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Foto © O-Ton

In neuem Glanz

MESSE IN F‑MOLL/​TE DEUM
(Anton Bruckner)

Besuch am
13. November 2022
(Einmalige Aufführung)

 

Projektchor Düsseldorf in der Adolfus-Kirche, Düsseldorf

Lange hat er sich Zeit gelassen, der Stephan Hahn, Künst­le­ri­scher Leiter des Projekt­chors Düsseldorf, bis er wieder persön­liche Treffen zuließ. Die Gefahr, die Ausbreitung von Corona mit Chorproben zu unter­stützen, wollte er nicht verant­worten. Statt­dessen versorgte er die Choristen mit wöchent­lichen Mails, leistete unermüdlich Motiva­ti­ons­arbeit, um die Mitglieder im Chor zu halten. Als es endlich mit den Proben zum nächsten Konzert wieder losgehen konnte, sah er sich belohnt. Ein Großteil des Chors erschien zu den Vorbe­rei­tungs­treffen. Dem Projektchor ergeht es damit wie vielen anderen Chören auch. Ein Rumpf ist erhalten geblieben. Aber niemand darf die Menschen verur­teilen, die nun nicht mehr dabei sind. Bei vielen haben sich im Laufe der Pandemie die Lebens­um­stände verändert. Und es redet keiner gern darüber: Viele Menschen haben bis heute Angst vor zu nahen Begeg­nungen mit anderen Menschen. Man muss kein Prophet sein, um vorher­sagen zu können, dass es noch eine erheb­liche Zeit dauern wird, bis die Chöre ihre alte Stärke wiedererlangen.

Hannah Medlam, Sandra Fechner, Thorsten Büttner und Frederik Schauhoff – Foto © O‑Ton

Aber man darf sich davon auch nicht Bange machen lassen. Im Projektchor Düsseldorf haben die meisten Mitglieder in ihre „zweite Heimat“ – das ist der Chor tatsächlich für viele der Laien­sänger – zurück- und inzwi­schen längst die Lust am Singen und an der Begegnung wieder­ge­funden. Hilfreich war dabei sicher, dass das Material schon lange einge­sungen war und nunmehr lediglich aufge­frischt werden musste. Zusätz­liche Unter­stützung haben speziell die Mitglieder des Projekt­chors in der charis­ma­ti­schen Erscheinung ihres Leiters, der sie intensiv auf ein anspruchs­volles Werk vorbe­reitet hat. Damit liegen keine Schwie­rig­keiten vor ihnen, statt­dessen überwiegt die Vorfreude. Zusätz­liche Motivation gab sicher, dass die Spiel­stätte des Projekt­chors erhalten blieb. Und so öffnet die Adolfus-Kirche im Stadtteil Pempelfort gern wieder ihre Pforten für die Fange­meinde, die an diesem Sonntag die Kirchen­bänke füllt.

1867 erhielt Anton Bruckner den Auftrag, eine Messe für die Wiener Hofmu­sik­ka­pelle zu kompo­nieren. Als er im September das im Frühjahr beauf­tragte Werk vorlegte, lehnten es die Musiker der Hofmu­sik­ka­pelle ab. Die Messe sei unspielbar. Ein Argument, das sich häufiger in der Musik­ge­schichte findet und das umso leichter fällt, je unbekannter der Komponist ist. Bruckner hatte sich zu dieser Zeit noch keinen Namen in Wien gemacht. Am 16. Juni 1872 fand die Urauf­führung dann in der Wiener Augus­ti­ner­kirche unter Bruckners Leitung und auf seine Kosten statt. Aber erst nach seinem Tod wurde die Messe in f‑moll, die letzte von insgesamt fünf Messen, eines der belieb­testen Chorwerke der Romantik. Zugleich stellte sie einen Wechsel in seinem Schaffen dar, widmete er sich doch anschließend vor allem der Gattung der Sinfonie. Elemente finden sich bereits in der Messe und machen sie damit zu einem Werk, das sich auf Augenhöhe mit anderen berühmten Messver­to­nungen, etwa von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart oder Ludwig van Beethoven wieder­findet. Insgesamt spricht das Werk mit seiner rund einstün­digen Auffüh­rungs­dauer die Sinne der Hörer mit seinen sinfo­ni­schen Elementen, einer hohen Chorkunst und einem maximalen Ausdruck emotional an. Danach fühlt man sich gesättigt.

Stephan Hahn – Foto © O‑Ton

Für die Aufführung der Messe hat der Chor erneut Mitglieder des Kölner Sinfo­nie­or­chesters einge­laden. Es sind bereits alte Bekannte in der Adolfus-Kirche, bei denen man sich stets auf ein Wieder­sehen freut, weil sie für eine hohe Qualität stehen. So erweisen sie sich auch heute als perfekte Begleiter des Chors, wenn sie die Feinheiten der Partitur heraus­ar­beiten. Da gibt es immer wieder schöne, berüh­rende Momente. Die Solisten sind mit ihrer Arbeit sicher nicht überfordert. Hannah Medlam springt als Sopran für Arminia Friebe ein, die wegen „ander­wei­tiger beruf­licher Verpflich­tungen“ absagen musste – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Sandra Fechner übernimmt den Part der Mezzo­so­pra­nistin. Als Bariton wurde Frederik Schauhoff verpflichtet, der sichtlich Spaß an der Arbeit hat. Einen ganz beson­deren Akzent setzt Tenor Thorsten Büttner mit seiner Verdi-Stimme. Unter dem Dirigat von Stephan Hahn wird die Messe zu einem Fest in der Kirche, in der die Balance der Lautstärke bekann­ter­maßen extrem schwierig ist. Der Chor beweist, dass er nahtlos an die früheren Erfolge anknüpfen kann.

Das Publikum applau­diert frene­tisch. Eine wunderbare Aufführung, die man gern genauso in Erinnerung behalten hätte. Aber dem Chor reicht es nicht. Es muss noch das Te deum Bruckners hinterher. Aufbrausend ertönt in einem halbstün­digen Finale der Lobgesang Gottes. Chor, Orchester und Solisten geben noch einmal alles. Bereits am 17. Dezember ist der Chor wieder in der Kirche zu erleben. Dann aller­dings etwas weniger spekta­kulär mit einer Abend­messe mit Adventsmusik.

Michael S. Zerban

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