O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Verloren im Saal

CE QUI COULE DU GESTE
(Diverse Komponisten)

Besuch am
18. Juni 2022
(Einmalige Aufführung)

 

Schumannfest 2022, Tonhalle, Düsseldorf

Grabes­stille in der Tonhalle. Mon dieu, man kennt das ja bei Festivals. Da ist die Spiel­stätte nicht der Haupt­spielort, sondern ein Salon am anderen Ende der Stadt. Aber nein, beruhigt das freund­liche Personal am Einlass. Alles in Ordnung. Später wird zu erfahren sein, dass für den Mendelssohn-Saal, das ist der große Saal der Tonhalle, der rund 1.900 Plätze umfasst, rund 60 Karten ausge­geben wurden. Nun ist die Aufführung des heutigen Abends ohnehin nur für Bühne und Chorpodium vorge­sehen. Aber auch da hätten mindestens drei Mal so viele Menschen Platz gehabt. Und nein, die Hitze in Düsseldorf ist nicht die Entschul­digung. 32 Grad im Schatten sorgen für Menschen­auf­läufe am Rheinufer, wenige Meter von der Tonhalle entfernt. Und Kenner wissen sowieso, dass es tempe­ra­tur­be­zogen kaum einen angeneh­meren Ort in der Stadt gibt als das Konzerthaus, das die Kapazi­täten seiner Klima­anlage ausspielt.

Bundesweit nehmen die Zuschau­er­zahlen im Klassik-Bereich drama­tisch ab. Ausnahmen bestä­tigen die Regel. Geht der Wettbewerb gegen „attraktive“ Fernseh­pro­gramme und andere Unter­hal­tungs­formen verloren? Die Veran­stalter werden gut daran tun, sich nicht in der Hoffnung, dass schon alles wieder besser werde, tatenlos in die Sommer­ferien zurück­zu­ziehen, sondern außerhalb ihrer Blasen nach neuen Strategien zu suchen. Und sie werden sich entscheiden müssen, ob sie sich weiter gender-ideolo­gisch gegen das Publikum aufstellen wollen oder vielleicht doch eher wieder die sprach­liche Nähe zu ihren Besuchern suchen. All das ist Zukunfts­musik. Heute geht es eher um gegen­wärtige und alte Musik in Verbindung mit Malerei. Und das auf ausge­sucht hohem Niveau.

Charlotte Guibé – Foto © Susanne Diesner

Längst gehört Isabelle Faust zur Weltklasse der Geiger. Dazu beigetragen hat ihr Einsatz für zeitge­nös­sische Musik. Und dazu passt auch das heutige Programm Ce qui coule du geste – das, was aus der Geste fließt. Selten kommt man einer solchen Persön­lichkeit näher als im Rahmen des Schumann­festes. Auf der Bühne ist eine Wand gegen das Parkett aufge­stellt, an der 16 Kunst­werke aufge­hängt sind. Davor gibt es Maluten­silien und einen Noten­ständer, vor denen Stühle im Halbkreis aufge­stellt sind. So bekommen die Besucher sogar die Gelegenheit, mal auf dem Stuhl zu sitzen, der norma­ler­weise von den Orches­ter­mit­gliedern genutzt wird. Und da darf man festhalten: Ein Orches­ter­stuhl ist kein Chefsessel. Auch wenn die Rücken­lehne verstellbar ist.

Faust ist nicht allein gekommen. Sie hat die Malerin Charlotte Guibé mitge­bracht, um ein Projekt zu verwirk­lichen, dass die beiden gemeinsam mit dem Kompo­nisten Ondrej Adámek entwi­ckelt haben. Es geht, wie der Name des Programms andeutet, um die Geste, die sich wie eine Klammer um den Abend legt. Guibé nimmt einzelne Bilder von der Wand, um sie unter anderem mit einem Geigen­bogen und flüssiger Farbe weiter­zu­be­ar­beiten, während Faust die Musik von Adámek mit Stücken von Johann Sebastian Bach, Johann Georg Pisendel und Heinrich Ignaz Franz Biber kombi­niert, wenn sie nicht ganz auf das Instrument verzichtet und das Musizieren auf das Gestische reduziert. Die Idee ist nicht neu, früher nannte man solche Veran­stal­tungen Happe­nings. Auch wenn es da schon mal rauer zuging. Hier laufen die Bewegungen ruhig ab, so dass schon fast ein zauber­hafter Eindruck entsteht. Was ein wenig befremdet, ist die Ernst­haf­tigkeit, um nicht zu sagen die Leichen­bit­ter­miene, mit der die beiden Künst­le­rinnen zu Werke gehen. Da freut man sich regel­recht, die beiden nach einein­viertel Stunde auch mal lächeln zu sehen. Nämlich dann, wenn sich das Publikum für die Aufführung sehr herzlich bedankt.

Der Tonhalle ist hier ein sehr schöner, distin­gu­ierter Beitrag zu ihrem Motto „Kunst total“ gelungen, der in einem kleineren Saal vielleicht nicht einmal so intensiv gewirkt hätte wie in der Weite des Kuppel­saals. Und manchmal braucht Kunst auch für wenig Publikum viel Raum.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: