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LA CENERENTOLA
(Gioacchino Rossini)
Besuch am
22. November 2018
(Premiere am 9. Januar 1974)
Es gibt Inszenierungen, derer man einfach nicht müde wird und hat man sie auch noch so oft gesehen. La Cenerentola in der Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle gehört sicher zu dieser seltenen Spezies. Die Cenerentola ist die italienische Umdeutung des Märchens Aschenputtel aus der Feder von Gioacchino Rossini, der gesagt haben soll: „Wer eine meiner Opern kennt, kennt sie alle.“ Ponnelles Inszenierung kennt man, oder man sollte sie kennen. 1969 findet in San Francisco die erste Premiere statt, über Florenz gelangt sie an die Scala in Mailand und dann? Dann erarbeitet Ponnelle im Rahmen seines Rossini-Zyklus diese Meisterleistung an der Deutschen Oper am Rhein. Am 9. Januar 1974 ist Premiere im Duisburger Haus. Auch in München an der Staatsoper ist Ponnelles Gesamtkunstwerk – Bühnenbild und Kostüme hat er ebenso entworfen – bis heute zu sehen und der 1981 produzierte Opernfilm ist nach wie vor auf DVD erhältlich.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Ein Glück also für die Region NRW, dass Intendant Christoph Meyer weiterhin an dieser Inszenierung festhält und sie 2017 nach zwölf Jahren Abstinenz wieder auf den Spielplan der Deutschen Oper am Rhein zurückgeholt hat. Allein die vielen Details der Kulissen und Kostüme sind ein Besuch der Aufführung wert. Natürlich hat die Puppenhauskulisse von Don Magnificos arg ramponiertem Palast nicht die große Dimension wie an der Scala oder an der Staatsoper, was aber die Personenführung nur noch intensiviert. Ein derartiges dreidimensionales Bühnenbild, das auch die Tiefe der Spielfläche mit perspektivischer Malerei geschickt ausnutzt, ist heutzutage eine Rarität. Sogar ein Einhorn findet sich unter den Verzierungen der fürstlichen Fassade von Don Ramiros Palast wieder. Es ist eben ein Märchen, auch wenn es in der Version Rossinis und in der Inszenierung Ponnelles sehr bodenständig und ohne eine gute Fee auskommt. Als höhere Macht wird von Strippenzieher Alidoro, dem Berater des Prinzen, ein allgütiger Gott angerufen, in dessen Auftrag er handelt. Ansonsten geht es allzu menschlich und sehr komisch daher, wenn sich die bösen Stiefschwestern Clorinda und Tisbe samt ihrem aufgeblasenen Vater Don Magnifico für einen vermeintlichen Prinzen in Szene setzen wollen, sich dabei hoffnungslos lächerlich machen und dabei auch noch dem wahren Prinzen auf die Füße treten. Die legendären Momente der Regie – wie das geifernde Warten auf das Buffet oder Dandinis und Magnificos Kämpfchen um einen Stuhl – funktionieren nach 40 Jahren immer noch mehr als gut. Natürlich sind – und da kann man Spielleiter Volker Böhm keinen Vorwurf machen – einige Abläufe mittlerweile etwas mechanisch und verwässert. Noch dazu stellt die Bühnentechnik während der Gewittermusik etwas zu schnell wieder auf eitlen Sonnenschein um. Aber diese Kleinigkeiten tun einer wirklich sehr sehenswerten und unterhaltsamen Aufführung keinen Abbruch.

Einen Aspekt des 21. Jahrhundert bringt die Gast-Angelina der Aufführung mit sich. Margerita Gritskova tritt selbstbewusster und vitaler als Aschenputtel auf, als man es gewohnt ist. Sie wirkt nicht wie leidende, passive Frau, sondern leistet sich auch manch quirlige Reaktion einer aktiv abwartenden Person, die ihr Schicksal ändern möchte. Für ihre Entschleierung im ersten Akt fehlt ihr etwas die innere Ruhe. In ihrem tragfähigen Piano spiegelt sich dagegen die gepriesene Güte umso deutlicher wider. Man sieht und hört, dass die Mezzosopranistin das Potenzial zu einer idealen Angelina hat. Ihre Stimme bewältigt in schönen Läufen die Tonleitern rauf und runter und bleibt bis zu ihrem wunderbar vorgetragenen Rondo agil und schärfenfrei. Um die stimmliche Gesundheit ihres Prinzen muss man sich etwas sorgen, weil besonders im Piano der Tonansatz wackelig ist. Oft benötigt Juan José de León ein paar Takte, um seinen an sich attraktiven Tenor in die Spur zu bringen. Doch wenn die Stimme läuft, dann läuft sie richtig – und zwar ab nach oben in attraktiv-virile Ansagen. Höhenangst scheint er nicht kennen, und sein Auftritt ist fürstlich resolut und selbstbewusst. Laimonas Pautienius hat vom ersten Moment an richtig Lust auf seinen Dandini. Er kostet die Verkleidung als Prinz herrlich aus und setzt seinen Bariton wunderbar hochtrabend ein. Wenn er dann Papa Magnifico im Duett Un segreto d’importanza beibringen muss, dass seine Töchter – herrlich komisch: Caterina di Tonno und Kimberly Boettger-Soller – einen Dienstboten angehimmelt haben, dann liefern Pautienius und Renato Girolami das Kabinettstückchen des Abends ab. Girolami, ein hundertprozentiger Buffo-Bass, poltert, singt und plappert sich im herrlichen Parlando durch den Abend. Ein stolzer, italienischer Padre durch und durch. Adam Palka komplettiert als Alidoro das durchschlagkräftige Terzett der tiefen Männerstimmen. Während er sich mit seinem satten Bass in den Ensembles etwas zurückhält, kostet er die große La del ciel mit Inbrunst aus.
Von Antonio Fogliani und den Düsseldorfer Symphonikern gibt es die passende Untermalung im früh-industriellen Stil. Fogliani schlägt vom ersten Takt der Ouvertüre recht zügige Tempi an, und so rattern die Instrumente mit mechanischer Präzision durch den Abend. Das klingt bei dem versierten Klangkörper freilich nicht nach Stahl und Ruß, sondern nach Champagner und Feuerwerk. Wie so oft in Düsseldorf ist das Forte eine Spur zu laut, so dass man noch den von Patrick Francis-Chestnut einstudierten Herrenchor, der herrlich mitspielt, für vokale Durchschlagskraft hinzuziehen muss.
Das Publikum, mit vielen jungen Gesichtern darin, freut sich merklich über diesen Abend. Am Ende wird weniger das gesamte Ensemble gefeiert, sondern die vokalen Einzelleistungen mit vielen Bravos bewertet. So funktioniert eine Oper auch über mehrere Jahrzehnte hinweg.
Rebecca Hoffmann