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Foto © Camilla Greenwell

Mörderische Dunkelheit

BLKDOG
(Botis Seva)

Besuch am
12. September 2023
(Premiere)

 

Düsseldorf-Festival, Zirkuszelt

Schreib doch mal ’n Begleittext für den Tanzabend mit dem Botis Seva. So 10.000 Zeichen. Kriegst Du das hin?“ So oder ähnlich könnte der Auftrag an Thomas Hahn gelautet haben. Da gibt es kein Zögern, kein Überlegen, ob das Thema einen solch langen Text hergibt. Diese Frage beant­wortet man im Kultur­be­reich einfach nur mit „Ja“. Denn solche Aufträge sind mittler­weile rar gesät. Also pustet der Autor den Text auf. Da wird dann auch allzu Bekanntes gern noch mal aufge­wärmt. Und das ist auch ziemlich egal, denn wenn der Aufsatz nach der Veröf­fent­li­chung so viele Recht­schreib­fehler enthält wie auf der Netzseite des Düsseldorf-Festivals, ist die Gefahr ohnehin ziemlich gering, dass er noch viele Leser findet.

Botis Seva ist als Sohn eines Kongo­lesen und einer Angola­nerin im Londoner Außen­bezirk Enfield geboren und im Vorort Dagenham aufge­wachsen. In der Schule kam er mit dem Tanz in Berührung und zeigte sich schon als 15-Jähriger choreo­gra­fisch talen­tiert. 2010 gründete er die Compagnie Far From the Norm, ein Tanzensemble, das bis heute besteht. Mit dem ist er nun zum Düsseldorf-Festival einge­laden, um sein Stück Blkdog zu zeigen. Es ist die künst­le­risch umgesetzte Erzählung seiner Jugend. Die Medien lieben solche Geschichten. Ein Junge, ein dunkel­häu­tiger noch dazu, kämpft sich aus schwie­rigen sozialen Verhält­nissen erfolg­reich auf das inter­na­tionale Tanzparkett. Und so verwundert es nicht, dass die Arbeit von Seva hochge­jubelt wird. Das Stück selbst kann man durchaus diskutieren.

Foto © Camilla Greenwell

Tom Visser setzt ein Licht, das eher weniger als mehr vom Geschehen sehen lässt, bis dahin, dass nur noch Silhou­etten zu erkennen sind. Seva sorgt in dieser Viertel­dun­kelheit durchaus für tänze­rische Effekte. Wenn die sieben Tänzer in der Hocke ein hohes Lauftempo entwi­ckeln – was zuvör­derst die Lust von Ortho­päden auf künftige Knieope­ra­tionen steigern dürfte – oder reflex­hafte, stacca­to­artige Bewegungen zu Geräu­schen von der Festplatte zeigen, ist das eindrucksvoll. Aller­dings nutzen sich Morde, Rudel- und Rangkämpfe einschließlich Wieder­be­lebung und Verge­wal­ti­gungs­szenen in der perma­nenten Wieder­holung ab. Und wenn Seva die große Keule in Form eines Baseball­schlägers herausholt, geht allmählich die Lust am Zuschauen verloren. Zumal die von Hahn verkün­deten Hoffnungs­schimmer nicht so recht erkennbar sein wollen. Dankens­wer­ter­weise erspart Seva dem Publikum die Rassismus-Debatte. Es gibt beim deutschen Tanzpu­blikum vermutlich ohnehin niemanden mehr, der sich für die Hautfarbe eines Tänzers inter­es­siert. Ryan Dawson Laight sorgt mit den Kostümen gar dafür, dass Geschlechter so gut wie möglich unkenntlich gehalten werden. Dass damit auch jede erotische Spannung in Trainings­an­zügen versackt, mag durchaus im Sinne Sevas liegen, hilft dem Stück aber auch nicht auf die Sprünge.

Letztlich bleibt von der Kompo­sition Torben Sylvests nach der Aufführung nichts im Gedächtnis außer ein paar engli­schen Sprach­fetzen. Nach einer guten Stunde ist es gut mit dem gewalt­tä­tigen Handlungs­ballett. Das Publikum im gut besuchten Theaterzelt applau­diert zunächst zögerlich, dann trotzig, nachdem das Ensemble wort- und grußlos, also ohne jede Verbeugung von der Bühne verschwindet und auch nicht wiederkehrt.

Im stürmi­schen Regen geht es dann hinaus in die Nacht, in der modrig-parfü­mierte Gerüche aus der Altstadt in die Nase steigen. Das passt dann auch – irgendwie.

Michael S. Zerban

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