig­keiten kann dann der zweite Höhepunkt des Abends beginnen. Denn Huy hat es sich nicht nehmen lassen, dem zeitge­nös­si­schen Tanz mit Ballett-Elementen Raum zu geben. Mit Inside the Bubble – Small but Infinite zeigt Karen Yuri bei ihrem Solo, dass es nicht viel Platz braucht, um Tanz zu zeigen, der auch unerfahrene Zuschauer in seinen Bann zieht. Steigern können das eindeutig Alice Hunter und Valeria di Mauro aus der Compagnie von Pascal Touzeau zu dem Stück Piano Piece 1952 des mexika­ni­schen Elektronik­mu­sikers Fernando Corona, der unter dem Namen Murcof auftritt. Seit etlichen Monaten mischt Touzeau mit seinen Tänze­rinnen die so genannte Freie Szene auf. Sie lassen keine Möglichkeit aus, Ballett im Alltagsraum zu zeigen und arbeiten permanent an der Erwei­terung ihrer Bewegungs­sprache. Auch für die paar Quadrat­meter vor der Bühne des Stadt­strandes finden sie eine neue Choreo­grafie mit Spitzentanz-Elementen, die das Publikum schwer beein­druckt. Schwierig, die beiden Auftritte noch zu toppen.

Huy versucht es gar nicht erst, sondern schlägt mit seiner Kollegin Karin Wöpking und dem Pianisten Thomas Hinz ein neues Kapitel auf. Die drei werden am darauf­fol­genden Abend erstmalig mit einem Tango-Programm auftreten, und da liegt es nahe, schon mal zwei Kostproben abzuliefern. Es folgen also Yo soy María, der Klassiker von Astor Piazzolla, und Los Mareados des argen­ti­ni­schen Tango­pia­nisten Juan Carlos Cobián.

Extra aus Köln angereist sind Debi & The Psychos, eine „punky Rock-/Pop-Band“, die seit zwei Jahren mit eigenen Songs daran arbeitet, ihren Platz in der Musik­szene zu behaupten. Auch beim letzten Auftritt des Abends bleiben die techni­schen Schwie­rig­keiten nicht aus. Da hätte die sympa­thische Debi die Gelegenheit gut nutzen können, ein wenig mehr über die Band zu erzählen, anstatt sich in einem fort für die Technik zu entschul­digen. Denn schließlich funktio­niert es ja doch irgendwann.

Mehr als vier Stunden haben die Akteure das Publikum unter­halten, um Geld für die Tafel einzu­sammeln. Das kann man ihnen nicht hoch genug anrechnen. Vermutlich steht der Ertrag nicht mal in einer vernünf­tigen Relation zum Aufwand. Aber die Gewissheit, sich solida­risch mit den Armen und ihren Helfern gezeigt zu haben, dürfte bei Publikum und Künstlern gleicher­maßen ein gutes Gefühl hinter­lassen. Und mindestens dafür hat sich der großartige Abend gelohnt.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: